Schweizer Börse: Auf und Ab nach Draghi-Rede

Aus Enttäuschung über das Ausbleiben weiterer Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) rutschten die Kurse an der Schweizer Börse am Donnerstag vorübergehend ab, konnten sich dann aber wieder fangen.
08.09.2016 17:50
Ein Auf und Ab bestimmte am Donnerstag das Geschehen an der Schweizer Börse.
Ein Auf und Ab bestimmte am Donnerstag das Geschehen an der Schweizer Börse.
Bild: cash

Händler sagen, manche Anleger hatten wohl etwas zu hohe Erwartungen an die EZB: "An der Grosswetterlage hat sich ja nichts geändert", sagt ein Börsianer. Der SMI notiert zum Börsenschluss mit 8315 Punkten um 0,1 Prozent tiefer. "Wir sind auch nach Draghi in unserer Handelsspanne 7800 bis 8300 Punkte gefangen", sagt ein Händler.

Die EZB liess die Schlüsselzinsen unverändert und kündigte auch nicht wie von zahlreichen Marktteilnehmern erhofft eine Ausweitung oder Verlängerung ihrer Anleihekäufe an. EZB-Chef Mario Draghi sagte, er habe mit seinen Kollegen die Verlängerung der Wertpapierkäufe nicht diskutiert. Die gesenkten Konjunktur- und Inflationsprognosen erforderten derzeit keine zusätzlichen Massnahmen. Draghi wiederholte, dass das sogenannte Quantitative Easing (QE) bis März 2017 oder bei Bedarf darüber hinaus laufen soll.

"Dass die EZB heute nicht geldpolitisch nachgelegt hat, war keine Überraschung. Mario Draghi hat die Tür für eine weitere Lockerung offen gelassen, ohne aber ganz konkrete Hinweise darauf zu geben. Ich rechne damit, dass die Anleihekäufe noch einmal verlängert werden", sagt Holger Sandte von Nordea Bank. "Nach unserer Ansicht sind weitere Stimulierungsmassnahmen nur eine Frage der Zeit", sagt auch Anthony Doyle von M&G Investments.

Gefragte Finanzwerte

Die Schweizer Standardwerte rutschten während der Pressekonferenz des EZB-Präsidenten teilweise ins Minus. Gefragt waren Finanzwerte. Die Aktien der Versicherer Swiss Re und Swiss Life ziehen um 2 und 1 Prozent an. Die Anteile der Grossbank Credit Suisse rücken 2 Prozent vor, die von Rivalin UBS 0,6 Prozent.

Die Titel der Sanitärtechnik-Firma Geberit, des Lebensmittelkonzerns Nestlé sowie des Pharmakonzerns Roche geben nach. Die Titel des Duft- und Aromenherstellers Givaudan und der Inspektionsfirma SGS geben anfängliche Kursgewinne grösstenteils wieder preis. Auch die Novartis-Aktien fallen leicht ins Minus.

Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB sind fester, ebenso die Titel des Personalvermittlers Adecco, des Uhrenkonzerns Swatch und des Luxusgüterkonzerns Richemont. Richemont will kommende Woche über den Geschäftsgang in den ersten fünf Monaten informieren. Die Analysten der Zürcher Kantonalbank erwarten währungsbereinigt einen Umsatzrückgang von 9 Prozent.

AMS brechen nach Kursverlusten bei der Apple-Aktie ein

Am breiten Markt stechen die Aktien von AMS mit einem Kurseinbruch von 4,9 Prozent heraus. Anleger trennten sich von den Titeln der Chip- und Sensorfirma im Sog des Kurseinbruchs der Apple-Aktien. AMS ist Zulieferer des iPhone-Herstellers. Apple will darauf verzichten, Verkaufszahlen für das neue iPhone 7 zu nennen. Dies nährte die Spekulationen, dass die iPhone-Nachfrage ihren Höhepunkt überschritten haben könnte.

Die Aktien von Romande Energie legen 6,8 Prozent zu. Der Stromproduzent ist im ersten Halbjahr mit einem Gewinn von 55 Millionen Franken in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Die Aktien der Cembra Money Bank wurden um 2,3 Prozent höher gehandelt. Vorübergehend erreichten sie bei 73,50 Franken ein Rekordhoch.

Die Aktien von Dorma+Kaba steigen um 2,2 Prozent und machen damit einen Teil des Kurssturzes vom Vortag wett.

Die Zurückstufung auf "Hold" von "Buy" durch Baader Helvea drückt die Anteile des Anlagenbauers Schweiter 6,4 Prozent ins Minus.

(Reuters/cash)