Schweizer Börse baut Gewinne kräftig aus

Ein unerwartet positiver Bericht vom US-Arbeitsmarkt hat der Schweizer Börse am Freitag kräftig Auftrieb verliehen.
05.08.2016 17:40
Ungetrübte Stimmung an der Schweizer Börse am Freitag.
Ungetrübte Stimmung an der Schweizer Börse am Freitag.
Bild: cash

Der SMI baute unter Führung zyklischer Werte und Finanztitel die Gewinne auf 1,4 Prozent aus und stieg auf 8194 Punkte. Damit verzeichnet der Leitindex den grössten Tagesgewinn seit Ende Juni. Zur Vorwoche beträgt das Plus 0,8 Prozent.

In den USA waren im Juli mit 255'000 deutlich mehr neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen worden, als Ökonomen mit 180'000 geschätzt hatten. Der Aufwärtstrend setzte sich damit fort. Obwohl die Währungshüter eine Straffung der Geldpolitik unter anderem von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt abhängig machen, gehen die meisten Fachleute davon aus, dass die Währungshüter wegen der ungewissen Folgen des Brexit-Votums und der US-Präsidentenwahlen einen Schritt nicht vor Ende des Jahres wagen. "Vermutlich wird die US-Notenbank im laufenden Jahr ganz auf eine Zinserhöhung verzichten", sagt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

Alle Standardwerte tendierten höher. An der Spitze stehen mit einem Kursplus von 5,3 Prozent die Titel von Lafarge-Holcim. Der Zementkonzern steigerte im zweiten Quartal den bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) auf vergleichbarer Basis gegenüber dem Vorjahresquartal um 6 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken und schnitt damit besser ab als von Analysten erwartet. Das Jahresziel bekräftigte der Weltmarktführer. "Besser geht es kaum: Auftragseingang auf Rekordhöhe und Rentabilität auf Vorkrisenniveau", fasst Vontobel-Analyst Michal Lichvar sein Urteil zusammen.

Die Anteile des ebenfalls als zyklisch geltenden Prüfkonzerns SGS, der Sanitärtechnik-Firma Geberit, des Personalvermittlers Adecco sowie der Hersteller von Luxusgütern Richemont und Swatch gewinnen zwischen 1 und 2 Prozent.

Auch Bankaktien wieder stark gesucht

Die Aktien der Grossbanken UBS und Credit Suisse gewinnen über 3 Prozent. Der Lebensversicherer Swiss Life legt 1,8 Prozent zu. Die Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel ziehen um 1,9 und 1 Prozent an.

Bei den Schwergewichten bauten auch die Pharmatitel im Verlauf die Gewinne aus. Novartis steigen um 1,3 und Roche um 1,9 Prozent. Ein Händler sagt, möglicherweise hätten die Anleger die beiden Papiere gesucht, nachdem der US-Rivale Bristol-Myers Squibb bei der Vermarktung eines Lungenkrebsmedikamentes einen herben Rückschlag hinnehmen musste. Das Mittel Opdivo wirkt nicht wie erhofft bei Patienten, die in einem fortgeschrittenen Stadium erkrankt sind und noch nicht gegen Lungenkrebs behandelt wurden.

Der Lebensmittelwert Nestlé rückt nur leicht vor. Auch andere Aktien aus dem Lebensmittelsektor wie Barry Callebaut, Lindt & Sprüngli und Bell hinken dem Gesamtmarkt hinterher. Aryzta und Emmi schwächen sich gar ab.

Kurssprung für Interroll nach Semesterzahlen

Am breiten Markt klettern die Aktien von Interroll um 9,1 Prozent auf ein Rekordhoch. Der Logistik-Ausrüster hat im ersten Halbjahr besser als erwartet abgeschnitten. Die Anteile der Medizintechnikfirma Coltene sind trotz eines guten Ergebnisses nur gehalten.

Die Anteile von Arbonia Forster steigen um 3,7 Prozent. Der Bauausstatter lässt sich kommende Woche in die Bücher blicken.

Die Aktien der Derivatboutique von Leonteq legen 3,5 Prozent zu und machten einen Teil der jüngsten Abschläge wett.

(Reuters)