Schweizer Börse baut Verluste aus

Am Schweizer Aktienmarkt geben die Kurse zum Wochenschluss überwiegend nach. Der Leitindex SMI hat im Verlaufe des Vormittags seine Auftaktverluste ausgebaut.
16.09.2016 13:00
Die Zeichen stehen an der Schweizer Börse am Freitag auf Rot.
Die Zeichen stehen an der Schweizer Börse am Freitag auf Rot.
Bild: cash

Kursgewinne bei den Pharmaschwergewichten sorgen dafür, dass die Verluste nicht noch grösser ausfallen. Stärkster Belastungsfaktor ist dagegen die Bankenbranche. Die jüngsten Nachrichten über die Deutsche Bank belasten auch europaweit die Banken-Titel.

Die Meldung, dass die US-Regierung im Streit um dubiose Hypothekengeschäfte von dem deutschen Branchenprimus eine Rekordzahlung fordert, sorgt branchenweit für grossen Wirbel. Laut Händlern könnte sich im weiteren Handelsverlauf der dreifache Verfallstag an den Terminbörsen, der sogenannte Hexensabbat, bemerkbar machen. Für Zurückhaltung sorgt aber auch bereits die kommende Woche, wenn die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed ansteht. Die weitere Geldpolitik der US-Währungshüter hatte Investoren in den vergangenen Tagen immer wieder verunsichert.

Der SMI verliert bis kurz vor Mittag 0,2% auf 8170 Punkte, womit sich auf Wochensicht derzeit ein Minus von etwas mehr als einem Prozent abzeichnet. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt aktuell deutlicher um 0,5% auf 1237 Punkte nach, und der breite SPI fällt um 0,2% auf 8893 Punkte. Unter den 30 wichtigsten Titeln notieren zur Berichtszeit 21 im Minus, 8 im Plus und Dufry-Aktien sind am Mittag unverändert.

Die mit Abstand grössten Verluste erleiden die Aktien der beiden Grossbanken Credit Suisse (-4,7%) und UBS (-2,2%). Julius Bär (-1,2%) folgen dem Trend. Die Sorgen über die Deutsche Bank strahlen laut Händlern auf den ganzen Sektor aus: Das US-Justizministerium hat die Latte bei den Vergleichsverhandlungen mit der Grossbank im Nachbarland im Streit um dubiose Hypothekengeschäfte hochgelegt und fordert 14 Milliarden Dollar. Analysten halten dieses Ausmass aber letztlich für unwahrscheinlich.

Auch Lafarge-Holcim-Aktie im Lift nach unten

Deutlich abwärts geht es auch für die Papiere von Lafarge-Holcim (-1,4%). Am Vortag hatten die Papiere noch mit einem Kursplus auf die Meldung über eine vereinfachte Konzernstruktur reagiert. Der fusionierte Zementkonzern will bis Ende 2017 die Organisation straffen und netto 250 Stellen abbauen, rund 130 davon in der Schweiz.

Bei Clariant (-0,8%) überwiegen zum Wochenschluss negative Analystenkommentare. Während die HSBC den Titel nach einem Analystenwechsel mit "Reduce" und einem Kursziel 15,70 Franken wieder aufgenommen hat, senken die Experten von Exane BNP Paribas ihr Kursziel. Vor allem der tiefe Ölpreis dürfte laut HSBC kurzfristig das Wachstum bremsen.

Kursgewinne der beiden Pharma-Schwergewichte Roche (+0,8%) und Novartis (+0,5%) hingegen bieten dem Gesamtmarkt Unterstützung. Novartis hatte sich mit positiven Daten zu Gilenya und dem Produktkandidaten AMG 334 (Erenumab) zu Wort gemeldet. Nestlé verlieren derweil 0,3%.

AMS profitieren von Apple-Höhenflug

Laut Händler lohnt im breiten Markt vor allem ein Blick auf die Aktien des Chipherstellers AMS (+2,5%). Die zuletzt positiven Meldungen zum neuen iPhone strahlten auch auf die Apple-Zulieferer ab, so der Börsianer.

Bei Zehnder (Aktie +3,2%) hebt dieser derweil hervor, dass der im Bereich Raumklima aktive Klima am Vortag einen Analysten- und Investorentag abgehalten habe. Es mache stark den Eindruck als sei der aktuelle Kursverlauf eine Reaktion darauf.

Noch deutlicher legen im breiten Markt nur die Aktien von Charles Vögele (+5,6%) und Dottikon (+3,3%) zu.

Am entgegengesetzten Ende der Kurstafel stehen mit Kuros Bioscienes (-5,3%) und Evolva (-3,3) Unternehmen aus dem Gesundheitssektor unter Druck. Bei Evolva hatten sich die Experten von Berenberg zurückhalten geäussert. Sie gehen davon aus, dass das Unternehmen auch weiterhin Schwierigkeiten haben werde, seine Produktionskosten auf ein akzeptables Niveau zu senken.

Belastet sind AFG und Looser (je 1,3%) am Freitag zu, nachdem erstere am Donnerstag mit der Bekanntgabe zur geplanten Übernahme von Looser an Wert verloren und Looser im Gegenzug zugelegt hatten. Das Aktienresearch der ZKB stufte Looser nach dem Kurssprung von 30% auf "Marktgewichten" von "Übergewichten" zurück.

(AWP)