Schweizer Börse legt deutlich zu

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Montagmittag markant im Plus. Das Scheitern des Verfassungsreferendums in Italien vermochte die Märkte nur über Nacht und bis kurz vor Börsenöffnung in Europa zu beunruhigen.
05.12.2016 12:50
Wegen positiven Nachrichten aus China machen die Swatch-Aktien am Montag einen schönen Sprung nach oben.
Wegen positiven Nachrichten aus China machen die Swatch-Aktien am Montag einen schönen Sprung nach oben.
Bild: cash

Bald nach der Eröffnung kletterten die Aktienkurse in den positiven Bereich. In Marktkreisen wird einerseits auf die rasche Ankündigung des Rücktritts durch Matteo Renzi verwiesen, der die baldige Ernennung einer Übergangsregierung ermögliche, und anderseits auf die nun verflogene Unsicherheit. Ausserdem wird der Markt zum Wochenbeginn von guten Konjunkturdaten aus China gestützt.

Insgesamt fällt die Reaktion der Aktien auf das "No" der Italiener nun also gar positiv aus. Das Nein in Italien sei zwar Wasser auf die Mühlen der Euro-Skeptiker, aber nicht der Anfang vom Ende der Währungsunion, heisst es beispielsweise in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Staatspräsident Sergio Mattarella werde rasch für Klarheit und für eine Übergangsregierung sorgen und damit für Kontinuität, so der Tenor an den Finanzmärkten. Damit dürfte es nicht zu raschen Neuwahlen kommen. Als Fallschirm für die Märkte wurde zudem die EZB bezeichnet, die mit Stützungsmassnahmen die Situation jederzeit beruhigen könne.

Der SMI steht kurz vor Mittag 1,0% höher bei 7858 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, klettert um 0,9% auf 1254 Punkte nach oben und der breite SPI um 0,9% auf 8602 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen bis auf 3 alle im Plus.

Aktien von Uhrenherstellern stark gefragt

Grösste Gewinner sind derzeit Swatch (+4,3%) und Richemont (+2,8%). Diese werden von positiven Daten aus China getrieben. Dort ist einerseits der Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe auf den höchsten Stand seit beinahe anderthalb Jahren gestiegen, andererseits hellen Berichte über die wieder gestiegene Freude der Chinesen am Einkauf von Luxusgütern die Stimmung auf. Swatch erhalten zusätzlichen Rückenwind von der Aufnahme des Titels in die Liste der Jahresfavoriten 2017 durch die ZKB. Die Aktie sei zurückgeblieben, begründet diese ihre Wahl.

Weiter nahm die Zürcher Kantonalbank unter den Bluechips Zurich (+1,6%) mit Verweis auf den neuen CEO, das Restrukturierungspotential sowie die attraktive Dividendenrendite in diese Liste auf, Novartis (+0,9%) wegen des Potentials durch mögliche Verkäufe des Roche-Anteils oder der Augensparte Alcon, Clariant (+1,2%), weil der Titel wie Swatch als zurückgeblieben gesehen wird, sowie Syngenta (+0,2%) wegen des Potentials durch das Angebot von Chem-China.

Novartis hat wie Roche (+1,0%) am Wochenende und am Montagmorgen über neue Studiendaten informiert, die Avancen sind aber eher im Zusammenhang mit dem defensiven Charakter des Papiers zu sehen, denn auch Nestlé (+0,9%) legen klar zu. Zudem dürften die Investoren auch goutieren, dass sich CEO Joe Jimenez gegen eine Teilnahme von Novartis an einem allfälligen Bieterwettkampf um Actelion ausgesprochen hat.

Weiterhin ein Auf und Ab bei der Actelion-Aktie

Actelion (-0,4%) wiederum bilden zusammen mit Adecco (-0,1%) und Givaudan (-0,2%) das Trio der Aktien, welche als einzige an Terrain einbüssen. Vorbörslich hatten Actelion noch über 7% im Plus gestanden, dies nach weiteren Spekulationen um eine Übernahme durch Johnson & Johnson in der Wochenendpresse, wobei Bloomberg über eine erhöhte Offerte der Bieterin berichtet hatte.

Für Swiss Re (+1,2%) hat die UBS das Kursziel bei unverändertem Rating "Neutral" etwas erhöht, während HSBC das Rating auf "Hold" von "Buy" zurückgenommen hat. ABB (+1,8%) werden ebenfalls vom positiven Sentiment in China gestützt.

CS (+0,7%) und UBS (+0,1%) sind nach Startverlusten ebenfalls in die Gewinnzone vorgedrungen. CS wird am Mittwoch einen Investorentag durchführen, wobei in der Presse bereits über den Umfang eines möglichen zusätzlichen Stellenabbaus in der Schweiz-Einheit gerätselt wird.

Meyer Burger tauchen weiter

Im breiten Markt setzen Meyer Burger (-7,8%) ihre seit drei Tagen andauernde Talfahrt im Anschluss an die Bewilligung der Kapitalerhöhung durch die Aktionäre am vergangenen Freitag fort. In ähnlichem Rahmen bewegen sich die Verluste bei Addex (-8,3%).

Weitere Favoriten der ZKB für 2017 aus dem Small- und Midcaps-Bereich sind Conzzeta (+0,9%), Dätwyler (+1,1%), DKSH (+1,9%), Inficon (+0,1%) und Metall Zug (+0,7%).

(AWP)