Schweizer Börse setzt Anstieg fort - Defensive gefragt

Der Aufwärtstrend an der Schweizer Börse hat am Donnerstag unter Führung der als wenig konjunkturanfällig geltenden Schwergewichte angehalten.
05.01.2017 17:30
Schriftzug der SIX am Gebäude des Schweizer Börsenbetreibers.

Nach unerwartet schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt seien die Marktteilnehmer etwas verunsichert über die weitere Entwicklung der weltgrössten Volkswirtschaft und bevorzugten daher Anlagen in den als sicher geltenden Werten aus dem Pharma-, Lebensmittel- und Telekommunikationsbereich. Der SMI stieg um knapp 0,5 Prozent auf 8392 Punkte. Dies ist der höchste Stand seit fast einem Jahr.

Die Anleger zweifelten nach den unerwartet schwach ausgefallenen Jobdaten des US-Arbeitsvermittlers ADP an den bisher als rosig eingestuften Konjunkturaussichten der USA. Gemäss dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll vertraten im Dezember fast alle Mitglieder im Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed die Auffassung, dass sich die Konjunktur besser entwickeln könnte als bisher prognostiziert. Dabei habe die Fed aber auf die negativen Folgen einer weiteren Dollar-Aufwertung hingewiesen.

Weitere Impulse zum US-Arbeitsmarkt werden am Freitag erwartet, wenn das Arbeitsministerium den monatlichen Bericht veröffentlicht. Investoren werden die Zahlen daraufhin abklopfen, ob die Fed die Leitzinsen wie im Dezember signalisiert im laufenden Jahr drei Mal anheben wird.

Konjunkturresistente Aktien gesucht

Bevorzugt waren Aktien von Firmen, die laut Händlern konjunkturresistent seien. Die als defensiv beurteilten Pharmatitel Novartis und Roche, die Vorjahr zu den grössten Verlierern gezählt hatten, legten um 0,7 und 1,3 Prozent zu. Die Papiere des Nahrungsmittelriesen Nestle waren um 1,1 Prozent höher.

Mit Aryzta, Barry Callebaut und Lindt & Sprüngli fanden sich weitere Nahrungsmitteltitel unter den Gewinnern. Lindt & Sprüngli PS stiegen um 1,8 Prozent auf 5470 Franken. Berenberg senkte das Kursziel auf 5850 von 6300 Franken, empfahl den Titel des Edelschokoladeherstellers aber zum Kauf.

Die Papiere des Übernahmeziels Actelion stiegen um 0,7 Prozent. Syngenta dagegen schwächten sich um 1 Prozent ab.

Gefragt waren die als dividendenstark geltenden Papiere der Telekommunikationsfirmen Swisscom und Sunrise, die 1,6 und 2,2 Prozent gewannen.

Bankaktien geben nach

Die Bankaktien rutschten im Verlauf in die Verlustzone ab. Die Anteile der UBS verloren 0,9 Prozent. Die Titel von Rivale Credit Suisse sackten um 2 Prozent ab. Die Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel tendierten dagegen eine Spur freundlicher.

Bei den Versicherungen verbuchten die Aktien von Zurich Insurance ein Minus von 0,5 Prozent auf 285 Franken. JP Morgan senkte das Kursziel für den Versicherungskonzern auf 290 von 308 Franken. Das Rating wurde auf "Neutral" von "Overweight" zurückgenommen. Bernstein hob zwar das Kursziel auf 240 von 230 Franken an. Die Empfehlung lautet aber "Underperform". Die Aktien von Swiss Re gaben um 1 Prozent nach.

Baloise konnten sich knapp behaupten. Der Versicherer kann den geschlossenen Bestand der deutschen Niederlassung der Basler Leben AG an die Frankfurter Leben-Gruppe übertragen.

Bei den Aktien zyklischer Firmen konnten sich LafargeHolcim, Geberit und ABB erholen.

Richemont und Swatch büssten ein Prozent ein. Die kürzlich veröffentlichten rückläufigen Einzelhandelsdaten aus Hongkong belasteten die beiden Luxusgüterhersteller, hiess es am Markt.

Am breiten Markt setzten die Aktien des Solarzulieferers Meyer Burger die jüngste Erholungsbewegung fort.

Unter Druck standen Ascom, die laut Händlern nach einem Bericht der schwedischen Zeitung "Svenska Dagbladet" über Probleme mit dem Vorzeigeprodukt Myco um fast fünf Prozent einbrachen. "Gemeinsam mit dem Spital und anderen Projektzulieferanten sind wir daran die angesprochene Situation zu prüfen und zu beurteilen", erklärte Ascom auf Anfrage. Zum jetzigen Zeitpunkt stehe nicht fest, ob Ascom Myco wirklich die Ursache der in der Zeitung beschriebenen Probleme sei.

Die Anteile der Derivatboutique Leonteq setzten die Erholung fort und stiegen um 5,1 Prozent. Der Titel hat im Vorjahr drei Viertel seines Werts verloren.

(Reuters)