Schweizer Börse nach SNB im Aufwind - Lonza unter Druck

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag fester tendiert. Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA, der anziehende Dollar und eine Wall Street nahe an einem Rekordhoch hoben die Stimmung der Anleger.
15.12.2016 17:47
Ist die Übernahme ein Fehlgriff? Ein Mitarbeiter in einem Lonza-Labor.
Ist die Übernahme ein Fehlgriff? Ein Mitarbeiter in einem Lonza-Labor.
Bild: ZVG

"Wir sind auf dem Weg zur Normalisierung der Zinslandschaft", sagte ein Händler. Das sei ein positives Signal für die Weltwirtschaft. Der SMI stieg um 0,9 Prozent auf 8214 Punkte.

Auch der grosse Quartalsverfall an der Terminbörse Eurex am Freitag dürfte den Markt beeinflusst haben. Am sogenannten Hexensabbat laufen Optionen und Futures auf Aktienindizes und Einzelaktien aus.

Die US-Notenbank hatte am Mittwoch die Zinsen erstmals seit einem Jahr um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Die Fed signalisierte, dass sie die Zügel im kommenden Jahr drei Mal straffen könnte. Dies ist eine Zinserhöhung mehr als am Markt mit nur zwei Schritte erwartet wurde. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an Negativzinsen fest und schliesst eine weitere Senkung nicht aus.

Wenig Freude an Lonza-Übernahme

Im Fokus stand Lonza. Die Anleger reagierten auf die Übernahme der US-Firma Capsugel mit Verkäufen, die Titel des Pharmazulieferers fielen um 4,6 Prozent. Händler sprachen von einer teuren Übernahme, die unter anderem durch eine grösser als befürchtete Kapitalerhöhung finanziert werden soll. Lonza kauft Capsugel für 5,5 Milliarden Dollar vom Finanzinvestor KKR. Die grösste Übernahme in der Unternehmensgeschichte soll im zweiten Quartal 2017 abgeschlossen sein.

Die Aktien von Actelion stiegen nach dem Kurseinbruch am Mittwoch um 4,3 Prozent. Nach dem Rückzug des US-Konzerns Johnson & Johnson wird der französische Pharmakonzern Sanofi als potenzieller Käufer von Europas grösster Biotech-Firma gehandelt. "Nach den Gewinnmitnahmen frischen die spekulativen Käufe wieder auf", sagte ein Händler.

Die Aktien zyklischer Firmen legten mehrheitlich zu. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik trieb den Dollar auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Das dürfte die Wettbewerbsituation der exportorientierten Industriefirmen verbessern und ihnen zu höheren Gewinnmargen verhelfen, hiess es. Die Aktien von Adecco, LafargeHolcim und Syngenta legten zu. Schwächer waren dagegen die Aktien von Swatch und Richemont.

CS und UBS: Bankaktien im Aufwind

Gefragt waren Aktien von Banken. Credit Suisse stiegen um 4,1 Prozent und UBS zogen um 1,3 Prozent an. "Die höheren Zinsen kommen eher früher als später den Finanzfirmen zugute", sagte ein Händler. Bei den CS-Aktien erwähnten Händler den Eurex-Verfall und eine Kaufempfehlung von KeplerCheuvreux als Gründe für den Kursanstieg. Die Empfehlung für UBS wurde von KeplerCheuvreux auf "Reduce" gesenkt.

Bei den Vermögensverwaltern stiegen Julius Bär um 1,3 Prozent. GAM Holding kletterten 4,6 Prozent. KeplerCheuvreux hat GAM auf "Buy" von "Hold" hochgestuft.

Bei den Index-Schwergewichten fielen Novartis mit einem Kursplus von 1,7 Prozent auf. Roche hinkten mit einem Anstieg von 0,7 Prozent etwas hinterher. Die Nestlé-Aktien kamen auf ein knappes Plus von 0,14 Prozent.

Am breiten Markt lasse der Verkaufsdruck bei Meyer Burger allmählich nach, sagte ein Händler. Der Kurs verlor nochmals 2,7 Prozent, nachdem die Titel in den vergangenen Tagen bereits deutlich nachgegeben hatten. Die Firma steckt in einer umfangreichen Kapitalerhöhung.

Die Aktien von Bossard stiegen um 2,9 Prozent. Baader Helvea hat die Titel der Schraubenhandelsfirma auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft.

Die Aussicht auf höhere Zinsen belastete laut Händlern die Aktien von Immobilienfirmen. Die Aktien von Mobimo, SPS und PSP büssten mehr je rund 2 Prozent ein.

(cash/Reuters)