Schweizer Börse bricht weiter ein

Der Schweizer Aktienmarkt büsst am Dienstagnachmittag massiv ein. Gegenüber dem Stand vom Mittag ist der Leitindex SMI noch weiter abgerutscht und unterschritt dabei flott die 7600er Marke.
09.02.2016 15:30
Auf Schlittenfahrt: Mit dem SMI gehts am Dienstag flott bergab.
Auf Schlittenfahrt: Mit dem SMI gehts am Dienstag flott bergab.

Damit hat er ein neues Mehrjahrestief markiert. Letztmals wurde ein so tiefer Stand im Sommer 2013 gesehen. Widerstände würden von den Bären förmlich überrannt, sagt ein Charttechniker. Im Gegenzug schiesst der Volatilitätsindex VSMI weiter in die Höhe. Einziger Lichtblick sind die Actelion-Aktien, die nach der Veröffentlichung der Jahresergebnisse klar im Plus sind.

Analysten begründen den neuerlichen Einbruch nach einem bereits heftigen Rücksetzer zum Wochenstart mit den anhaltenden Sorgen um die globale Konjunktur. "Sicherheit ist Trumpf", heisst es im Handel. Deshalb würden Mittel aus Aktien abgezogen. Die Verunsicherung unterstreiche der Anstieg beim Goldpreis. Immer mehr stehe auch die Frage im Raum, ob einer der wichtigsten Motoren der Weltwirtschaft, nämlich die USA, ins Stottern gerate. Am späteren Nachmittag könnte diesbezüglich die Entwicklung der Lagerbestände im US-Grosshandel Impulse bereithalten.

Der SMI verliert um 14.40 Uhr 2,4% auf 7571 Punkte und notiert nur wenige Zähler über dem bisherigen Tagestief. Bereits am Vortag war der Index um 2,5% abgesackt. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, bricht um 2,9% auf 1127 und der breite SPI um 2,3% auf 7865 Stellen ein. Von den 30 SMI/SLI-Titeln notieren bis auf Actelion alle im Minus.

Bankaktien sausen weiter in die Tiefe

Auffällig sind die erneut heftigen Verluste der Grossbankenaktien. So führen CS mit einem Minus von 7,8% das Verliererfeld an, UBS (-5,7%) und Julius Bär (-4,2%) folgen mit nur geringem Abstand. Die anhaltenden Sorgen über die Weltwirtschaft und damit auch über die Stabilität und die Profitabilität des Finanzsektors seien für die Bankenaktien weltweit eine Belastung, heisst es in Analystenkreisen.

Gemäss einer Studie von Goldman Sachs wird am Markt bereits die Frage gestellt, ob sich eine neue Finanzkrise anbahne. Dieses Risiko halten die Experten der amerikanischen Investmentbank allerding für limitiert. Denn die Liquidität des Sektors sei ausreichend, die Geldmärkte seien weiter offen, und nicht zuletzt seien die Institute besser kapitalisiert als vor der letzten Finanzkrise.

Unter die Räder kommen erneut Lafarge-Holcim (-6,5%), die bereits am Vortag um satte 8% eingebrochen waren. Grund dafür war der Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrates. Co-VR-Präsident Wolfgang Reitzle, der laut Analysten eine zentrale Rolle bei der Fusion spielte, stellt sich nach nur einem Jahr nicht mehr zur Wiederwahl. Der designierte Nachfolger Beat Hess sei zudem angesichts seines Alters keine langfristige Lösung, meinen Experten.

Auch Syngenta geben nach

Verluste von mehr als 4% erleiden auch Swiss Life, Transocean und Sonova. Bezüglich letzterer kursieren Gerüchte, wonach der Hörgerätehersteller an einer Übernahme des Unternehmens Audionova interessiert sein könnte. Sonova wollte dies gegenüber AWP nicht kommentieren.

Auch Syngenta (-1,3% auf 393 Franken) verbilligen sich, wenngleich sie besser als der Gesamtmarkt abschneiden. Hier wirke wohl die deutlich über dem aktuellen Niveau liegende Übernahmeofferte von Chemchina etwas stabilisierend, heisst es im Handel.

Einsamer Lichtblick unter den Bluechips sind auf der anderen Seite Actelion (+1,8%), die allerdings seit der Mittagszeit etwa im Rahmen des Gesamtmarktes nachgegeben haben. In Analystenkreisen wird der am Morgen veröffentlichte Jahresumsatz als gut, wenn auch nicht als "überwältigend" bezeichnet. Insbesondere der Hauptumsatzträger Tracleer habe sich im Schlussquartal besser als erwartet verkauft. Gelobt wird in ersten Kommentaren auch der "ermutigende" Ausblick für 2016. Eine positive Überraschung sei ausserdem die Erhöhung der Dividende.

(AWP)