Schweizer Börse: Im Westen nichts Neues

Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Freitag zur Mittagszeit weiter im negativen Bereich, hat sich vom Tagestief im frühen Handel aber etwas gelöst.
04.11.2016 13:05
Meistens nur Tristesse: Die Aktienkurse fallen am Freitag an der Schweizer Börse den sechsten Tag in Folge.
Meistens nur Tristesse: Die Aktienkurse fallen am Freitag an der Schweizer Börse den sechsten Tag in Folge.
Bild: Bloomberg

Sollte der Markt im Minus schliessen, wäre dies bereits der sechste Tag in Folge mit roten Vorzeichen. Auch im Wochenvergleich ergibt sich ein klares Minus, das zum aktuellen Stand bei über 3,5% liegt. Händler begründen die erneuten Abgaben vor allem mit der Unsicherheit im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen von nächster Woche

Auf Konjunkturseite sind vor dem Wochenende alle Blicke auf die USA gerichtet: Dort steht im Tagesverlauf (13.30 Uhr MEZ) der monatliche Arbeitsmarktbericht auf der Agenda. Die Beschäftigungsdaten haben insbesondere deshalb so grosse Bedeutung, weil die US-Notenbank Fed etwaige Zinsschritte eng mit der Job-Entwicklung im Land verknüpft. Zur Wochenmitte hatten die US-Währungshüter zwar von einer weiteren Zinsanhebung abgesehen - Experten rechnen nun aber damit, dass das Fed im Dezember tätig wird.

Der SMI hat die 7600er Marke wieder übersprungen und notiert kurz nach Mittag noch 0,3% tiefer bei 7619 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt um 0,3% auf 1185 Punkte und der breite SPI um 0,4% auf 8358 Zähler ab. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 25 im Minus und 5 im Plus.

Stark gestiegene Volatilität

Die Verunsicherung der Marktakteure zeigt sich auch an der zuletzt wieder stark gestiegenen Volatilität. Das hiesige Schwankungsbarometer VSMI steht aktuell 6% höher bei 21,2 Punkten und hat damit seit dem letzten Tiefstand vor rund zwei Wochen um weit über 40% zugelegt. Hierzulande sind zum Wochenschluss mit Richemont und Lafarge-Holcim nochmals zwei wichtige SMI-Firmen mit Zahlen im Fokus, wobei vor allem die Papiere des Luxusgüterkonzerns einen veritablen Kurssprung hinlegen.

Entgegen dem allgemeinen Trend ragen am Berichtstag vor allem Richemont mit einem Kursplus von aktuell 9,0% hervor. Der Genfer Luxusgüterkonzern hat ein Halbjahresergebnis präsentiert, das zahlenmässig nicht allzu stark überraschen konnte, da es zum Teil schon bekannt war. Die Aussagen kurz vor Börseneröffnung über eine positive Umsatzentwicklung im Oktober wirkten zum Handelsbeginn dann aber stark stimulierend. Händler sprechen denn auch von "Short-Eindeckungen", die den Trend nach oben massiv verstärkt hätten. Im Schlepptau von Richemont legen auch die Papiere der Branchennachbarin Swatch (+2,9%) klar zu.

Der dritte grosse Gewinner ist Lafarge-Holcim (+2,5%). Der Baustoffhersteller hat über sein vergangenes Geschäftsquartal berichtet und dabei vor allem auf Stufe bereinigter Betriebsgewinn bzw. Betriebs-Marge positiv überrascht. Die Fortschritte hier kamen laut Einschätzung von Analysten vor allem durch weitere Kosteneinsparungen und höhere Preisen für Zement und Co. zu Stande. Im Plus stehen zur Mittagszeit auch noch die beiden Nahrungsmittelwerte Aryzta (+0,7%) und Nestlé (+0,1%).

Bankaktien auf den Verkaufslisten

Am Schluss der Tabelle bei den Bluechips notieren nur vor allem die Bankenwerte, nachdem in der Eröffnungsphase vor allem noch die Pharmawerte unter den Unsicherheit hinsichtlich US-Wahlen gelitten hatten. Aktuell grösster Verlierer sind UBS (-2,5%), nicht viel besser steht es mit CS (-2,0%) oder Julius Bär (-1,8%). CS büssen nach dem Kursdebakel nach Zahlen am Vortag (-7%) damit erneut an Terrain ein. Die Einschätzungen am Tag nach dem Ergebnis sind allerdings nicht einheitlich. Die Analysten von Natixis und Macquarie beispielsweise haben ihre entsprechenden Kursziele gesenkt, die Kollegen der UBS haben es dagegen relativ klar über den aktuellen Kurs erhöht.

Bei den grössten Verlierern unter den 30 Top-Werten sind ansonsten noch Sonova (-2,1%), Galenica (-1,6%) und Actelion (-1,5%). Novartis und Roche büssen 0,9% bzw. 0,7% ein. Hier wirkt sich die Ungewissheit in Sachen US-Wahlen mit am stärksten aus.

Im breiten Markt stehen vor allem Meyer Burger stark unter Druck - aktuell sind es -14%, zwischenzeitlich waren es über 25% Kursverlust. Ganz klar dafür sind die Gründe nicht. Laut Händlern könnte es in Sachen Finanzierung Probleme geben, offiziell sei aber nichts bekannt. Grössere Verluste gibt es u.a. auch noch bei Valartis (-5,7%) oder Ypsomed (5,0%), während Airesis (+4,9%) oder Schlatter (+3,8%) auf der Gewinnerseite weit vorne sind.

(AWP)