Schweizer Börse legt den Rückwärtsgang ein

Die Schweizer Börse gibt zu Wochenbeginn angesichts der wachsenden Unsicherheit über den Zeitpunkt einer US-Zinserhöhung deutlich nach.
12.09.2016 11:05
Auf dem Rückzug: Die Schweizer Börse am Montag.
Auf dem Rückzug: Die Schweizer Börse am Montag.
Bild: cash

Der Leitindex SMI büsst bis 11 Uhr 1,3 Prozent auf 8153 Zähler ein. Am deutlichsten fallen die Abschläge mit mehr als 2 Prozent bei Bankaktien aus. "Die Märkte sind verschnupft", sagt ein Händler. Im internationalen Vergleich hält sich die Schweizer Börse aber vergleichsweise gut - vor allem dank der Stütze der als krisenfest geltenden Indexschwergewichte Nestlé, Novartis und Roche.

Auslöser für den Aderlass waren unter anderem Äusserungen von Fed-Mitglied Eric Rosengren, der am Freitag vor einer zu zögerlichen Zinspolitik gewarnt hatte. Die amerikanische Wirtschaft könne überhitzen, wenn die Währungshüter zu lange mit einer Anhebung warteten, hatte der Chef des Fed-Ablegers in Boston gesagt. Ein Börsianer sagt, an den Märkten sei dies als Hinweis interpretiert worden, die Fed könnte schon im September und damit früher als von vielen erwartet die Zinsen anheben. Weltweit hatten die Notenbanken in den vergangenen Jahren mit ihrer lockeren Geldpolitik für eine Hausse der Aktienmärkte gesorgt. Auf Kursänderungen reagieren die Anleger daher empfindlich. Auch in den USA hatten die Aktienmärkte kräftig nachgegeben.

Weitere Information über die Pläne der US-Notenbank erhofften sich die Investoren noch im Laufe des Tages: Im Tagesverlauf treten mehrere Fed-Banker auf. "Da werden alle genau schauen, ob es weitere Aussagen gibt, dass eine Zinserhöhung bereits am 21. September möglich ist", sagt ein Händler.

Turbulente Börsenwochen erwartet

Die Experten der Zürcher Kantonalbank erwarten für die kommenden Wochen turbulentere Börsen als zuletzt. Der September sei der mit Abstand schlechteste Börsenmonat im Jahr. "Der Taucher vor Freitag in den USA könnte nun so etwas wie das Ende der tiefen Volatilität der vergangenen Wochen markieren und für wieder stürmischere Zeiten sprechen", heisst es in einem Kommentar der Kantonalbank.

An der Spitze der Verlierer stehen die Grossbanken UBS und Credit Suisse mit Abschlägen von über 3 Prozent. Zyklische Werte wie der Personalvermittler Adecco (-3,4 Prozent), der Elektronikkonzern ABB (-2) und der Zementriese Lafarge-Holcim (-2,4) verlieren deutlich an Wert.

Etwas besser als der Markt hält sich der Rückversicherer Swiss Re, der mit einer Stabilisierung der Prämien rechnet. Die Preiserosion in der Naturkatastrophenversicherung dürfte sich verlangsamen, wie die Nummer zwei der Branche beim jährlichen Branchentreffens in Monte Carlo mitteilte. Die Swiss-Re-Aktie verliert 1,1 Prozent. Zurich Insurance und Swiss Life geben 1,2 und 2,4 Prozent nach.

IPO aus der Biotech-Branche

Als kleine Stütze des Marktes erweisen sich die Schwergewichte: Die Nestlé-Titel verlieren lediglich 0,9 Prozent, während die Pharmatitel Novartis und Roche gut 1 Prozent nachgeben.

Im Pharmabereich darf die Börse zudem auf einen Neuzugang hoffen: Die Biotech-Firma Adienne will sich dem Publikum öffnen und mit einem Börsengang Geld für die Entwicklung verschiedener Medikamente gegen seltene Krankheiten holen. Das Hauptaugenmerk liege dabei auf der Behandlung von Blut- und Immunkrankheiten. Details zu dem Initial Public Offering (IPO) nannte das Unternehmen nicht. BofA Merrill Lynch und Jefferies begleiten den Börsengang als Global Coordinators und Joint Bookrunners.

(Reuters/cash)