Schweizer Börse bleibt nach EZB und US-Daten im Minus

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag im späten Handel schwächer tendiert.
20.10.2016 17:30
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Bild: cash

Die Aussicht auf eine unverändert lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und gute Zahlen vom US-Immobilienmarkt ermunterten die Anleger laut Händlern nur kurzzeitig zu Käufen.

Im Fahrwasser nachgebender US-Aktien trennten sie sich teilweise wieder von ihren Beteiligungspapieren. Das Geschäft war von Nervosität geprägt und auf Spezialsituationen konzentriert. Dabei verzeichneten Aktien der Firmen, die mit ihren Zwischenergebnissen aufgewartet hatten, überdurchschnittliche Umsätze.

Der SMI notierte mit 8069 Punkten um 0,3 Prozent tiefer. Das Tagestief markierte der Index bei 8016 Zählern. Am Vortag hatte er 0,2 Prozent gewonnen.

Im Verlauf verblasste der Einfluss des TV-Duells zwischen den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton. Die Demokratin dürfte nach Ansicht von Investoren das Rennen machen. Sie gilt am Markt als berechenbarer als der Republikaner, der als Investorenschreck angesehen wird..

Die EZB fährt wie erwartet mit ihrer lockeren Geldpolitik fort. Laut Präsident Mario Draghi hat die EZB auf ihrer Sitzung nicht über ein allmähliches Abschmelzen der umstrittenen Anleihenkäufe gesprochen. Ein abruptes Ende der Käufe sei unwahrscheinlich. Im Dezember, wenn die neuen hauseigenen Vorhersagen zu Inflation und Konjunktur vorliegen, werde man sich über den weiteren Kurs äussern können.

Actelion schmiert ab

Für Aufmerksamkeit sorgten die Aktien von Actelion, die trotz angehobener Prognose und einem besser als erwarteten Ergebnis nach neun Monaten nach anfänglichen Kursgewinnen plötzlich unter Druck gerieten und um 6,5 Prozent fielen. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach dem Motto "Sell on good news". "Es gibt eigentlich keinen Grund für einen Verkauf, ausser dass die Aktie in den vergangenen Jahren stets unter jenen mit den stärksten Kursgewinnen war", sagte ein Börsianer. Auch die Aktien von Basilea, einer anderen Biotechfirma, fielen um zwei Prozent.

Wenig verändert waren die beiden Pharmaschwergewichte. Novartis legten 0,4 Prozent zu und Roche sanken um 0,6 Prozent. Roche sieht sich nach drei Quartalen auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Von Januar bis September stiegen die Verkaufserlöse Wechselkurseinflüsse ausgeschlossen um vier Prozent auf 37,5 Milliarden Franken. Roche habe die sehr hohen Analystenerwartungen nicht ganz erfüllen können, hiess es.

Die schwergewichtigen Nestle-Aktien büssten 0,8 Prozent ein, was massgeblich zum Indexrückgang beitrug. Der Nahrungsmittelriese hat nach einem schwächer als erwarteten Zuwachs die Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 3,5 Prozent von bislang rund 4,2 Prozent gesenkt. Auch in den ersten drei Quartalen wuchs der Schweizer Konzern langsamer. Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 65,5 Milliarden Franken. Nestle habe die Erwartungen beim organischen Wachstum leicht verfehlt, mache aber im Konkurrenzvergleich vor allem beim Volumenwachstum eine sehr gute Figur, sagte ZKB-Analyst Patrik Schwendimann.

Swatch-Aktien gesucht

Unterschiedlich wirkte sich der erneute Rückgang der Uhrenexporte im September aus. "Der Rückgang verlangsamt sich. Eine Wende zeichnet sich ab", sagte ein Händler. Die Aktien des Uhrenkonzerns Swatch drehten nach früher Schwäche mit 1,1 Prozent in die Gewinnzone. Richemont dagegen büssten 0,9 Prozent ein.

Dagegen machten die Bankaktien ihre Verluste wett. UBS waren leicht höher und Credit Suisse stiegen um 0,4 Prozent. Die Assekuranztitel waren gut gehalten.

GAM Holding gewannen 0,9 Prozent. Der Zwischenbericht sei nicht ganz so düster wie befürchtet, hiess es bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). GAM dürfte die Dividende stabil halten können, was der Aktie eine Stütze gebe.

Die Anteile zyklischer Firmen neigten mehrheitlich zur Schwäche. Gegen den Trend stiegen LafargeHolcim um 0,8 Prozent. ABB, Adecco und Geberit verloren an Boden.

Sulzer legten 0,6 Prozent zu. Der Pumpenspezialist bestätigte trotz tieferem Auftragseingang die Prognosen.

Am breiten Markt stachen Oerlikon mit minus 5,3 Prozent heraus. Jefferies hat die Aktie des Anlagenbauers auf "Hold" von "Buy" gesenkt.

(Reuters)