Schweizer Börse legt Atempause ein - Pharmawerte bremsen

Die Schweizer Börse hat nach den jüngsten Kursgewinnen am Freitag eine Atempause eingelegt. Eine Konsolidierung sei nicht unerwünscht, sagten Händler.
12.08.2016 17:30
Die Uhren-Aktien legen am Freitag zu.
Die Uhren-Aktien legen am Freitag zu.
Bild: Pixabay

Der SMI notierte mit 8295 Punkten unverändert. Gegenüber der Vorwoche hat der SMI um gut ein Prozent zugelegt. Der breite SPI konnte sich über 9000 Punkten halten und markierte bei 9033 Zählern ein Jahreshoch.

Die Anleger verhielten sich laut Händlern vorsichtig, obwohl der Markt wichtige charttechnische Widerstände überwunden habe. "Es muss sich erst weisen, dass wir nicht wie so oft wieder zurückfallen", sagte ein Händler. Seit Monaten bewegt sich der SMI in einer Handelsspanne von 7700 und 8250 Punkten auf und ab.

Erhoffte Impulse von US-Konjunkturzahlen blieben aus. Die US-Einzelhandelsumsätze stagnierten und die Import- und Produzentenpreise gingen unerwartet zurück. Dies dämpfe zwar Zinserhöhungsspekulationen, stelle der weltgrössten Wirtschaft aber auch kein gutes Zeugnis aus. "Es wird sich zeigen, was die Anleger höher gewichten: tiefe Zinsen oder ein schwaches Wachstum", sagte ein Händler.

Bilanzsaison geht dem Ende zu

Die Bilanzsaison neigt sich bei den Grossunternehmen dem Ende zu. "Bis auf Nestle, Geberit und Swisscom haben alle Bluechip-Gesellschaften die Ergebnisse vorgelegt", sagte ein Händler. Kommende Woche legen noch zahlreiche kleine und mittelgrosse Firmen ihre Ergebnisse vor.

Die Nestle-Aktien notierten nach dem Kurssprung vom Donnerstag um 0,4 Prozent höher. Der Nahrungsmittelkonzern legt am Donnerstag den Quartalsbericht vor. Die Sanitärtechnik-Firma Geberit präsentiert die Zahlen am Dienstag und der Telekomkonzern Swisscom folgt am Donnerstag.

Mit den Pharmawerten Novartis und Roche schwächten sich zwei Marktschwergewichte um 0,6 und 0,2 Prozent ab und drückten damit den SMI ins Minus. Novartis kann einen Fall von Bestechungsvorwürfen in der Türkei abhaken.

Fester notierten die Bankaktien: UBS stiegen um 0,6 Prozent und Credit Suisse waren um 1,5 Prozent fester. Bei den Versicherungen gaben Swiss Life ein und Zurich 1 und 0,3 Prozent nach. Beide Titel waren am Vortag nach guten Resultaten stark gestiegen .

Die Anteile mancher zyklischer Firmen gaben im Verlauf einen Teil ihrer Gewinne wieder her. Adecco legten 0,9 Prozent zu, ABB rückten um 0,5 Prozent vor. LafargeHolcim gewann 0,2 Prozent auf 51,70 Franken. Vontobel hat das Kursziel auf 59 von 49 Franken erhöht. Die Empfehlung lautet "Buy".

Syngenta schwächten sich um 1,1 Prozent ab. Händler wiesen darauf hin, dass die EU-Wettbewerbshüter die geplante 130-Milliarden-Dollar-Fusion der US-Chemiekonzerne DuPont und Dow Chemical vertieft prüfen wollen. Das schüre die bereits vorhandene Verunsicherung im Hinblick auf die geplante Übernahme des Agrochemiekonzerns durch ChemChina weiter. "Syngenta ist ja ebenfalls von dieser Problematik betroffen", sagte ein Händler. Für den 43 Milliarden Dollar schweren Deal stehen wichtige behördliche Genehmigungen aus, allen voran die letztlich entscheidende Zustimmung des US-Ausschusses CFIUS.

Deckungskäufe hoben die Aktien des Uhrenkonzerns Swatch zeitweise um bis zu drei Prozent. Die Aktien der Solarzulieferfirma Meyer Burger schossen um fast acht Prozent nach oben. Die beiden Titel zählten zu den am stärksten leerverkauften Schweizer Aktien, hiess es. "Die Anleger suchen Titel, die stark zurückgeblieben oder über Gebühr an Wert verloren haben", sagte ein Händler.

Die Dätwyler-Aktien büssten 1,5 Prozent ein. Zunächst legten sie um vier Prozent zu, weil der Industriezulieferer im ersten Halbjahr deutlich besser als erwartet abgeschnitten hat. Die Firma hält sich eine Erhöhung des Übernahmeangebots für die britische Premier Farnell offen. Die Offerte von gut einer Milliarde Franken wurde von der US-Firma Avnet überboten. "Die Zahlen sind zwar sehr gut, aber die Ungewissheit, ob die Übernahme von Premier Farnell scheitert, belastet den Kurs", sagte ein Händler. Ein Scheitern des Angebots wäre mit hohen Kosten verbunden.

(Reuters)