Schweizer Börse setzt Talfahrt fort

Die Schweizer Börse hat am Dienstag die seit Anfang Monat anhaltende Talfahrt fortgesetzt. «Die Stimmung ist schlecht», sagt ein Händler.
09.02.2016 17:35
Rasant talwärts: So gings der Schweizer Börse am Dienstag.
Rasant talwärts: So gings der Schweizer Börse am Dienstag.
Bild: Pixabay

Im späten Handel konnte der SMI die Verluste im Fahrwasser der anziehenden Wall Street nur vorübergehend eingrenzen und notiert zum Handelsschluss mit 7583 Punkten um 2,3 Prozent im Minus. Vorübergehend betrug der Kursrückgang fast 3 Prozent und der Leitindex notierte auf dem tiefsten Stand seit Juni 2013.

Händler erklären sich die anhaltende Kurskorrektur vor allem mit den Konjunktursorgen. "Die Märkte sind sehr nervös und preisen eine Rezession in den USA in die Kurse ein", sagt ein Analyst. Die Anleger seien beunruhigt, dass die Märkte scheinbar unaufhaltsam Terrain verlieren. Das Angstbarometer Volatilitätsindex notiert mit knapp 30 Punkten so hoch wie seit August nicht mehr.

"Allmählich scheinen die Kursverluste etwas übertrieben, sagt ein Analyst. Er warnt aber davor, bereits jetzt Käufe zu tätigen. "Dafür dürfte es noch zu früh sein", sagt er. "Man sollte nicht nach einem fallenden Messer greifen."

Analysten rechnen mit Erholung

Die Analysten der Bantleon Bank rechnen mit einer Erholung. Die Investoren gewichteten derzeit die globalen Brandherde wie den Ölpreisverfall, die chinesische Wachstumsverlangsamung und mögliche Kreditausfälle sowie politische Konflikte höher als die freundliche wirtschaftliche Grundverfassung in Europa und den USA. Bantleon gehe aber davon aus, dass in den nächsten Monaten die konjunkturellen Auftriebskräfte die Oberhand gewinnen. "In diesem Zuge sollten sich Risikoassets wie Aktien, Hochzins- und Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer erholen und namhafte Kursgewinne verbuchen", heisst es in den "Perspektiven" der Bank für das erste Quartal.

Mit Ausnahme von Actelion gaben sämtliche Standardwerte nach. Unter Druck standen die Bankaktien, die europaweit massiv Terrain einbüssten. Der Branchenindex sackt um mehr als 3 Prozent ab. Die Grossbanken Credit Suisse und UBS rauschen um 8,4 und 5,8 Prozent in die Tiefe. Die Anleger sorgten sich, dass der Bankensektor unterkapitalisiert sein könnte. Das schwache makroökonomische Umfeld und die möglicherweise bevorstehende Zahlungsunfähigkeit von Unternehmen aus dem Energiesektor seien schlechte Vorzeichen für die Branche. Die Titel der Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel sinken 2,7 und 3,2 Prozent. Auch die Versicherungswerte wurden abgestraft. Zurich fallen um 3,6 und Swiss Re um 2,1 Prozent.

Erneut massive Kursverluste verbuchen Lafarge-Holcim. Die Aktien des Zementkonzerns fallen um weitere 4,9 Prozent. Nach dem Abgang von Präsident Wolfgang Reitzle dürfte sich die Führung des Konzerns kompliziert darstellen, erklärt Safra-Sarasin-Analystin Ute Haibach. Zudem befürchteten die Anleger, dass die Erlöse aus Veräusserungen von Teilbereichen tiefer ausfallen könnten als erwartet. Bei den übrigen zyklischen Titeln verlieren ABB und Richemont um 2 Prozent, Swatch geben 4,7 Prozent nach.

Actelion-Aktie hält dagegen

Zu den raren Kursgewinnern gehört Actelion mit einem Kursplus von 1,1 Prozent. Die Biotechnologiefirma legte im vergangenen Jahr vor allem dank ihres neuen Lungenmedikaments Opsumit operativ markant zu. Wegen des starken Frankens ging der Reingewinn allerdings um 7 Prozent auf 552 Millionen Franken zurück. Die Aktionäre sollen trotzdem eine höhere Dividende erhalten. 2016 peilt Actelion einen Anstieg des Betriebsgewinns um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag an. "Die Dividende wird etwas stärker als erwartet erhöht", sagt ein Marktbeobachter.

Besser als der Markt schlugen sich die als krisenresistent geltenden Index-Schwergewichte: Novartis sinken um 1,9 Prozent. Roche schwächen sich um 1,4 Prozent ab und Nestlé sinken 1,6 Prozent.

Am breiten Markt geben die Aktien von Lifewatch 1,3 Prozent nach und halten sich damit etwas besser als der Gesamtmarkt. In den USA wurde ein System der Medizintechnikfirma zur kontinuierlichen Überwachung der Vitalparameter zugelassen.

Die am Vortag arg gebeutelten U-Blox-Aktien holen einen Teil des Rückschlags auf.

(Reuters)