Schweizer Börse rutscht ab - alle Augen auf Actelion

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag leicht nachgegeben. Am vorletzten Tag vor Weihnachten gingen die Anleger keine neuen Risiken mehr ein, sondern neigten dazu, Gewinne einzustreichen.
22.12.2016 17:12
Wenig Bewegung an der Schweizer Börse.
Wenig Bewegung an der Schweizer Börse.
Bild: ZVG

Die Stimmung sei gut und die Marktteilnehmer seien derzeit sehr entspannt. Das "Angstbarometer" Volatilitätsindex notierte mit 13 Punkten nahe dem Jahrestief. Auch an anderen Aktienmärkten hielten sich die Aktivitäten in Grenzen. "Wir fokussieren nur noch auf Spezialsituationen", sagte ein Händler. Der SMI schloss quasi unverändert bei 8238 Punkten.

"Auch die Wall Street scheint eine Pause einzulegen und der Dow-Jones-Index den Sprung über die psychologische Marke von 20.000 Punkten erst nach der Weihnachtspause zu wagen", sagte ein Händler. Die Kurse bröckelten dort im frühen Handel ebenfalls leicht ab. Die zahlreichen US-Konjunkturdaten beeinflussten den Markt laut Händlern kaum. Zwar stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe etwas stärker und die Aufträge der Industrie brachen ein. Dafür wuchs die Wirtschaft etwas rascher als angenommen.

Im Fokus stand erneut Actelion. Die Aktien schossen vorübergehend auf ein Rekordhoch von 232,60 Franken und waren zuletzt noch um 4,1 Prozent fester bei 223,90 Franken. Europas grösstes Biotech-Unternehmen nimmt einen neuen Anlauf für einen Milliarden-Deal mit dem US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson. Die Nachricht ist ein schwerer Rückschlag für die französische Sanofi, die Insidern zufolge zuletzt um Actelion buhlte. Der französische Pharmakonzern trat auf den Plan, nachdem Johnson & Johnson vor einer Woche aus den Verhandlungen mit Actelion ausgestiegen war. Die Amerikaner hatten Insidern zufolge rund 27 Milliarden Dollar für den Hersteller von Lungenmedikamenten angeboten.

Rückschlagsrisiko bei Actelion

ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger warnte vor einem beträchtlichen Rückschlagsrisiko bei den Actelion-Aktien, falls es nicht zu einer Transaktion komme. Dass die beiden Parteien wieder verhandeln, erhöhe aber die Wahrscheinlichkeit für einen Deal. Das Tauziehen um Actelion hat den Aktienkurs seit Ende November um fast die Hälfte hochgetrieben.

Leicht im Plus schloss Pharma-Schwergewicht Novartis. Rivale Roche dagegen verlor 0,6 Prozent. Die Aktien von Nestle, einem weiterem Index-Schwergewicht, legten 0,3 Prozent zu.

Die Aktien der Banken waren auf der Verliererseite zu finden. Die UBS-Aktien fielen um knapp ein Prozent. UBS expandiert im französischen Vermögensverwaltungsgeschäft und übernimmt von der italienischen Banca Leonardo deren Frankreich-Tochter Banque Leonardo France. Die Titel der Credit Suisse büssten 0,9 Prozent ein. Versicherungswerte waren bei insgesamt geringen Kursänderungen uneinheitlich.

Kein klarer Trend ergab sich bei den zyklischen Werten. Die Anteile des Uhrenkonzerns Swatch gewannen 0,9 Prozent an Wert. Die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont legten nur leicht um 0,2 Prozent zu. Der Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan und der Sanitärtechnikfirma Geberit rückten um 0,8 Prozent vor. Die Titel des Personalvermittlers Adecco sanken um 0,6 Prozent. Die Anteile des Zementproduzenten LafargeHolcim wurden um 0,5 Prozent tiefer gehandelt.

Meyer Burger mit Kurssprung

Nach Tagen mit fallenden Kursen zogen die Anteile von Meyer Burger knapp acht Prozent an. Der Solarzulieferer hat kürzlich eine grosse Kapitalerhöhung über die Bühne gebracht.

Gewinnmitnahmen nach dem Kurssprung in den vergangenen Tagen drückten die Aktien von Evolva 13,6 Prozent ins Minus.

Die Aktien von Kuros Biosciences setzten den vor einer Woche gestarteten Aufwärtstrend fort und gewannen 16,7 Prozent. Kuros hat die CE-Kennzeichnung für Neuroseal beantragt. Die Kennzeichnung als Medizinprodukt der Klasse III ist die Voraussetzung für den Vertrieb in der EU. Neuroseal ist ein neuartiger Dichtungsstoff, der als Zusatz beim Nähen der Hirnhaut entwickelt wurde.

(Reuters)