Schweizer Börse gibt frühe Gewinne wieder ab

Die Schweizer Börse hat am Freitag nach einer freundlichen Eröffnung an Schwung verloren. Anschlusskäufe seien rasch versiegt, sagen Händler.
18.11.2016 11:00
Nach anfänglich aufgenommener Fahrt am Freitagmorgen hat die Schweizer Börse inzwischen den Rückwärtsgang eingelegt.
Nach anfänglich aufgenommener Fahrt am Freitagmorgen hat die Schweizer Börse inzwischen den Rückwärtsgang eingelegt.
Bild: cash

Die Anleger wollten vor dem Wochenende keine Risiken mehr eingehen. Der SMI sinkt gegen 11 Uhr um 0,2 Prozent auf 7945 Punkte. Am Donnerstag war der Leitindex um 0,6 Prozent gestiegen.

"Die Anleger sind insgesamt zwar zuversichtlich", sagt ein Händler. Aber politische Unsicherheiten wie das Verfassungsreferendum in Italien oder auch das möglicherweise früher als erwartete Ende der ultra-lockeren Geldpolitik verunsicherten die Anleger. Zudem zweifelten viele Marktteilnehmer auch, ob die neue US-Regierung die Wirtschaft so kräftig anschieben könne, wie dies zunächst erhofft worden sei.

Am Vortag hatte die Fed-Chefin Janet Yellen bestätigt, dass die US-Notenbank auch nach dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump Kurs auf eine Zinserhöhung im Dezember hält. Eine Anhebung könne "relativ bald" angebracht sein, sagte die Währungshüterin am Donnerstag vor dem US-Kongress.

Lafarge-Holcim nach Zielkorrektur im Verkauf

Im Fokus der Anleger steht Lafarge-Holcim. Die Aktie fällt um 1,9 Prozent. Der Zementriese schraubt auf einer Investorenkonferenz sein mittelfristiges Ergebnis-Ziel zurück und peilt bis 2018 ein operatives Ebitda von sieben Milliarden Franken an. Der Konzern verschärft den Sparkurs. Neben erhöhten Ausschüttungen an die Aktionäre kündigte Lafarge-Holcim zudem einen Aktienrückkauf mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Franken an.

Bei den anderen Standardwerten sind die Kursausschläge meist auf weniger als 1 Prozent limitiert. Anziehende Notierungen verzeichnen die Aktien der Bank Julius Bär. UBS erhöhte das Kursziel für die Aktie von Julius Bär und bekräftigte die Kaufempfehlung. Die Titel der Grossbanken UBS und CS geben leicht nach. Citigroup setzte die CS-Titel auf die "Focus List Europe".

Die Assekuranzwerte neigen mehrheitlich zur Schwäche. Zurich aber trotzen dank einer Kurszielerhöhung und Kaufempfehlung von J.P. Morgan dem negativen Trend.

Zu den Gewinnern zählen bei den Anteilen zyklischer Firmen der Luxusgüterhersteller Richemont, der Chemiekonzern Clariant und die Sanitärtechnikfirma Geberit.

Dagegen neigten die als krisenresistent geltenden Gesundheitswerte Novartis, Roche, Basilea und Actelion zur Schwäche.

Hügli-Aktie nach Gewinnwarnung unter Druck

Während Lebensmitteltitel Nestlé ebenfalls leicht zurückfällt, ziehen Barry Callebaut, Lindt & Sprüngli und Emmi leicht an.

Hügli büssen nach einer Gewinnwarnung 2,6 Prozent ein. Wegen des verschärften Wettbewerbs in der europäischen Lebensmittelindustrie erwartet Hügli statt der bisher angepeilten EBIT-Marge von knapp 8 Prozent neu gut sieben Prozent.

Stark unter Druck stehen die Aktien von Meyer Burger. Sie fallen um 6,1 Prozent auf 1,69 Franken, bei 1,59 Franken wurde zwischenzeitlich ein neuer Tiefststand erreicht. Der mit Schwierigkeiten kämpfende Solarzulieferer hat ein umfangreiches Kapitalprogramm angekündigt. "Solange die Kapitalmassnahmen nicht in trockenen Tüchern sind, dürften die Anleger um den Titel einen weiten Bogen machen", sagt ein Händler.

(Reuters/cash)