Schweizer Börse: Draghi-Aussagen stützen Bankaktien

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt. Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank beeindruckten die Märkte insgesamt nicht.
21.07.2016 18:05
Gefragte Aktie am Donnerstag: Credit Suisse.
Gefragte Aktie am Donnerstag: Credit Suisse.
Bild: Bloomberg

Die EZB tastete die Leitzinsen erwartungsgemäss nicht an, der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Notenbankgeld bleibt bei null. Die Hüter des Euro wollen nach dem Brexit-Votum die Entwicklung an den Finanzmärkten und die Konjunktur genau beobachten. Schub erhielten allerdings die Bankaktien von EZB-Chef Mario Draghi. Dieser drängt darauf, eine Lösung für das Problem der faulen Kredite in Italien zu finden und erklärte, ein öffentliches Auffangnetz sei bei besonderen Umständen nötig.

Der SMI pendelte lange Zeit um das Vortagsniveau, bevor er im Schlusshandel in den Sog der nachgebenden Wall Street geriet und um 0,2 Prozent tiefer mit 8182 Punkten schliesst. Am Mittwoch hatte der Leitindex dank guter Unternehmenszahlen 1,1 Prozent gewonnen. Frische Impulse erhoffen sich die Marktteilnehmer von neuen Firmenergebnissen.

An die Spitze der Bluechips setzen sich die ABB-Aktien, die nach dem Zwischenbericht um 2,2 Prozent steigen. Zwar setzt die Krise in der Ölbranche dem Elektrotechnikkonzern weiter zu. Die Anleger honorierten allerdings das über den Erwartungen liegende operative Ergebnis.

Bankentitel gefragt - UBS in Korruptionsfall verwickelt

Gefragt waren nach Draghis Äusserungen Bankaktien. Die Titel der Credit Suisse legen 1,6 Prozent zu und die des Vermögensverwalters Julius Bär ziehen 0,7 Prozent an. Die UBS-Anteile hinken mit einem Plus von 0,1 Prozent merklich hinterher. Der Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB hat nun auch die UBS erfasst. Die Finanzaufsichtsbehörde Singapurs (MAS) habe in einem Geldwäschefall bei der Schweizer Grossbank und zwei weiteren Instituten nach vorläufigen Ergebnissen Kontrollmängel festgestellt.

Von Versicherungstiteln trennten sich die Anleger: Swiss Re und Swiss Life geben je 0,7 Prozent nach, Zurich verlieren 0,2 Prozent an Wert.

Die Swatch-Aktien konnten anfängliche starke Kurszuwächse nicht über de Ziellinie retten. Die Titel schliessen um 0,2 Prozent höher. Der weltgrösste Uhrenkonzern stellte nach dem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr eine bessere zweite Jahreshälfte in Aussicht.

Actelion-Aktie rutscht ins Minus

Im Gesundheitssektor rutschten die lange Zeit fest gehandelten Actelion-Titel im späten Geschäft ins Minus und beenden den Tag um 2,2 Prozent schwächer. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Die Biotech-Firma schraubte nach einem guten zweiten Quartal ihre Gewinnprognose erneut nach oben. Der bereinigte Betriebsgewinn dürfte dieses Jahr unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen zwischen 13 und 14 Prozent zunehmen. Bisher hatte die Prognose auf ein hohes einstelliges Plus gelautet.

Die Roche-Anteile sinken trotz eines erneuten Umsatz- und Gewinnanstiegs des Pharmakonzerns um 1,2 Prozent. Das Umsatzwachstum dürfte nach Einschätzung der Analysten der Zürcher Kantonalbank im zweiten Halbjahr etwas an Dynamik verlieren, weil die drei Hauptprodukte ihr Plateau erreicht hätten. Etwas tiefere Kurse verbuchen auch die beiden anderen Index-Schwergewichte Nestlé und Novartis.

Ebenfalls am Ende der SMI-Werte zu finden sind SGS mit 0,8 Prozent Kursabschlag. Der Warenprüfkonzern konnte zum Wochenanfang mit seinem Zwischenbericht nicht vollends überzeugen. Auch Swisscom hinken dem Markt mit 0,6 Prozent Kursminus merklich hinterher.

Uneinheitliche Zykliker

Zyklische Anteile waren uneinheitlich: Neben ABB griffen die Anleger auch zum Stellenvermittler Adecco und zum Zementhersteller Lafarge-Holcim. Dagegen kippten sie die Sanitärtechnikfirma Geberit sowie den Aromen- und Duft-Hersteller Givaudan aus ihren Depots.

Am breiten Markt brechen die Galenica-Aktien 11 Prozent ein. Die Pharmafirma will für rund 1,5 Milliarden Dollar die amerikanische Firma Relypsa übernehmen. Mit der Transaktion sichern sich die Schweizer eine US-Vertriebsorganisation und die weltweiten Rechte für einen Kaliumbinder zur Behandlung von Hyperkaliämie.

Die Temenos-Anteile schnellen 4,7 Prozent hoch, nachdem die Bankensoftware-Firma den Gewinn in zweiten Quartal auf 20,9 Millionen Dollar verdreifachte und die Markterwartungen damit übertraf. Temenos geht davon aus, im Gesamtjahr am oberen Ende der angepeilten Zielspanne zu liegen.

(Reuters)