Schweizer Börse: Auf und Ab unter der Nulllinie

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Montagmorgen zunächst schwach in die neue Woche gestartet, hat sich bis am Mittag aber gefangen und grenzt mit der Unterstützung der Schwergewichte das Minus ein.
28.11.2016 12:55
Mal mehr, mal weniger, aber immer im Minus: Die Schweizer Börse am Montagmorgen.
Mal mehr, mal weniger, aber immer im Minus: Die Schweizer Börse am Montagmorgen.
Bild: cash

Die Marktlage bleibe aber von Unsicherheit geprägt, meinen Händler. In einem an Impulsen armen Geschäft warte man bereits mit Spannung auf den am Freitag auf dem Programm stehenden US-Arbeitsmarktbericht. Und auch die Abstimmung zur Verfassungsreform in Italien vom kommenden Wochenende lasse die Anleger vorsichtig agieren, heisst es.

In Italien macht sich grosser Widerstand gegen den von Premierminister Matteo Renzi lancierten Reformvorschlag breit, die den politischen Entscheidprozess vereinfachen soll. Experten befürchten, dass bei einem "No"-Votum das euro-kritische Lager um die Fünf-Sterne-Bewegung an Stärke gewinnt. Am Markt sind zudem Zweifel an der Umsetzung einer bereits beschlossenen Förderkürzung des Ölkartells Opec aufgekommen, was aber nur leicht auf den Ölpreis drückt. Interessant wird sein, wie die US-Börse nach der Rekordjagd und nach dem "Thanksgiving"-Wochenende in die neue Woche steigt.

Bis Mittag büsst der SMI noch 0,2% auf 7865 Punkte ein. Am Morgen war der Index noch bis auf 7827 Zähler zurückgefallen. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,3% auf 1245 Zähler, und der breite SPI um 0,2% auf 8610 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln liegen noch 21 im Minus und 9 im Plus.

Aryzta fangen frühe Verluste auf

Gefangen hat sich nicht nur der Gesamtmarkt, sondern auch Aryzta: Die Aktien des Backwaren-Konzerns büssten mit enttäuschenden Angaben zur Umsatzentwicklung im ersten Quartal 2016/17 zunächst mehr als 2% ein, ehe Kommentare des Managements zum Ausblick positiv aufgenommen wurden und zu einem Vorzeichenwechsel führten. Aktuell liegen Aryzta mit 1,8% im Plus.

Nur noch Actelion (+2,4%) legen im SMI/SLI stärker zu und setzen damit den Steigerungslauf der Vorwoche fort. Das Allschwiler Biopharmaunternehmen bestätigte am Freitag nachbörslich die vor einigen Tagen aufgekommenen Gerüchte, wonach der US-Konzern Johnson & Johnson hinsichtlich einer möglichen Übernahme Kontakt aufgenommen habe. Gewissheit, dass eine Transaktion zustande kommen wird, besteht derzeit aber noch nicht.

Zu den wenigen Gewinnern zählen auch noch die Schwergewichte Novartis (+0,2%), Roche und Nestlé (je +0,1%), die den Gesamtmarkt mit moderaten Gewinnen stützen.

Finanztitel und Luxusgüteraktien unter Druck

Auf der Gegenseite zählen die Finanzaktien Zurich Insurance 1,3% oder Credit Suisse 1,6% zu den grössten Verlierern. Die Grossbank muss sich offenbar mit Klagen türkischer Kunden auseinandersetzen. Einem Zeitungsbericht zufolge wird gegen einen CS-Angestellten sowie zwei externen Vermögensverwalter wegen Veruntreuung von Vermögen türkischer Multimillionäre ermittelt. Am Markt kursieren zudem erste Berechnungen darüber, wie viel die Schweiz-Tochter bei ihrem für 2017 geplanten Börsengang einbringen könnte. CS-intern sei von einer Bewertung in Höhe von 15 bis 20 Milliarden Franken die Rede, schrieb die "Schweiz am Sonntag".

Richemont und Swatch verlieren trotz ermutigender Aussagen des Chefs der LVMH-Uhrendivision Jean-Claude Biver 1,2% und 0,6%. Über das ganze Jahr erwartet Biver bei den Schweizer Uhrenexporten ein Plus von 2 bis 5%. Ausserdem erhöhte Bernstein das Kursziel sowohl für Richemont als auch für Swatch.

Galenica geben nur noch um 0,3% nach. Die Tochter Relypsa hat für den Kaliumbinder Veltassa von der FDA die Genehmigung für eine Indikationsanpassung erhalten. Die Labelanpassung sowie der gestrichene Warnhinweis der FDA seien erfreulich, so eine Analystin. Wichtig werde es nun aber sein, wie sich die Umsätze von Veltassa entwickeln.

Sulzer geben nach Gesprächen für Zukauf nach

Im breiten Markt büssen Sulzer 1,9% ein. Der Industriekonzern will den in Frankreich und Belgien aktiven Pumpenhersteller Ensival Moret übernehmen. Entsprechende exklusive Verhandlungen seien am vergangenen Freitag aufgenommen worden, hiess es. Nach der Ablehnung der Atomausstiegsinitiative stehen dagegen die Aktien von Energieunternehmen wie Alpiq (+0,5%) und BKW (+1,6%) auf der Gewinnerseite.

Starke Avancen verbuchen erneut Meyer Burger (+26%). Bereits am Freitag sind die in der Vergangenheit arg gebeutelten Titel um über 20% in die Höhe geklettert, nachdem Gläubiger dem finanziell angeschlagenen Solarzulieferer in einem ersten Schritt den Weg für die geplante Rekapitalisierung frei gemacht hatten.

(AWP)