Schweizer Börse legt den Vorwärtsgang ein

Nach einer Woche mit Kursverlusten hat die Schweizer Börse am Montag zu einer Erholung angesetzt. Mit Ausnahme von Credit Suisse legten alle Standardwerte zu.
19.09.2016 17:57
Ein strahlender Tag an der Schweizer Börse.
Ein strahlender Tag an der Schweizer Börse.
Bild: cash

Besonders gesucht waren die Aktien von konjunkturempfindlichen Unternehmen und der Pharma-Schwergewichte Novartis und Roche. Der SMI gewann 0,8 Prozent auf 8196 Punkte. Im Handelsverlauf hatte das Börsenbarometer sogar die Marke von 8200 Zählern übersprungen. "Die Grundstimmung ist positiv, aber es ist wenig los", sagte ein Händler. "Die Aktivitäten halten sich in Grenzen."

Investoren hielten sich vor allem wegen des mit Spannung erwarteten Treffens der US-Währungshüter zurück. Am Mittwoch entscheidet die Notenbank Fed, ob sie die Zinsen erstmals seit Dezember 2015 wieder erhöht oder nicht. Widersprüchliche Aussagen von Fed-Vertretern hatten in den vergangenen Wochen für Verwirrung unter Börsianern gesorgt. Anleger sehen die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung der Zinsen, die derzeit in einer Spanne von 0,25 und 0,5 Prozent liegen, im September nur bei zwölf Prozent.

Die Geldpolitik der Notenbanken sei weiterhin äusserst expansiv, erklärten die Experten der Zürcher Kantonalbank. Eine wirkliche Alternative zu den Aktien stellen die zurzeit herrschenden Bondrenditen nicht dar. "Wir halten den Aktienmärkten weiterhin die Stange und bleiben für die mittlere Frist moderat optimistisch", hiess es. Auch andere europäische Börsen legten zu, weil Anleger auf weiter niedrige US-Zinsen setzten.

LafargeHolcim an der Spitze

Spitzenreiter im SMI waren die Aktien des Zementkonzerns LafargeHolcim. Verwaltungsratspräsident Beat Hess stellte in einem Interview mit der "Sonntagszeitung" einen Rückzug aus zahlreichen Märkten in Aussicht. LafargeHolcim gewannen 1,8 Prozent. Die Titel des ebenfalls baunahen Sanitärtechnikers Geberit rückten 0,6 Prozent vor. Die Akties des vom Welthandels abhängigen Inspektionskonzers SGS stiegen 1,4 Prozent.

Den Luxusgüterwerten, die in der Vorwoche angesichts des schwierigen Branchenumfeldes Federn gelassen hatten, gelang eine Trendumkehr. Richemont gewann 1,3 Prozent, Swatch 0,6 Prozent. "Das ist nicht mehr als eine Gegenreaktion. Beide Titel wurden die letzten Wochen arg gebeutelt", sagte ein Börsianer.

Gesucht waren mit einem Plus von 1,4 Prozent auch Novartis. Der Pharmakonzern wartete mit positiven Nachrichten zu einem Multiple Sklerose-Medikament auf. BAF312 verringert einer Studie zufolge das Risiko eines Fortschreitens der Behinderung durch eine schwer zu behandelnde Form der Krankheit. "Das Hochrisikoprojekt BAF312 verläuft unerwartet positiv", erklärte ZKB-Analyst Michael Nawrath. Die Titel des Rivalen Roche entwickelten sich mit einem Kursgewinn von 1,0 Prozent etwas gemächlicher. Das dritte Index-Schwergewicht Nestle ging zwar 0,5 Prozent fester aus dem Handel, hinkte dem Gesamtmarkt damit aber etwas hinterher.

Die Aktien der Grossbanken UBS und Credit Suisse bewegten sich um die Nulllinie. UBS gewannen 0,1 Prozent, Credit Suisse sanken 0,3 Prozent. Händler erklärten, die Furcht vor einer hohen Busse in Zusammenhang mit Tricksereien am US-Immobilienmarkt belastete die Credit Susise-Aktien weiter. Zudem warnte der Chef der Schweiz-Tochter, Thomas Gottstein, vor einem Wettbewerbsnachteil für Schweizer Banken durch Negativzinsen. Kurzfristig könnten die Finanzinstitute mit den Strafzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) jedoch leben, sagte er.

Bei den Aktien kleinerer Unternehmen kletterten Vögele 1,8 Prozent auf 6,36 Franken. Eine Investorengruppe um den italienischen Modekonzern OVS will die in Schieflage geratene Schweizer Bekleidungskette übernehmen. Sempione Retail bietet 6,38 Franken je Vögele-Aktie. Der Vögele-Verwaltungsrat unterstütze das Angebot. Vögele schreibt seit Jahren rote Zahlen. An der Börse habe die Offerte keine grossen Wellen geschlagen, sagte ein Händler: "Der Preis, der bezahlt wird, ist ziemlich nahe am Markt. Man wusste, dass sich irgendwann eine Lösung aufdrängt und die ist jetzt auf dem Tisch. Das ist gut."

Georg Fischer wurden 2,8 Prozent höher bewertet. Der Autozulieferer hat von einem französischen Hersteller einen Auftrag für das Batteriegehäuse eines neuen Hybridfahrzeugs mit einem Volumen von 77 Millionen Euro erhalten. 

(Reuters)