Schweizer Börse setzt Talfahrt fort - Banken unter Druck

An der Schweizer Börse haben die Kurse am Montag weiter nachgegeben. Nach dem Brexit-Votum Grossbritanniens standen vor allem Aktien von Banken und zyklischen Firmen unter Druck.
27.06.2016 12:43
Schild am Zürcher Paradeplatz, dem symbolischen Schweizer Finanzzentrum: Die Bankaktien geraten am Montag unter Druck.
Schild am Zürcher Paradeplatz, dem symbolischen Schweizer Finanzzentrum: Die Bankaktien geraten am Montag unter Druck.
Bild: cash

Kursgewinne der Index-Schwergewichte Nestle und Roche konnten den Rückgang des Leitindex etwas auffangen: Der SMI notierte am Mittag um 0,9 Prozent tiefer bei 7676 Punkten. Am Freitag war er 3,4 Prozent abgestürzt. Die Briten haben sich vergangenen Donnerstag dafür entschieden, die Europäische Union zu verlassen.

"Die Anleger sind weiterhin stark verunsichert. Keiner weiss, wie es weitergeht", sagte ein Händler. Die konjunkturellen Konsequenzen könnten noch nicht abgeschätzt werden. "Die Anleger fürchten eine längere Phase der Unsicherheit, in der nur wenig investiert werden dürfte", sagte ein Händler.

"Das könnte noch ein, zwei Tage anhalten. Dann müsste sich die Lage beruhigen", sagte ein anderer Börsianer. Früher oder später müsse es zu einer technischen Gegenbewegung kommen.

Austrittsfahrplan im Fokus

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit dürfte nun der Fahrplan für den EU-Austritt Grossbritanniens stehen. Die Aussenminister der Gründungsstaaten machten sich für ein schnelles Verfahren stark, um einen Neuanfang in der Staatengemeinschaft zu erleichtern.

In dem volatilen Umfeld griffen die Anleger Händlern zufolge zu Werten, die als vergleichsweise krisensicher gelten: Die schwergewichtigen Anteile des Arzneimittelherstellers Roche rückten 0,9 Prozent vor. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestle zogen 0,2 Prozent an. Auch die Titel der Schokoladeproduzenten Barry Callebaut und Lindt & Sprüngli legten zu. Gefragt waren auch die Aktien von Swisscom, deren Geschäftsmodell ebenfalls als recht krisenresistent taxiert wird.

Dagegen warfen die Anleger die Aktien der grossen Banken auf den Markt: Credit Suisse sackten acht Prozent auf 10,34 Franken ab. Bei 10,26 Franken markierte der Titel der zweitgrössten Schweizer Bank ein Rekordtief. UBS und Julius Bär verloren jeweils mehr als fünf Prozent. Auch die Versicherungswerte Swiss Re und Zurich verloren, allerdings mit 2,6 Prozent weniger stark als die Bankaktien.

Zyklische Titel stimmten ebenfalls in den Abwärtstrend ein. Grösster Verlierer unter den Standardwerten war Adecco mit minus 6,6 Prozent. Goldman Sachs hat den Personalvermittler auf Neutral von Buy wegen der konjunkturellen Unsicherheiten nach dem Brexit herabgestuft.

LafargeHolcim sackten um 5,4 Prozent ab. Die Anteile von Geberit, Sulzer, Swatch und Clariant verloren je rund zwei Prozent. Gegen den Trend legten die Anteile des Prüfkonzerns SGS ein Prozent zu. Exane BNP und Goldman Sachs habe das Kursziel für die Papiere des Prüfkonzerns erhöht.

ABB sanken um zwei Prozent. Der Elektrotechnikkonzern will von einer Übernahme des deutschen Roboterbauers Kuka nichts wissen. "Ich kann Ihnen versichern, dass Medienberichte, wonach wir für unseren deutschen Wettbewerber Kuka bieten wollen, reine Spekulation sind", schrieb ABB-Chef Spiesshofer in einer Reuters vorliegenden Mail an die Belegschaft.

Am breiten Markt legten Implenia ein Prozent zu. Der Baukonzern hat in Frankreich einen Infrastruktur-Grossauftrag an Land gezogen und baut einen Teil der Verlängerung der U-Bahnlinie 11 in Paris. Angaben zum Auftragwert wurden nicht gemacht.

Baunahe Werte wie Forbo und Zehnder gaben dagegen nach. Baader Helvea empfiehlt wegen des Brexit erhöhte Vorsicht bei einzelnen Bauzulieferern.

(Reuters)