Schweizer Börse kommt doch noch auf grünen Zweig

Die Kurse an der Schweizer Börse haben sich am Freitag nach der Veröffentlichung guter Daten vom US-Arbeitsmarkt erholt.
02.12.2016 17:45
Zum Schluss kam die Schweizer Börse am Freitag doch noch etwas in Fahrt.

Die Daten zeigten, dass die US-Wirtschaft brummt und der Weg für die erste Zinserhöhung in den USA seit einem Jahr frei sei, sagen Händler. Der sich erholende Ölpreis stimme die Anleger ebenfalls zuversichtlich. Ihr Risikoappetit werde aber von dem am Wochenende bevorstehenden Verfassungsreferendum in Italien gedämpft. Der SMI notiert zum Börsenschluss mit 7784 Punkten um 0,1 Prozent höher. Im Wochenvergleich ergibt sich ein Minus von 1,2 Prozent.

Eine Zinserhöhung seitens der US-Notenbank Fed sei nach den Arbeitsmarktdaten vom November so gut wie sicher, heisst es am Markt. Die Fed hält den Schlüsselsatz seit 2015 in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Im November wurden mit 178'000 mehr neue Stellen geschaffen, als von Fachleuten mit 175'000 geschätzt. Die Arbeitslosenquote ging auf 4,6 von 4,9 Prozent zurück.

Zwei Tage vor dem Verfassungsreferendum in Italien wollten die Anleger aber doch keine Wetten eingehen. Sie neigten eher zu Verkäufen. "Was gut gelaufen ist, fällt wegen Gewinnmitnahmen und was schlecht gelaufen ist, wird auch verkauft."

Meyer Burger brechen nach Zustimmung zur Kapitalerhöhung ein

Im Zentrum des Interesses steht Meyer Burger. Der Zulieferer für die Solarindustrie hat eine weitere Hürde auf dem Weg zur Sanierung überwunden. Aber die Aktie bricht nach der Zustimmung der Aktionäre zu einer Kapitalerhöhung um fast 10 Prozent ein. Meyer Burger kann nun das Kapital um bis fast 457 Millionen neue Aktien erhöhen und sich bei den Aktionären rund 160 Millionen Franken holen. "Es gibt zwar eine starke Verwässerung, aber die Firma dürfte damit wohl über den Berg sein", sagt ein Händler. Die wesentliche Frage sei, ob die Aktionäre letztlich auch die neuen Titel zeichneten, erklärt Michael Foeth von der Bank Vontobel.

Uneinheitlich entwickelten sich die Aktien der als krisenresistent geltenden Schwergewichte. Der Pharmariese Novartis holt die anfänglichen Verluste fast auf. Rivalin Roche büsst 0,7 Prozent ein. Den Negativtrend erklärten sich Händler mit Verlusten des Pharmasektors an der Wall Street.

Die Actelion-Aktien ziehen 4,4 Prozent an. Die Titel sind seit einer Woche Spielball von Übernahmespekulationen. Insidern zufolge interessiert sich der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson für Europas grösste Biotechnologiefirma. "Nur Genaues weiss man nicht", sagt ein Händler. Beide Unternehmen haben Gespräche über eine nicht näher spezifizierte Transaktion eingeräumt.

Nestlé findet ins Plus zurück

Der Anteil des Lebensmittelkonzerns Nestlé stösst nach anfänglichen Verlusten 1 Prozent in die Gewinnzone vor. Auch andere Nahrungsmittelwerte holten auf. Die Scheine des Edelschokolade-Herstellers Lindt & Sprüngli steigen 0,4 Prozent. Dagegen leiden Barry Callebaut unter einer Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs und fallen um 2,4 Prozent.

Die Finanzwerte geben Terrain preis. Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS sind um 2 und 1,7 Prozent tiefer. Händler erwähnen das "Renzirendum" als mögliche Ursache. Der unter hohen Problemkrediten leidende italienische Bankensektor könnte bei einem Nein der Italiener wieder unter Druck geraten, heisst es am Markt.

Bei den Versicherungen trotzen die Aktien von Swiss Re mit einem Plus von 0,6 Prozent dem Negativtrend. Der Rückversicherer bekräftigte seine Zielvorgaben im Rahmen einer Investorenveranstaltung. Im Schnitt soll die Eigenkapitalverzinsung mindestens 700 Basispunkte über der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegen. Die Dividenden sollen langfristig mit dem Gewinn steigen oder zumindest stabil gehalten werden. Zudem soll nicht für das Geschäft benötigtes Kapital an die Eigentümer zurückgezahlt werden.

Tech-Werte stark unter Druck

Uneinheitlich zeigen sich die Aktien von zyklischen Firmen: ABBAdecco und Lafarge-Holcim büssen an Wert ein. Givaudan und Syngenta legen zu.

Am breiten Markt fielen die Technologietitel AMS, U-blox und Cicor mit kräftigen Abschlägen auf, was Händler mit der negativen Entwicklung der Aktien von US-Mitbewerbern erklärten. Ein Bericht über Bestellungskürzungen des iPhone-Herstellers Apple bei seinen Zulieferern habe den Sektor belastet, heisst es am Markt.

(Reuters/cash)