Schweizer Börse baut Gewinne aus

Der Schweizer Aktienmarkt bleibt auch am Tag zwei nach der Ablehnung der italienischen Verfassungsreform in der Spur und tendiert höher.
06.12.2016 13:00
Zieht an der Börse immer noch am meisten Aufmerksamkeit auf sich: Jean-Paul Clozel und «seine» Actelion.
Zieht an der Börse immer noch am meisten Aufmerksamkeit auf sich: Jean-Paul Clozel und «seine» Actelion.
Bild: ZVG

Der hiesige Leitindex hat sich nach einem verhaltenen Handelsstart bis zum Mittag etwas deutlicher in die Gewinnzone vorgearbeitet. Nun richteten sich die Blicke der Anleger bereits auf die EZB-Sitzung am Donnerstag, heisst es im Handel.

Es wird allgemein erwartet, dass die europäischen Währungshüter das Wertpapierkaufprogramm um sechs Monate verlängern. Denn viele italienische Banken benötigen dringend frisches Kapital. Ob damit aber der Startschuss für eine Jahresendrally gegeben wird, sei noch dahingestellt, so Börsianer. Im Fokus der Anleger stehen - wie so oft zuletzt - die Aktien des Biopharmakonzerns Actelion.

Der SMI steht kurz nach Mittag 0,6% höher bei 7893 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewinnt ebenfalls 0,6% auf 1262 und der breite SPI 0,5% auf 8634 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 12 im Minus und 18 im Plus.

Actelion bleibt im (Übernahme-)Fokus

Im Fokus der Anleger stehen erneut Actelion, die um 2,6% anziehen. Die seit rund zehn Tagen gestellte Frage "Deal or no Deal" rund um das Johnson-&-Johnson-Angebot für das Allschwiler Biotech-Unternehmen hat von einem Agenturbericht neue Nahrung erhalten: Laut Bloomberg wirft der französische Pharmakonzerns Sanofi nun auch seinen Hut in den Ring. Die Franzosen überlegten sich, eine Gegenofferte einzureichen, heisst es unter Berufung auf informierte Kreise.

Die Aktien der beiden grosskapitalisierten Pharmawerte Novartis (-0,1%) und Roche (+0,7%) tendieren derweil gegenläufig.

Gesucht werden auch Bankaktien. So geht es mit den UBS-Papieren um 2,3% nach oben, nachdem Morgan Stanley die Einstufung auf "Overweight" von "Equal Weight" erhöht hat. Die zuständige Analystin sieht ein Aufwärtspotenzial von 25% und nimmt deshalb die Titel auch in ihre "European Bank's Most Preferred List" auf. Kerntreiber seien höhere Zinsen in den USA und eine steilere Zinskurve, die zu höheren Transaktionen und damit Einnahmen im Wealth Management Americas führen würden.

Im Vorfeld des morgigen Investorentages werden inzwischen auch Credit Suisse (+2,4%) gekauft. An den Anlass werden von den Anlegern hohe Erwartungen gerichtet. Während sich einige Analysten positive Impulse erhoffen, sind andere eher skeptisch eingestellt.

Julius Bär stehen 0,8% höher. Am Morgen war bekanntgeworden, dass die Liechtensteiner Fürstenbank LGT das Vermögensverwaltungsgeschäft von ABN Amro in Asien und im Mittleren Osten mit verwalteten Vermögen in Höhe von 20 Milliarden Dollar übernimmt. Auch Julius Bär war ein Interesse an dem Geschäft nachgesagt worden.

Zykliker uneinheitlich

Zyklische Papiere tendieren uneinheitlich. Während Clariant (+1,2%), Dufry (+0,6%) oder Kühne+Nagel (+0,8%) gekauft werden, gibt es in Richemont (-0,7%), Lafarge-Holcim (-0,7%), Sika (-0,8%) oder Swatch (-0,5%) Abgaben. Richemont und Swatch hatten am Vortag von starken China-Daten profitiert, für Lafarge-Holcim hat die Deutsche Bank das Kursziel leicht gesenkt.

Bei den defensiven Werten stechen Nestlé mit plus 1,0% heraus, während es mit Swisscom um 0,1% nach unten geht. Die italienische Swisscom-Tochter Fastweb und der italienische Telekomkonzern Tiscali hatten am Montag eine strategische Partnerschaft mitgeteilt. Demnach übernimmt Fastweb von Tiscali die Business-Sparte, die das Grosskundengeschäft und einen Rahmenvertrag mit der Staatsverwaltung umfasst. Analysten bewerten den Deal als "leicht positiv".

Im breiten Markt büssen Schaffner nach Jahreszahlen 3,7% ein. Der Elektronikkomponenten-Hersteller musste einen Umsatzrückgang hinnehmen und der Reingewinn sank im Vergleich zum Vorjahr von 7,7 Mio auf noch 0,4 Millionen Franken. Gottex sacken gar um 8,6% ab. Um die früheren Verluste aus der Bilanz der Gesellschaft zu eliminieren, soll der Nennwert der Aktien von heute 1,00 auf 0,10 Franken gesenkt werden.

Meyer Burger (+5,2%) finden nach drei Tagen mit zum Teil starken Abgaben wieder einen Boden. Heute findet die Bezugsrechtsemission für eine geplante Kapitalerhöhung statt. Von dieser hängt die Zukunft der Gesellschaft ab.

(AWP)