Schweizer Börse: SMI holt Anfangsverluste auf

Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Mittwochmittag nach wie vor im Minus. Der Leitindex SMI hat sich im Verlauf des Vormittags jedoch wieder etwas erholt.
02.11.2016 12:55
Gegen Mittag siehts am Schweizer Aktienmarkt wieder etwas freundlicher aus.
Gegen Mittag siehts am Schweizer Aktienmarkt wieder etwas freundlicher aus.
Bild: Bloomberg

Der Leitindex war kurz nach Handelsbeginn auf fast 7700 Punkte abgerutscht und damit auf den tiefsten Stand seit dem Brexit-Taucher. Als Grund für das neuerliche Minus gilt die grosse Verunsicherung im Vorfeld der US-Wahlen, die auch den Schweizer Volatilitätsindex weiter ansteigen lässt. Gestützt wird der Markt auf der anderen Seite von defensiven Werten.

Als Auslöser für die aktuelle Verunsicherung gelten neue Umfrageergebnisse in den USA, gemäss denen der als unberechenbar geltende Kandidat Donald Trump deutlich Boden gutgemacht hat. Dies hinterliess auch an den Devisenmärkten Spuren: Der als "sicherer Hafen" geltende Schweizer Franken legte markant zu. Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ist die US-Notenbank Fed, die am Abend über die neusten Entscheide informieren wird. Vorher wird am Nachmittag der ADP-Arbeitsmarktbericht in den USA auf Beachtung stossen, der als Indikation für den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag gilt.

Der SMI notiert kurz vor Mittag noch 0,2% tiefer bei 7749 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,8% auf 1202 und der breite SPI 0,3% auf 8486 Stellen. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 24 im Minus, 5 im Plus und einer (SGS) unverändert.

Finanztitel auf den Verkaufszetteln

Bei den Bluechips erleiden Finanzwerte starke Abschläge. Das Verliererfeld wird aktuell - am Tag vor der Publikation der Q3-Zahlen - von den CS-Aktien (-2,4%) angeführt. Auch Julius Bär (-2,4%) und UBS (-2,2%) geben im Einklang mit anderen europäischen Finanztiteln deutlich ab.

Klar schwächer präsentieren sich auch zyklische Werte, allen voran die Aktien des Zementkonzerns Lafarge-Holcim (-2,4%), der am Freitag die Ergebnisse zum dritten Quartal publizieren wird. Stark überdurchschnittliche Verluste zeigen auch Aryzta oder Swatch (je -1,8%) sowie Clariant (-1,6%). Das gleiche gilt auch für ABB (-1,2%), für die Goldman Sachs das "Neutral"-Rating nach als "schwach" bewerteten Zahlen zum dritten Quartal bekräftigt hat.

Klar im Minus notieren zudem Sika (-1,8%), die zu Wochenbeginn nach dem Gerichtsentscheid des Zuger Kantonsgerichts in die Höhe geschossen waren. Um den Bauchemiekonzern kursieren Gerüchte, wonach im Hintergrund ein harter Verhandlungspoker zwischen der Gesellschaft samt Grossaktionären und den Sika-Erben laufe. Unklar sei aber, ob Saint-Gobain Hand biete und auf Sika verzichte oder weiter auf der Erfüllung des Kaufvertrags mit den Sika-Erben bestehe. Händler schätzen die Chance für einen Rücktritt von Saint-Gobain derzeit als eher gering ein.

Schwergewichte stützen den Markt

Bei den wenigen Gewinnern sind alle drei Schwergewichte anzutreffen. So legen Novartis um 0,5% und Roche um 0,6% zu, nachdem sie in den vergangenen Wochen wegen des sogenannten "Clinton-Effekts" starke Abgaben hinnehmen mussten. Laut Händlern setzt sich am Markt immer mehr die Meinung durch, dass diese Ängste übertrieben waren und ein Trump-Erfolg den Titeln wegen der Sorgen um den Freihandel eher noch stärker zusetzen würde. Nestlé (+0,6%) notieren ebenfalls im Plus.

Die deutlichsten Gewinne erzielen derweil die ebenfalls defensiven Swisscom (0,9%), zu denen es am Donnerstag Neunmonatszahlen gibt. Bescheidene Avancen zeigen noch Galenica (+0,2%).

Am breiten Markt werden die Zahlen des Schokolade-Produzenten Barry Callebaut (+0,7%) zu dem per Ende August abgeschlossenen Geschäftsjahr 2015/16 positiv aufgenommen, auch wenn die Ergebnisse insgesamt etwas unter den Erwartungen lagen. Das Management zeigt sich aber zuversichtlich und bestätigt die Mittelfristziele.

Das Industrieunternehmen OC Oerlikon (-4,8%) muss im dritten Quartal 2016 aufgrund seiner schwachen Segmente "Manmade Fibers" und "Drive Systems" einen Umsatz- und Gewinnrückgang ausweisen und verfehlt damit die Erwartungen recht deutlich.

(AWP)