Schweizer Börse schwächelt - Actelion unter Druck

An der Schweizer Börse haben die Marktteilnehmer am Mittwoch wenige Stunden vor der mit Spannung erwarteten Veröffentlichung der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed keine Stricke zerrissen.
14.12.2016 17:45
Am Mittwoch war an der Schweizer Börse kein Vorwärtskommen.

Die Anleger wagten sich nicht aus der Deckung, obwohl grossmehrheitlich mit einer Zinserhöhung der Fed um 0,25 Prozentpunkte gerechnet werde. "Es besteht letztlich doch das Risiko einer Enttäuschung", sagt ein Händler. Sollte ein Zinsschritt ausbleiben, dürften die Börsen verschnupft reagieren. Daher verlaufe das Geschäft bis auf wenige Spezialsituationen in ruhigen Bahnen, heisst es am Markt.

Der SMI notiert zum Handelsschluss mit 8140 Punkten um 0,3 Prozent leichter. Am Dienstag war der Leitindex noch um 1,5 Prozent gestiegen.

Die Stimmung der Marktteilnehmer wurde laut Händlern vor allem vom Abbruch der Kooperationsgespräche der Biotechnologiefirma Actelion mit dem US-Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) arg strapaziert. Die Aktie stürzte zeitweise mehr als 10 Prozent ab, zum Börsenschluss steht sie bei minus 9,2 Prozent.

Spekulationen gehen weiter

Nach dem Rückzug von J&J wurde im Markt mit dem französischen Pharmariesen Sanofi ein neuer potenzieller Interessent herumgereicht. Actelion hatte mitgeteilt, man sei mit einem anderen Unternehmen in Gesprächen über eine "strategische Transaktion". Den Namen des neuen Interessenten nannte Europas grösstes Biotechunternehmen aber nicht.

"Das Spekulieren geht weiter. Früher oder später muss und wird etwas geschehen. Es kann nicht sein, dass die Firma ein Angebot zurückweist, das eine so hohe Prämie beinhaltet", sagt ein Händler. "Ich kann mit gut vorstellen, dass einige Aktionäre inzwischen etwas stinkig geworden sind", sagt ein Börsianer.

Konzernchef Clozel habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass er wolle, dass Actelion selbstständig bleibe, schreibt ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger. Es bestehe ein beträchtliches Rückschlagsrisiko, wenn es nicht zu einer Transaktion komme. Die Titel blieben wegen der vielen Gerüchte spekulativ.

Die Anteile der schwergewichtigen Pharmahersteller Novartis und Roche stossen nach anfänglichen Verlusten in die Gewinnzone vor. Auch Nestlé, ein weiteres Schwergewicht, kann frühe Einbussen mehr als ausgleichen.

ABB und Adecco gegen den Negativtrend

Die Anteile zyklischer Firmen tendieren meist leichter. Zu den raren Gewinnern bei den Bluechips zählen ABB, die am Dienstag Terrain eingebüsst hatten. Auch Adecco ziehen leicht an.

Bei den Grossbanken fallen UBS um 1,5 Prozent, Credit Suisse geben 0,2 Prozent nach. "Die Banken sind angesichts des jüngsten Renditeanstiegs weit gelaufen", sagt ein Händler. Nun müssten erst die Zinsperspektiven geklärt sein.

Die Versicherer sind ohne Richtung. Swiss Life und Swiss Re ziehen an, Zurich verlieren dagegen 0,6 Prozent.

Meyer Burger weiter unter Druck

Am breiten Markt stehen die Aktien von Meyer Burger weiter unter Druck. Der Solarindustriezulieferer führt derzeit eine Kapitalerhöhung durch. Bis am Dienstagabend war das Anrecht, dass die Aktionäre erhalten haben, handelbar. Bis am Donnerstagabend müssen sie über die Ausübung der Rechte entscheiden.

Gefragt waren die Aktien von Temenos mit einem Plus von 4,1 Prozent. Die Banksoftwarefirma hat eine Tochter der US-Bank Commerce Bancshares als Kunden gewonnen. Es gebe Potenzial, in den USA einen beträchtlichen Marktanteil aufzubauen, sagte Temenos-Chef David Arnott. Die ZKB sprach von einem Auftrag mit Signalwirkung.

Die Aktien des Flughafen Zürich gewinnen 1,9 Prozent. Im November sind 6,6 Prozent mehr Passagiere über Zürich geflogen als im Vorjahresmonat. Das Frachtvolumen stieg um 6,9 Prozent.

Die Aktien von Galenica setzen den Erholungstrend fort, den sie seit dem Jahrestief, auf das die Aktie am 4. November gefallen war, eingeschlagen haben. UBS hatte den Titel des Gesundheitskonzerns jüngst ausserdem zum Kauf empfohlen.

(Reuters/cash)