Schweizer Börse bügelt Verluste aus

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Donnerstagmittag gemessen am SMI praktisch unverändert und hat damit die teils deutlichen Verluste aus dem frühen Handel abgeschüttelt.
18.02.2016 13:15
Nach anfänglichem Taucher wieder Oberwasser: Die Schweizer Börse am Donnerstagmittag.
Nach anfänglichem Taucher wieder Oberwasser: Die Schweizer Börse am Donnerstagmittag.
Bild: cash

Zum einen ist dies auf das mittlerweile breit angewachsene Feld der Gewinner bei den Einzeltiteln zurückzuführen. Zudem haben die schwergewichtigen Nestlé-Aktien ihre frühen Verluste etwas eingedämmt. Der Nahrungsmittelkonzern hatte mit den am Morgen vorgelegten Zahlen mehrheitlich enttäuscht.

Grundsätzlich habe sich das Risikosentiment verbessert, nachdem der SMI am Montag und Mittwoch jeweils stark zugelegt hatte, sagt ein Händler. Nach den heftigen Rückschlägen in den beiden Vorwochen sei eine Erholung aber auch angezeigt. Diese könnte von den Fed-Statements aus dem am Vorabend veröffentlichten Protokoll gestützt werden. Die Fed-Verantwortlichen brachten darin ihre Sorgen vor einer rückläufigen Inflation und zum Wirtschaftswachstum zum Ausdruck. Für ihn seien damit weitere Zinserhöhungen erst mal vom Tisch. Allerdings rate er weiter zur Vorsicht, denn die Unsicherheit sei weiterhin hoch. Im weiteren Tagesverlauf dürfte die Veröffentlichung des jüngsten EZB-Sitzungsprotokolls am frühen Nachmittag sowie zahlreiche US-Konjunkturzahlen weitere Impulse bereithalten.

Der SMI steht gegen Mittag praktisch unverändert bei 7944 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt um 0,4% auf 1200 zu und der breite SPI 0,1% auf 8263 Punkte. Von den 30 SMI/SLI-Titeln notieren 6 im Minus, 1 unverändert und der Rest im Plus.

Nestlé bremsen den SMI

Nestlé büssen mit -3,1% zwar weiterhin mit Abstand am stärksten ein und sind aufgrund der grossen Indexgewichtung eine erhebliche Belastung für den Schweizer Markt. Zwischenzeitlich hatte die Aktie aber um mehr als 4% nachgegeben. Der Nahrungsmittelkonzern verdiente im vergangenen Geschäftsjahr weniger und verpasste erneut das Wachstumsziel. Mit den vorgelegten Zahlen wurden auch die Schätzungen der Analysten im AWP-Konsens nicht ganz erreicht.

Der Ausblick wird in Analystenkreisen als enttäuschend bezeichnet. Auch die im Vorfeld mancherorts geäusserte Hoffnung auf eine Sonderdividende zum 150. Geburtstag des Unternehmens oder ein Aktienrückkaufprogramm erweisen sich rückblickend als voreilig. Beim wichtigen organischen Umsatzwachstum habe Nestlé im Branchenvergleich allerdings eine gute Figur gemacht, heisst es bei der ZKB.

Zu den wenigen Verlieren zählen auch die Aktien der beiden Uhren- und Luxusgüterhersteller Swatch (-1,3%) und Richemont (-0,8%), nachdem die Schweizer Uhrenexporte erneut stark zurückgingen.

Adecco profitieren von Zahlen der Konkurrenz

Bei den Gewinnern stehen unverändert die Aktien des Personalvermittlers Adecco (+4,1%) in Front, die sich bereits am Vortag überdurchschnittlich entwickelt hatten. Frischen Wind gaben hier die am Morgen vom Konkurrenten Randstad vorgelegten Zahlen. Diese wurden in ersten Analystenkommentaren als "solide" bezeichnet, was eine ähnliche Entwicklung bei Adecco erhoffen lasse.

Vor allem aber die beiden Pharmaschwergewichte Roche (+1,8%) und Novartis (+1,2%) entwickeln sich stark. Auch seit Jahresbeginn schneiden die "Bons" von Roche besser als jene der Konkurrenz ab.

Dahinter folgt mit Galenica (+1,7%) ein ebenfalls eher defensiver Wert. Clariant (+1,6%) haben das Vorzeichen gewechselt und dämmen die am Vortag erlittenen Verluste ein. Im Zuge insgesamt enttäuschend aufgenommener Jahreszahlen hatten die Titel zur Wochenmitte fast 3% verloren.

Bei den Finanzwerten haben nun Swiss Re (+1,4%) die Nase vorn, im frühen Handel standen noch UBS (+0,7%) ganz oben. Swiss Re profitiert von einer Kaufempfehlung aus dem Hause Deutsche Bank. Er ziehe die Titel der Konkurrenz Munich Re vor, so der zuständige Analyst.

Kudelski nach guten Zahlen gesucht

Am breiten Markt ziehen Kudelski nach Zahlen um 5,5% an. Das Technologieunternehmen hat im vergangenen Jahr den Umsatz und vor allem den Gewinn deutlich gesteigert und will eine höhere Dividende ausschütten.

Die Aktien der Industriegruppe Accu (+8,0%) legen sogar noch stärker zu. Das Unternehmen möchte sich einen grösseren finanziellen Spielraum verschaffen und plant dafür eine Kapitalerhöhung. Auch Temenos fallen mit +4,0% auf. Berenberg stuft den Valor neu mit "Buy" ein, das neue Kursziel liegt rund 10% über dem derzeitigen Niveau.

Nach Zahlen legen auch die Titel der Kantonalbanken von Waadt (+0,8%) und dem Thurgau (+0,3%) sowie jene des Industrieunternehmens Phoenix Mecano (+0,4%) zu.

(AWP)