Schweizer Börse gibt leicht nach

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach den Avancen der letzten Tage eine Verschnaufpause eingelegt.
08.12.2016 13:00
Nur ein Zwischenstopp? Die Schweizer Börse steht am Donnerstagmittag leicht im Minus.

Zwar startete der Leitindex SMI dank guter Vorgaben aus den USA und Asien noch mit einer festeren Tendenz in den Tag, jedoch wechselte er im Verlauf des Morgens das Vorzeichen und büsst nun leicht an Wert ein. Grund dafür sind die Abgaben der Pharmaschwergewichte Novartis und Roche, dagegen klettern Credit Suisse weiter in die Höhe. Auch warten die Anleger nun gespannt auf die Entscheide aus der EZB-Zinssitzung.

Die Börsianer hoffen, dass EZB-Chef Mario Draghi mit Blick zurück auf die gescheiterte Abstimmung zur italienischen Verfassungsreform bereits heute eine Verlängerung der Anleihenkäufe bekanntgibt und noch nicht von einer geldpolitischen Straffung sprechen wird. Die Börsenstimmung sei nämlich gut und der Weg derzeit für ein Jahresendrally frei, so ein Händler. Nebst der lockeren Geldpolitik in Europa werde der Markt von der Aussicht auf steigende Staatsausgaben, tiefere Steuern und einer robusten Konjunktur in den USA befeuert.

Bis Mittag verliert der SMI 0,2% auf 7916 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,1% auf 1278 Zähler und der breite SPI um 0,2% auf 8652. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 16 im Plus und 14 im Minus.

Grosse Nachfrage nach CS-Aktien

Die CS-Aktien erfreuen sich auch einen Tag nach dem Investorentreffen einer grossen Nachfrage. Nachdem sie am Mittwoch mit einem Plus von 7,4% aus dem Handel gegangen sind, gewinnen sie nun weitere 2,7% dazu. J.P. Morgan und ZKB haben das Rating für die CS auf "Übergewichten" angehoben. Die Analysten begrüssen vor allem die Verlagerung von Ertragswachstum hin zu Kosteneffizienz. Ähnlich positive Töne schlagen die Analysten von S&P Global, Natixis, Morgan Stanley, Kepler Cheuvreux, UBS und Société Générale an, die ihre Kurszielschätzungen für die CS angehoben haben.

Nebst CS gewinnen bei den Schweizer Bluechips auch Syngenta (+1,8%) oder Zykliker wie Adecco oder Dufry (je +0,9%) gut an Wert. Der chinesische Staatskonzern Chem-China hat von den australischen Behörden grünes Licht zur Übernahme des Basler Agrarchemiekonzerns erhalten, was den Syngenta-Kurs stützt. Dagegen büssen die zuletzt von Übernahmespekulationen in die Höhe getriebenen Actelion 0,6% ein, auch wenn Kepler Cheuvreux die Titel wieder mit einem "Buy" in ihr Anlageuniversum aufgenommen hat.

Am meisten Druck auf den Gesamtmarkt üben aber Novartis (-1,1%) und Roche (-0,6%) aus. Positive Daten zur Wirksamkeit des Novartis-Medikaments Ultibro Breezhaler zur Therapie der Lungenerkrankung COPD sowie die EU-Zulassung für Venclyxto (Venetoclax) von Roche gegen chronisch lymphatische Leukämie wirken sich kaum auf die Kursentwicklung aus. Vielmehr belasten Händlern zufolge Spekulationen um den Spin-Off der Augenheiltochter Alcon die Novartis-Papiere. Nestlé liegen mit 0,2% leicht im Plus.

Swiss Re nach Rating-Senkung im Verkauf

Im Finanzsektor gehören Swiss Re mit -1,4% zu den grössten Verlierern. Jefferies hat das Rating gesenkt. Mit Ablauf des Aktienrückkaufs im kommenden Februar dürfte eine wichtige Stütze des Aktienkurses wegfallen, heisst es in der Begründung. Und auch die Titel des Versicherers Zurich geben um 0,4% nach. Dabei haben Jefferies und HSBC hier ihre Kursziele angehoben. HSCB erwartet von Zurich dank Kosteneinsparungen und operativen Verbesserungen in der Schadensversicherung künftig weiteres Gewinnwachstum. Zudem sei nach wie vor mit attraktiven Dividenden zu rechnen, hiess es.

Im breiten Markt hat die auf US-Wohnimmobilien spezialisierte Varia US Properties ein verhaltenes Börsendebüt gegeben, der Kurs sank zwischenzeitlich sogar unter den Ausgabepreis von 35 Franken. Aktuell kosten die Titel mit dem Ticker-Symbol VARN mit 35,50 Franken und 1,4% im Plus. Der erste Kurs kam bei 37,00 Franken zustande. Es handelt sich um den fünften Börsengang an der SIX im laufenden Jahr nach Wisekey im März, VAT im April, Investis im Juni und KTM im November.

Die Papiere der Privatbank EFG International avancieren derweil mit 5,0%. EFG rechnet neu mit einem deutlich höheren Synergiepotenzial aus dem Zusammenschluss mit der Tessiner Bank BSI. Allerdings dürften dabei bis 2019 jährlich 100 bis 150 Stellen verloren gehen. Die volatilen Titel von Meyer Burger büssen 7,8% ein.

(AWP)