Schweizer Börse auf Erholungskurs

Die Schweizer Börse ist am Mittwoch nach fünf Tagen fallender Kurse auf einen Erholungskurs eingeschwenkt.
15.06.2016 17:59
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Bild: cash

Der SMI legte 0,5 Prozent auf 7679 Punkte zu und machte damit einen Teil der jüngsten Abschläge von rund sieben Prozent wett. "Nach einer so schwachen Entwicklung durfte mit einer Gegenbewegung gerechnet werden", sagte ein Händler. Die Anleger hätten aber nicht stark zugegriffen. Die Umsätze seien im Vergleich zum Vortag geringer gewesen. Trotz der Kurserholung blieben die Anleger nervös, hiess es. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex ging zwar zurück, notierte aber mit über 28 Punkten weiterhin auf hohem Niveau.

Dies lag laut Händlern neben dem Votum Grossbritanniens über einen EU-Austritt auch an dem am Abend erwarteten Zinsbeschluss der US-Notenbank Fed. Experten rechnen nicht mit einer Straffung der Geldpolitik, aber mit Hinweisen auf den weiteren Kurs. Nach den jüngsten mauen Konjunkturdaten dürfte Fed-Chefin Janet Yellen eine Zinserhöhung weiter hinauszögern. Der nächste Schritt wird frühestens im Juli oder September erwartet. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte vor der Brexit-Abstimmung kaum an der geldpolitischen Schraube drehen. Die SNB veröffentlicht die Beschlüsse am Donnerstag.

Risikoscheue Anleger

Die Marktteilnehmer seien risikoscheu und tätigten derzeit meist nur kurzfristige Engagements, sagten Börsianer. Sie seien nicht überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Brexit bereits eingepreist sei. "Bevor nicht die Brexit-Abstimmung vom Tisch ist, wird es wohl keine Trendwende geben."

Zudem sprächen auch charttechnische Faktoren eher für weiter fallende Kurse. "Der SMI ist auf 7700 Punkte gefallen und damit in gefährliches Territorium gesunken", sagte ein Händler. Es bestehe Luft nach unten in Richtung 7600. "In dieser Gegend haben wir mehrfach wieder nach oben gedreht", sagte ein Händler.

Bis auf Actelion legte sämtliche Standardwerte zu. Mit den Anteilen von Basilea und Santhera schwächten sich auch andere Biotechnologieaktien ab.

Kräftige Gewinne verbuchten Aktien, die zuvor am stärksten gefallen waren. Dazu zählten etwa die Anteile von LafargeHolcim, die um 3 Prozent stiegen.

Mit den Aktien des Aromenherstellers Givaudan, den Luxusgüterherstellern Richemont und Swatch, dem Inspektionskonzern SGS und den Anlagenbauern Sulzer und Rieter verbuchten weitere zyklische Titel Kursgewinne.

Banken legen zu

Auch die arg gebeutelten Finanzaktien legten kräftig zu. Der Versicherer Zurich gewann 1,9 Prozent. Die Papiere der Grossbank Credit Suisse stiegen um 1,9 Prozent. Sie waren am Vortag kurzzeitig auf ein Rekordtief gefallen. Die Anteile von Julius Bär rückten um 1 Prozent vor.

UBS erholten sich um 1,5 Prozent. Die Ratingagentur Fitch hat das Long-Term Issuer Default Rating für die UBS AG und die UBS Switzerland AG auf "A+" von "A" hochgestuft. Der Ausblick ist stabil. Die entsprechende Bonitätsnote für das gesamte Institut bestätigte Fitch mit "A" - mit positivem Ausblick.

Die Aktien von GAM schwächten sich um 0,3 Prozent ab. Der Titel des Assetmanagers war am Dienstag nach einer Gewinnwarnung vorübergehend um einen Fünftel eingebrochen.

Die Papiere von Syngenta gewannen 0,3 Prozent und hinkten damit dem Markt hinterher. Die Übernahme des Pflanzenschutzherstellers zieht sich hin. ChemChina braucht einem "Bloomberg"-Bericht zufolge in den USA mehr Zeit, um grünes Licht für den Zukauf zu bekommen. Der chinesische Konzern habe die Unterlagen für die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme erneut eingereicht, berichtete die Agentur unter Berufung auf zwei Insider. Das zuständige US-Regierungs-Kommitee habe 75 Tage Zeit, um zu prüfen, ob Übernahmen die nationale Sicherheit gefährden. "Wenn das noch lange dauert, steigen ungeduldig gewordene Anleger bald aus", sagte ein Händler.

Die als krisenresistent geltenden Pharmariesen Novartis und Roche stiegen um je 0,1 Prozent und die Anteile des Lebensmittelkonzerns Nestle wurden um 0,1 Prozent höher gehandelt.

Am breiten Markt legten die Anteile von Evolva, Myriad und Leonteq kräftig zu. "Eine technische Erholung nach dem jüngsten Kurseinbruch", sagte ein Händler.

Eine Kaufempfehlung verhalf den Aktien von Logitech zu einem Kursplus von 4,75 Prozent.

(Reuters)