Schweizer Börse schmiert ab

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach einem erneuten Kurssturz in China im tiefroten Bereich eröffnet. Der Index sackt zeitweise über 3 Prozent ab.
07.01.2016 10:23
Die Aktien von Julius Bär verlieren am Donnerstagmorgen 5 Prozent.
Die Aktien von Julius Bär verlieren am Donnerstagmorgen 5 Prozent.
Bild: Bloomberg

Damit zeichnet sich am vierten Handelstag im neuen Jahr schon die dritte Sitzung mit grösseren Kursverlusten ab. Bereits vor dem heutigen Handelsstart verzeichnete der SMI ein Jahres-Minus von 2,3% oder über 200 Punkten, jetzt sind es 4,3% bzw. 380 Punkte.

Die Panik in China wirke sich auch auf die hiesigen Märkte aus, heisst es in Handelskreisen. Nach dem zweiten Kursrutsch in dieser Woche war dort der Börsenhandel bereits nach knapp 30 Minuten für den Rest des Tages ausgesetzt worden. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen waren zuvor um mehr als 7% gefallen. Die Regierung versuche zwar mit diversen Massnahmen, den Kurssturz zu stoppen oder zumindest zu bremsen, heisst es im Handel, doch es fehle das langfristige Vertrauen der Anleger. Man glaube im Westen nicht, dass die Regierung die Märkte lenken könne, sagte ein Analyst.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert gegen 10.15 Uhr 3,1% tiefer bei 8345 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst gar um 3,5 % auf 1248 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 3,1% auf 8603 Punkte ein. Von den 30 SMI/SLI-Titeln stehen alle klar im Minus. Die Volatilität ist derweil deutlich angestiegen (VSMI +6%).

Banken unter Druck

Die grössten Verlierer bei den Blue Chips sind aktuell erneut Transocean (-4,5%). Die Titel des Ölbohrkonzerns, die bereits im vergangenen Jahr zu den schwächsten gehörten und bald von der Schweizer Börse verschwinden werden, stehen vor allem wegen des schwachen Ölpreises, der das Geschäft für Transocean sehr schwierig macht, unter Druck. Dahinter folgt mit Schindler PS (-3,9%) ein weiterer zyklischer Wert.

Zu den grössten Verlierern gehören ausserdem alle Bankenwerte mit Julius Bär (-3,9%), UBS (-3,7% auf 18,33 CHF) und CS (-3,4%). Analystenkommentare wirken hier noch verstärkend, zumindest für die UBS. Die Analysten der englischen Barclays Bank haben hier ihr Anlageeinstufung auf 'Equal Weight' und das Kursziel auf 21 von 24 CHF reduziert. Sie verweisen dabei vor allem auf die relativ hohe Bewertung innerhalb des Sektors und das im Vergleich zur Konkurrenz hohe Asien-Exposure.

Und auch die Titel der Luxusgüterkonzerne Richemont (-3,2%) und Swatch (-3,0% ) büssen wegen der Krise in der wichtigsten Absatzregion (China/Hongkong) weiter an Terrain ein.

Zu den stabilsten Werten im aktuellen Umfeld gehören die defensiven Roche (-1,3%). Die anderen beiden SMI-Schwergewichte Nestlé (-1,8%) und Novartis (-1,9%) halten sich dagegen nur leicht besser als der Gesamtmarkt. Kursverluste von weniger als 2% gibt es ausserdem bei SGS, Sika, Geberit, Sonova, Swiss Re und ABB.

Im breiten Markt gehören Temenos (-5,9%) mit zu den schwächsten Werten sein. Hier scheint sich eine Analysteneinstufung der UBS, die ihr Anlagerating für den Titel auf 'Verkaufen' gesenkt hat, negativ auszuwirken, wie es im Markt heisst. Der zuständige Analyst meint, dass die Risiken sich zu wenig im Kurs widerspiegeln würden.

Weiter unter Druck sind auch Leonteq (-5,9%). Die Aktien des früheren Börsenhighflyers sind bei den Anlegern seit einiger Zeit nicht mehr hoch im Kurs, so dass sich deren Wert seit dem Sommer schon fast halbiert hat. Unter verstärktem Druck sind auch Schmolz+Bickenbach (-5,8%), New Venturetec (-5,4%) oder AMS (-5,1%). Letztere waren bereits am Vortag unter Druck gewesen.

Allerdings gibt es auch in diesem schwierigem Umfeld einige Gewinner, so etwa IVF Hartmann (+6,6%), Calida (+1,6%) oder Charles Vögele (+1,4%). Konkrete News dazu sind allerdings nicht vorhanden.

(AWP)