Schweizer Börse baut Verluste aus

Der Brexit-Schatten hat sich am Dienstag wieder auf den Schweizer Aktienmarkt gelegt. Der Leitindex SMI, der bereits mit Abgaben in den Handel gestartet war, weitete die Verluste bis zum Mittag noch aus.
05.07.2016 13:00
Die Adecco-Aktie gerät am Dienstag unter Druck.
Die Adecco-Aktie gerät am Dienstag unter Druck.
Bild: Bloomberg

Der Markt stecke derzeit in einer Orientierungsphase, in der die Pessimisten und die Optimisten bezüglich der Folgen des Brexit nach den neuen Realitäten suchen würden, meinte ein Händler. Diese Phase könne sich noch geraume Zeit hinziehen.

Dass der Markt derzeit den Retourgang eingelegt hat, stellt für den Händler keine Überraschung dar. Denn während die Teilnehmer im Aktienmarkt mögliche Folgen des EU-Ausstritts Grossbritanniens als weniger gravierend einstuften, was in der letztwöchigen starken Kurserholung zum Ausdruck kam, seien die Anleger im Bondmarkt diesbezüglich deutlich pessimistischer eingestellt. Entsprechend finde nun ein Angleichungsprozess der Ansichten statt. Das Problem bestehe aber darin, dass die Marktteilnehmer derzeit keine Hilfe seitens der Konjunkturdatenlage erhalten. Denn viele Daten, wie der heute veröffentlichte PMI für die Eurozone, würden lediglich die Situation vor dem Brexit-Votum spiegeln und seien deshalb quasi Makulatur.

SMI klar unter 8000 Punkte

Der Swiss Market Index (SMI) steht um 12.05 Uhr um 1,24% tiefer bei 7'956,41 Zählern. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt um 1,44% auf 1'1168,17 Zähler nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) verliert 1,22% auf 8'598,68 Punkte. Von den 30 Blue Chips notieren bis auf Swisscom alle im Minus.

Swisscom, die den Handel mit Verlusten aufgenommen hatten, gewinnen 0,1%. Die Swisscom-Tochter Fastweb ist offenbar aus dem Rennen um Mobilfunkkapazitäten in Italien gefallen. Nachdem bisher mit Auslandsinvestitionen von Staatsbetrieben nur in Einzelfällen positive Erfahrungen gemacht werden konnten, würden die Swisscom-Titel nun als weniger riskant eingeschätzt, hiess es in Händlerkreisen.

Die stärksten Einbussen verzeichnen dagegen Adecco (-3,0%) und LafargeHolcim (-2,3%). Morgan Stanley empfiehlt Adecco neu zum Verkauf. Die Analysten orten für die Aktien des Personaldienstleisters trotz des jüngsten Kurstauchers als Folge des starken UK-Exposure des Unternehmens weiteres Abwärtspotential.

Der Baustoffkonzern LafargeHolcim wiederum hat für das zum Verkauf stehende Geschäft Lafarge India laut einer Zeitung fünf definitive Gebote erhalten. Die Offerten lägen dabei aber unter den ursprünglichen Preisvorstellungen.

Banken und Versucherungen unter Druck

Überdurchschnittliche Kursverluste verzeichnen auch die Versicherungs- und Bankenwerte. Dabei verlieren Swiss Life 2,8%, Zurich 2,1% und Swiss Re 1,9%. Credit Suisse stehen 1,3% tiefer, UBS und Julius Bär geben 1,9% beziehungsweise 2,5% nach. Während die UBS einem internationalen Amtshilfegesuch in Steuersachen Frankreich nachkommen muss, hat Julius Bär den im Dezember 2015 angekündigten Kauf der Commerzbank International S.A. Luxembourg abgeschlossen. Nach Ansicht eines Händlers beschäftigt der italienische Bankensektor die Marktteilnehmer einmal mehr. Es werde befürchtet, dass die Probleme der italienischen Banken das Potenzial für eine neue Bankenkrise haben.

Im breiten Markt stechen VonRoll mit einem Kurssprung von 15,5% heraus. Die Industrie-Gruppe besinnt sich auf das Kerngeschäft und will in Zukunftsmärkte investieren. Ausserdem plant das Unternehmen Massnahmen zur Fixkostenreduktion. Dazu gehört auch ein weltweiter Stellenabbau und die Verlagerung von Produktionseinheiten. Unverändert notieren Burkhalter, die am Morgen noch mit einem kleinen Plus von 0,2% notiert hatten. Das Unternehmen hat zwei Elektrofirmen gekauft und tätigte damit die 17. und 18. Akquisition Seite dem Börsengang 2008.

Unter Abgabedruck stehen dagegen EFG International, die 3,9% nachgeben. Die Privatbanken-Gruppe plant wegen der BSI-Übernahme eine weitere Kapitalerhöhung im Umfang von 15 Mio Namenaktien und plant für die Zeit nach der Fusion eine neue Managementstruktur.

Kursverluste von 5,5% oder 16,75 CHF verzeichnen Burckhardt Compression. Die Titel werden allerdings Ex-Dividende von 10 CHF gehandelt.

(AWP)