Schweizer Börse macht Vortagesdelle wett

Die Aussicht auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) ermutigten die Anleger mit Verzögerung zu Aktienkäufen, sagten Händler.
11.03.2016 17:30
Die Aktien von Credit Suisse schwingen am Freitag im SMI oben aus.
Die Aktien von Credit Suisse schwingen am Freitag im SMI oben aus.
Bild: Bloomberg

Gefragt waren vor allem Anteilsscheine, die jüngst stark an Wert verloren hatten. Der SMI legte 1,3 Prozent zu und notierte mit 7998 Punkten praktisch auf dem gleichen Stand wie vor einer Woche.

Die Aktienkurse waren am Donnerstag unter gefallen, obwohl die EZB die Geldschleusen weiter geöffnet hatte. EZB-Chef Mario Draghi hatte allerdings gesagt, dass er nicht mehr von weiteren Zinssenkungen ausgehe. "Die Zinssenkungserwartungen wurden wieder aus den Kursen herausgepreist", sagte ein Händler. Bei vielen Anleger setzte sich die Ansicht durch, die Währungshüter hätten nun ihr Pulver verschossen. "Die Reaktion war übertrieben negativ", sagte ein Händler. Wegen der tiefen Zinsen und des durch die EZB-Anleihekäufe austrocknenden Bondmarkts führe kein Weg an Aktien vorbei, sagte ein Börsianer. "Es gibt einfach keine gute Alternative."

17 der 20 Bluechips notierten schwächer. Die Aktien von Swatch sackten 3,1 Prozent ab. Händler sagten, der ungewohnt zurückhaltende Ausblick des üblicherweise Optimismus versprühenden Konzernchefs Nick Hayek verstimmte die Anleger. "Wenn Hayek einmal nicht Super-Bullish ist, wird das eben sofort negativ interpretiert", sagte ein Händler. Zudem dürften die Analystenerwartungen angesichts des eher schwierigen Branchenumfelds zu hoch sein. Die Anteile von Rivale Richemont konnten leicht zulege.

Praktisch unverändert waren auch die Anteile der Biotechnologiefirmen Actelion und Basilea.

Finanzfirmen gefragt

Gefragt waren dagegen die Aktien der zinssensitiven Finanzfirmen, die seit Jahresanfang massiv Terrain eingebüsst hatten. Die Aussicht auf eine neue Serie von langfristigen EZB-Geldspritzen hievte den europäischen Bankaktienindex mehr als vier Prozent in die Höhe. Die Aktien der Credit Suisse kletterten 5,4 Prozent und die Anteile von Konkurrent UBS stiegen um 3,5 Prozent. Die Titel der Vermögensverwalter Julius Bär, GAM Holding und EFG legten ebenfalls kräftig zu. Die Versicherungswerte gewannen um zwei bis drei Prozent.

Die als krisensicher geltenden Index-Schwergewichten Novartis und Roche hinkten dem Markt mit Kurszuwächsen von 1 und 0,6 Prozent leicht hinterher. Die Aktien von Nestle zogen 0,8 Prozent an. Ein Produktrückruf in den USA und Kanada bremste den Lebensmittelwert, hiess es. Der Nahrungsmittelkonzern nimmt nach Kundenbeschwerden verschiedene Tiefkühl-Pizzen vom Markt. Mehrere Kunden hätten kleine Glasteilchen in den Produkten gefunden, teile die US-Tochter des Weltmarktführers mit .

Die Titel des Sanitärtechnikunternehmens Geberit, des Personalvermittlers Adecco, und des Elektrotechnikkonzerns ABB bauten die Kursgewinne auf mehr zwei Prozent aus. Geberit veröffentlicht am Dienstag den Jahresabschluss.

Die Aktien des Zementproduzenten LafargeHolcim zogen 2,9 Prozent an. Händler sprachen von Deckungskäufen vor der Bilanzveröffentlichung am Donnerstag.

Am breiten Markt entwickelten sich die Sulzer-Aktien mit 0,4 Prozent Plus deutlich schwächer als der Markt. Der Anlagenbauer will am Standort Winterthur 90 Stellen streichen.

Die Aktien des Brokers Tradition, der Handy-Verkaufskette Mobilzone und des Pharmazulieferers Bachem waren nach guten Ergebnissen gefragt.

Den Titeln von Flughafen Zürich verhalf eine kräftige Dividendenerhöhung zu einem neuen Rekordkurs.

(Reuters)