Schweizer Börse im «Risk off-Modus»

Die nahende Abstimmung über einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union hat das Geschehen an der Schweizer Börse am Dienstag weiterhin dominiert. Die Banken geraten unter Druck.
14.06.2016 17:30
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich: Die Bankaktien geraten am Dienstag unter Druck.
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich: Die Bankaktien geraten am Dienstag unter Druck.
Bild: cash

Bei guten Umsätzen büsste der SMI den fünften Tag hintereinander Terrain ein und notierte um 1,8 Prozent tiefer auf 7639 Punkten. Die Anleger seien sehr verunsichert, hiess es. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex schnellte um fast neun Prozent hoch auf knapp 28 Zähler - der höchste Stand seit Februar.

Neben der Brexit-Angst beschäftigten auch Konjunktursorgen und die Sitzung der US-Notenbank Fed die Investoren. "Die Anleger suchen Sicherheit", sagte ein Börsianer. "Sie scheuen Risiken. 'Risk off' heisst das Motto", sagte ein anderer Händler. Die Rendite des zehnjährigen Anleihe der Eidgenossenschaft rutschte mit minus 0,49 Prozent so tief in den Negativbereich wie noch nie.

Auch das charttechnische Bild habe sich eingetrübt, hiess es. Der SMI habe bei 7800 Zählern eine bisher als relativ stabil betrachtete Unterstützungszone unterschritten. Der Trend könnte noch bis am 23. Juni, wenn über den Brexit abgestimmt wird, anhalten, hiess es.

Warten auf den Zinsentscheid der Fed

Mit Spannung warteten die Anleger auf das Ergebnis der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank am Mittwoch. Die meisten Volkswirte gegen davon aus, dass die Fed am Mittwoch keine Zinserhöhung verkünden wird. Börsianer erhoffen sich jedoch Hinweise darauf, ob die Notenbank die geldpolitischen Zügel im Juli oder September anzieht.

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB), die am Donnerstag ihre geldpolitische Lagebeurteilung veröffentlichen wird, dürfte keine Änderungen bekanntgeben.

Stark unter Druck standen Finanzwerte. "Die Banken haben einen sehr schweren Stand momentan", sagte ein Händler. Europaweit büssten sie Terrain ein. Der Branchenindex sank um 1,6 Prozent.

Die Aktien der Grossbank Credit Suisse sackten 3,8 Prozent ab und erreichten bei 11,39 Franken einen neuen Tiefststand. Die Papiere von Rivale UBS sanken um 2,2 Prozent und erreichten kurzzeitig ein Jahrestief bei 13,26 Franken. Julius Bär fielen um 3,2 Prozent. Die Aktien mehrerer Kantonalbanken tendierten dagegen fester.

Eine Gewinnwarnung liess die Anteile des Assetmanagers GAM um 17,9 Prozent einbrechen.

Auch die Versicherer verzeichneten meist Abschläge von mehr als einem Prozent. Einzig die arg gebeutelten Aktien von Zurich Insurance schlossen mit -0,6 Prozent relativ gut ab.

Kursabschläge von rund 1,5 bis 3 Prozent verbuchten zyklische Werte wie Adecco, ABB, Sulzer oder Oerlikon. Die Aktien der Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont fielen um 3 und 2,7 Prozent.

Die als krisenresistent geltenden Anteile der Lebensmittelfirma Nestle verloren 1,3 Prozent. Der Titel des Pharmariesen Novartis sank um 2,1 Prozent und der Genussschein von Rivale Roche ermässigte sich um 2 Prozent.

Die Aktien von Dätwyler wurden um 3,9 Prozent tiefer bewertet. Der Industriezulieferer will den englischen Konkurrenten Premier Farnell für rund eine Milliarde Franken übernehmen.

(Reuters)