Schweizer Börse im Index-Fieber

Indexorientierten Anlegern bleiben nur noch wenige Stunden, um ihre Aktiendepots an die Umstellungen beim SMI & Co. anzupassen. Gerade bei kleineren Aktien sind grössere Kursausschläge möglich.
18.09.2015 08:00
Von Lorenz Burkhalter
Bei Meyer Burger müssen sich grosse Anleger bis Börsenschluss von gut 2 Millionen Namenaktien trennen.

Einmal im Jahr, nämlich in der zweiten Juli-Woche, informiert die Schweizer Börsenbetreiberin SIX die Öffentlichkeit über Veränderungen in der Zusammensetzung der hiesigen Aktienindizes. Indexorientierte Anleger und Herausgeber von strukturierten Indexprodukten oder Index-Fonds haben dann bis zum dritten Freitag im September Zeit, auf diese Anpassungen zu reagieren.

Für gewöhnlich machen sie das aber erst in letzter Minute, laufen sie ansonsten doch Gefahr, den Anschluss an den jeweils abgebildeten Index zu verpassen.

Börsenneuling findet Einzug in die Aktienindizes

Die Uhren ticken nun allerdings, bleiben den Anlegern doch nur noch wenige Stunden, bis die Umstellungen am Freitag nach Börsenschluss ihre Gültigkeit erhalten. Gefordert sind sie in diesem Jahr insbesondere bei den Aktien aus der zweiten Linie. Denn beim Swiss Market Index Midcap (SMIM) wird die des Börsenneulings Sunrise Communications jene von Meyer Burger ersetzen.

Berechnungen der UBS Investmentbank zufolge müssen indexorientierte Anleger 770'000 Sunrise-Aktien im Gegenwert von 42,5 Millionen Franken erwerben, was mehr als sechs durchschnittlichen Tagesvolumen entspricht. Im Gegenzug stehen beim Solarzulieferer Meyer Burger 2,08 Millionen Titel im Gegenwert von ziemlich genau 15 Millionen Franken zum Verkauf an. Theoretisch bräuchten die betroffenen Anleger dazu knapp vier Handelstage, so die Schweizer Grossbank.

Keine Neuzugänge beim SMI, aber...

Die zuvor geprügelte Aktie von Sunrise könnte sich in den nächsten Stunden deshalb deutlich erholen, jene von Meyer Burger hingegen im Kurs zurückfallen. Aufgrund der im Sommer angekündigten Umstellungen sind gemäss Aussagen der UBS auch bei den Titeln von Conzzeta, Molecular Partners und Valartis grössere Zukäufe zu erwarten. Bei Panalpina, Leclanche und Elma Electronic müssen sich grosse Anleger hingegen von Aktien trennen. Der bei vielen dieser Titel recht dünne Handel lässt grössere Kursausschläge erwarten.

Beim Swiss Market Index (SMI) gibt es zwar Anpassungen im Zusammenhang Veränderungen bei der Anzahl frei handelbarer Aktien, aber keine Ab- oder Neuzugänge. Wie die UBS Investmentbank schreibt, müssen sich indexorientierte Anleger bei der Credit Suisse von 6,5 Millionen (ein durchschnittliches Tagesvolumen) und bei ABB von 4,4 Millionen Namenaktien (ein halbes durchschnittliches Tagesvolumen) trennen sowie bei der UBS 4,9 Millionen (ein halbes durchschnittliches Tagesvolumen) und bei LafargeHolcim 2,9 Millionen Namenaktien (zwei durchschnittliche Tagesvolumen) zukaufen.

Sollte es im Laufe des Tages gerade bei den kleineren und nur schlecht handelbaren Aktien zu Übertreibungen auf die eine oder andere Seite kommen, bieten sich diese vor allem gegen den Strom schwimmenden nicht an einen Index gebundenen Anlegern geradezu an.