Schweizer Börse grenzt Verluste ein - Banken im Aufwind

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch leicht nachgegeben. Unerwartet gute Konjunkturzahlen und ein festerer Ölpreis rückten Zinsängste wieder etwas in den Hintergrund, sagten Händler.
05.10.2016 16:58
Filiale der Credit Suisse am Claraplatz in Basel: Die Aktien der Banken waren am Mittwoch gesucht.
Filiale der Credit Suisse am Claraplatz in Basel: Die Aktien der Banken waren am Mittwoch gesucht.
Bild: cash

Im Fahrwasser anziehender Kurse an der Wall Street grenzte der SMI die Verluste merklich ein. Das Börsenbarometer, das im Verlauf bis 8160 Zäher gefallen war, notierte um 0,4 Prozent tiefer auf 8195 Punkten. Dass der SMI im Minus stand, war vor allem den drei Marktschwergewichten geschuldet.

Die US-Industrie hat im August überraschend mehr Aufträge eingesammelt. Die Bestellungen legten zum Vormonat um 0,2 Prozent zu. Erartet war ein Minus von 0,1 Prozent. Im Juli hatten die Aufträge nach revidierten Angaben um 1,4 Prozent zugelegt. Ob die US-Notenbank noch in diesem Jahr die Zinsschraube anzieht, könnte sich am Freitag zeigen, wenn der US-Arbeitsmarktbericht der Regierung veröffentlicht wird, hiess es am Markt. Die Fed erwägt eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr, falls es weitere konjunkturelle Fortschritte gibt.

Die Märkte standen zunächst unter Druck, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstagnachmittag berichtet hatte, die EZB könnte die Anleihekäufe von aktuell 80 Milliarden Euro in monatlichen Schritten um jeweils zehn Milliarden Euro zurückfahren. Nach Ansicht von Experten dürfte die EZB darüber wohl noch nicht entschieden haben.

Bankaktien gefragt

Gefragt waren die Aktien der Banken. "Wir blicken auf die Aktie der Deutschen Bank und handeln danach", sagte ein Händler. Die Anleger wetteten darauf, dass die US-Strafzahlung deutlich unter den zunächst geforderten 14 Milliarden Dollar liegen wird. Im deutschen "Platow"-Brief hiess es, das grösste Deutsche Geldhaus dürfte den US-Hypothekenstreit mit einer Strafe von maximal fünf Milliarden Dollar beilegen können.

Die Titel der Credit Suisse stiegen um 1,1 Prozent. Die Anteile von Rivale UBS und des Vermögensverwalters Julius Bär verbuchten dank Kaufempfehlungen von RBC ein Plus von 1,9 und 1,6 Prozent. Versicherungswerte zeigten sich mehrheitlich fester. Zurich gewannen 0,5 Prozent.

Die Aktien zyklischer Firmen holten einen grossen Teil der frühen Verluste auf. Die Anteile der Luxusgüterhersteller Swatch legten gar 0,2 Prozent zu, Richemont schwächten sich nach dem Vortagesanstieg um 0,4 Prozent ab. Der Personalvermittler Adecco setzte den Aufwärtstrend vom Vortag um 0,4 Prozent fort. Die Aktien des Zementproduzenten LafargeHolcim, des Elektrotechnikkonzerns ABB und der Sanitärtechnikfirma Geberit notierten schwächer, aber über dem Tagestief.

Nestle verliert

Die Titel des als defensiv eingestuften Lebensmittelkonzerns Nestle sackten um 1,3 Prozent ab. Die ebenfalls schwergewichtigen Aktien der Pharmafirmen Novartis und Roche schwächten sich ebenfalls ab. Die US-Arzneimittelbehörde hat das Arthritis-Medikament Actemra als Therapiedurchbruch (Breakthrough Therapy Designation) zur Behandlung von Riesenzellenarteriitis eingestuft. Bei der potenziell lebensbedrohlichen Autoimmunerkrankung kommt es zu einer Entzündung grosser Blutgefässe, oft im Kopf.

Am breiten Markt setzten die Temenos-Aktien ihren Anstieg fort. Auch die Anteile des Assetmanagers GAM und der Privatbank EFG legten zu.

Gewinnmitnahmen belasteten die Anteile von Logitech. Die Papiere von Aryzta büssten nach dem jüngsten Anstieg und vor dem Investorentag am Donnerstag 2,6 Prozent ein.

Die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kletterten bei relativ bescheidenen Umsätzen um vier Prozent auf 1820 Franken. Kurzzeitig notierten sie mit 1849 Franken auf dem höchsten Stand seit 19 Jahren. "Wir rätseln auch über den Kursanstieg", sagte ein Händler. Bei einer Dividende von weniger als einem Prozent gebe es attraktivere Aktien im Finanzsektor.

(Reuters)