Schweizer Börse rutscht nach US-Jobdaten tiefer ins Minus

Ein geringer als erwarteter Stellenzuwachs in den USA hat am Freitag die Schweizer Börse belastet.
07.10.2016 17:30
Am Freitag mussten die Aneger an der Schweizer Börse SIX in den sauren Apfel beissen.
Am Freitag mussten die Aneger an der Schweizer Börse SIX in den sauren Apfel beissen.
Bild: cash

Die US-Wirtschaft schuf im September 156'000 neue Jobs - merklich weniger als die von Analysten erwarteten 175'000. Allerdings wurden die Zahlen für August nach oben revidiert. Der SMI sank um 0,6 Prozent auf 8125 Punkte. Damit notiert der Leitindex gegenüber der Vorwoche praktisch unverändert.

Experten bezeichnen die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt insgesamt aber als solide. "Das steht einer Straffung der US-Geldpolitik im Verlauf des vierten Quartals nicht entgegen", kommentierte die Helaba. Unmittelbarer Handlungsdruck entstehe durch die Daten allerdings auch nicht. Die Entwicklung ist für die US-Notenbank wichtig, weil sie einen robusten Jobmarkt zur Bedingung für eine weitere Zinsanhebung gemacht hat. Nach den neuen Daten halten es Händler nun zunehmend für wahrscheinlich, dass die Fed im Dezember an der Zinsschraube drehen wird. "Der November dürfte aber vom Tisch sein."

Beginnende Quartalsberichte

Damit dürften sich die Marktteilnehmer eher von den Zinsspekulationen ab- und den den in der kommenden Woche beginnenden Quartalsberichten zuwenden. In der Schweiz leitete Ems-Chemie die Saison ein. Der Hersteller von Chemikalien und Kunststoffen steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten um 3,7 Prozent auf 1,5 Milliarden Franken. Die Verkaufsmengen wuchsen nach Angaben des Unternehmens um sechs Prozent und die Kosten erhöhten sich unterproportional. Ems-Chemie bekräftigte die Jahresprognose. Marktteilnehmer erklärten, Ems-Chemie habe die hohen Erwartungen verfehlt. Die Aktien fielen um 5,5 Prozent.

Am Montag will der Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan über die Umsatzentwicklung in den ersten neun Monaten berichten. Von Reuters befragte Analysten erwarten ein Wachstum von 3,4 Prozent. Die Givaudan-Titel sanken um 0,9 Prozent.

Die Standardwerte lagen mehrheitlich im Minus. Zu den wenigen Kursgewinnern gehörte Swiss Re mit 1,4 Prozent Kursanstieg. Händler sprachen von einer Gegenbewegung nach den Abschlägen in den vergangenen Tagen. Befürchtungen, dass die vom Hurrikan "Matthew" verursachten Schäden das Ergebnis des Rückversicherers belasten könnten, lasteten auf dem Kurs. Der auf Floria zurasende Wirbelsturm könnte nach Schätzungen von Experten der zweitteuerste Hurrikan aller Zeiten für die amerikanischen Versicherer werden. Forscher von Kinetic Analysis schätzen die versicherten Schäden von "Matthew" auf rund 25 Milliarden Dollar. Dies betreffe in erster Linie aber amerikanische Versicherer.

Etwas höher notierten auch die Aktien des Versicherers Zurich.

Die stärksten Abschläge verzeichneten die Aktien von Banken und zyklischen Firmen. Credit Suisse verlor 0,8 Prozent an Wert. Die Schweizer Tochter der Grossbank soll am 21. November als selbstständige Einheit an den Start gehen. UBS sanken um 0,7 Prozent. Der grössten Schweizer Bank droht in Spanien eine Steueruntersuchung. Die beiden Marktführer befanden sich in guter Gesellschaft mit ihren europäischen Mitbewerbern, der Branchenindex verlor 0,7 Prozent.

Die Anteile der Pharmakonzerne Novartis und Roche sanken um je 0,4 Prozent. Die Aktien von Nestle schwächten sich um 1,2 Prozent ab. Damit war rund die Hälfte des SMI-Rückgangs dem Lebensmittelkonzern geschuldet.

Actelion wurden um 0,8 Prozent tiefer bewertet. Morgan Stanley hat die Empfehlung für den Biotech-Wert auf "Equal-Weight" von "Overweight" zurückgenommen.

Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB, der Sanitärtechnikfirma Geberit, des Zementproduzenten LafargeHolcim und des Personalvermittlers Adecco gaben nach. Die Titel der Vakuumventile-Firma VAT und des Agrarchemiekonzerns Syngenta legten zu.

Am breiten Markt sackten die Newron-Aktien nach einer Kapitalerhöhung 9,4  Prozent auf 21,30 Franken ab. Die Pharmafirma holte sich mit der Ausgabe von 1,3 Millionen Aktien 26,1 Millionen Franken. Dies entspricht 8,4 Prozent des gesamten Kapitals. Die Aktien wurden nach Firmenangaben zu je 19,75 Franken bei institutionellen Investoren platziert.

(Reuters)