Schweizer Börse schliesst wegen Zinsspekulationen fester

Spekulationen auf eine anhaltend lockere Geldpolitik der grossen Zentralbanken haben am Montag der Schweizer Börse eine freundliche Note verliehen.
05.09.2016 18:20
Freundliche und unaufgeregte Stimmung an der Schweizer Börse am Montag.
Freundliche und unaufgeregte Stimmung an der Schweizer Börse am Montag.
Bild: cash

Der SMI steigt um 0,2 Prozent auf 8310 Zähler und erreicht damit den höchsten Schlussstand seit Februar 2016. Am Freitag war der Leitindex um 1,9 Prozent gestiegen. Die Umsätze waren gering und das Geschäft verlief dementsprechend in ruhigen Bahnen. Da wegen des Labor-Day-Feiertags in den USA an der Wall Street nicht gehandelt wurde, vermissten Händler Impulse aus dem Ausland. Die Kurse muteten zum Teil etwas zufällig an, heisst es am Markt.

In den USA hatten die am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten die Furcht vor einer baldigen Zinserhöhung gedämpft. "Sobald ist nicht damit zu rechnen, dass die Notenbanken eine restriktive Politik einschlagen werden", sagt ein Händler.

Die US-Jobdaten seien zwar nicht schlecht gewesen, aber zu wenig gut für eine Zinserhöhung noch im September. In Japan will die Notenbank den Geldhahn bei Bedarf weiter aufdrehen. Händler schlossen nicht aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag den Ankauf europäischer Aktien ankündigen könnte. Bislang sammeln die Währungshüter Anleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich ein, um die Konjunktur anzukurbeln.

Gesuchte Luxusgüteraktien

An die Spitze der mehrheitlich festeren Standardwerte setzen sich mit Kursgewinnen von 1,2 und 0,9 Prozent die Aktien der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch.

Das wegen des Brexit-Votums deutlich schwächere Pfund habe die Verkäufe an Touristen in eigenen Geschäften der Luxusmarken wie Omega und Blancpain gefördert, sagte Swatch-Konzernchef Nick Hayek der "Financial Times" vom Samstag. "Brexit hat uns fantastische Ergebnisse im Vereinigten Königreich gebracht", sagte Hayek.

Gefragt waren auch andere zyklische Werte wie die des Personalvermittlers Adecco, des Chemiekonzerns Clariant, des Zementriesen Lafarge-Holcim und der Sanitärtechnikfirma Geberit. Weniger gesucht waren dagegen die Anteile des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan, der Inspektionsfirma SGS und der Bauchemiefirma Sika.

Uneinheitliche Grossbankentitel

Bei den Banken legen die Aktien von Credit Suisse um 0,5 Prozent zu. Die Titel von Rivalin UBS dagegen verlieren 0,6 Prozent. Die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär sinken um 0,1 Prozent. "Banken waren zuletzt auf Aufholjagd", sagt ein Händler. Die Geldhäuser würden von einer Zinserhöhung profitieren, da höhere Zinsen auch höhere Erträge und bessere Margen bedeuten, hiess es am Markt.

Bei den als weniger konjunktursensibel geltenden Index-Schwergewichten rücken die Anteile des Pharmariesen Roche um 0,1 Prozent vor. Rivalin Novartis gewinnt 0,2 Prozent an Wert. Das Novartis-Medikament Ultibro Breezhaler war in einem direkten Vergleich bei der Behandlung der Lungenerkrankung COPD wirksamer als die GlaxoSmithKline-Arznei Seretide. Das ergab nach Angaben des Unternehmens die Auswertung einer Phase-III-Studie. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestlé sind gut behauptet.

Bei den meist fester gehandelten Versicherungstiteln legen Helvetia um 0,4 Prozent zu. Der Versicherungskonzern steigerte den Reingewinn im ersten Halbjahr um 15 Prozent auf 186,1 Millionen Franken. Analysten sprachen von einem soliden Abschluss. Swiss Re rücken um 0,9 Prozent vor.

Kursprung bei Temenos nach Kaufempfehlung

Am breiten Markt verhelfen Kaufempfehlungen der Credit Suisse den Aktien der Bankensoftware-Firma Temenos zu einem Kurssprung um 7,6 Prozent und dem Anteil des Vermögensverwalters EFG International zu einem Plus von 5 Prozent. Die Anteile des Derivat-Hauses Leonteq sacken nach einer Verkaufsempfehlung der Credit Suisse 5,6 Prozent ab.

Immobilienwerte sind meist freundlich. Die Aktien von HIAG steigen nach besser als erwarteten Halbjahreszahlen um 3,8 Prozent. Swiss Finance & Property ziehen 2,6 Prozent an.

(Reuters)