Schweizer Börse stabilisiert sich trotz ABB-Kurseinbruch

Die Schweizer Börse hat ihre Talfahrt am Donnerstag gestoppt. Trotz mehrheitlich enttäuschender Firmenberichte wagten sich die Anleger zaghaft wieder an den Aktienmarkt.
27.10.2016 18:05
ABB war am Donnerstag im Fokus der Anleger - und enttäuschte mit dem Quartalsbericht.
ABB war am Donnerstag im Fokus der Anleger - und enttäuschte mit dem Quartalsbericht.
Bild: Bloomberg

Die Verkäufe der Vortage seien teilweise übertrieben ausgefallen, sagen Händler. Nach einem schwächeren Start erholten sich die Notierungen und der SMI schliesst um 0,4 Prozent höher auf 7924 Punkten. Am Mittwoch hatte der Leitindex 0,5 Prozent nachgegeben. In Summe beläuft sich das Minus seit Mitte vergangener Woche, als die Abwärtsbewegung begonnen hatte, auf rund 2,5 Prozent. "Der SMI ist schon etwas angezählt", sagt ein Händler.

Vielen Anleger liessen sich noch immer nicht aus der Reserve locken. Es setze sich mehr die Ansicht durch, dass die US-Notenbank im Dezember wohl den Leitzins erhöhen dürfte. Zudem hätten vor allem am breiten Markt viele Werte in den letzten Monaten stark an Wert gewonnen.

Im Fokus standen vor allem die Firmenbilanzen. Für Aufsehen sorgte ABB. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns stürzen nach einem schwachen Quartalsbericht 6,6 Prozent auf 20,55 Franken ab. Das Unternehmen bekommt den Auftragsschwund nicht in den Griff. Im dritten Quartal sackte das Volumen der Neubestellungen binnen Jahresfrist abermals um 14 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Dollar ab. Der schwedische Grossaktionär Cevian reagierte erwartungsgemäss kritisch auf die Zwischenbilanz. "Die Aufgabe, einen Aktienkurs von 35 Franken zu erreichen, ist nach dem Bericht von heute schwieriger geworden", sagte dessen Co-Chef Christer Gardell.

Fast nur enttäuschende Quartalsberichte

Auch der Quartalsbericht von Clariant kam nicht gut an. Die Anteile des Chemiekonzerns geben 1,7 Prozent nach. Umsatz und Gewinn lagen praktisch auf dem Vorjahresniveau. Clariant schnitt damit schlechter ab als von Analysten erwartet. Die Aktien des Zahnimplanteherstellers Straumann gehen nach der Veröffentlichung von Umsatzzahlen 1 Prozent tiefer aus dem Handel.

Die SGS-Titel fallen um 2,9 Prozent. Der Warenprüf- und Inspektionskonzern nahm anlässlich eines Investorentags die Umsatzprognose für das laufende Jahr leicht zurück. Das Geschäft mit Kunden aus der Energiebranche sei schwierig.

Die Bucher-Anteile sacken 4,6 Prozent ab. Umsatz und Auftragseingang des Kommunalfahrzeug- und Landmaschinen-Herstellers sanken in den ersten neun Monaten um jeweils fünf Prozent. Im gesamten Jahr erwartet das Unternehmen eine Abnahme des Umsatzes sowie einen deutlichen Rückgang der Betriebsgewinn- und Konzerngewinnmarge.

Swatch geben nach Weko-Entscheid nach

Zu den Kursverlierern gehörten auch die Swatch-Aktien mit 0,9 Prozent Abschlag. Der weltgrösste Uhrenproduzent muss trotz der schwächelnden Nachfrage umfangreiche Produktionskapazitäten für mechanische Uhrwerke aufrecht erhalten. Die Swatch-Tochter ETA beliefert mit den Uhrwerken die Konkurrenz. Die Aktien des Swatch-Konkurrenten Richemont büssten ebenfalls 0,9 Prozent ein.

Die Aktien des Sanitärtechnikkonzerns Geberit rücken am Tag vor dem Quartalsbericht um 0,3 Prozent vor.

Zu einer zaghaften Erholung setzten die zuletzt unter die Räder gekommenen Novartis-Aktien an, der Pharmawert steigt um 0,3 Prozent. Mit Roche und Nestlé rücken zwei weitere Index-Schwergewichte deutlich vor. Nestlé steigen um 1,3 Prozent, Roche ziehen sogar 1,7 Prozent an. Die Titel der Biotech-Firma Actelion ermässigen sich um 0,6 Prozent.

Finanzwerte wieder gefragt

Zudem griffen die Anleger bei den zuletzt meist gemiedenen Finanzwerten zu. Der Bankensektor erhielt Unterstützung vom überraschenden Quartalsgewinn der Deutschen Bank. Credit Suisse steigen um 1,5 Prozent und UBS ziehen 1,7 Prozent an. Die UBS hat in einem Rechtsstreit um die Auslieferung von Kundendaten nach Frankreich einen Etappensieg errungen. Die Grossbank kann juristisch gegen die Herausgabe der Daten vorgehen. UBS will am Freitag über den Geschäftsverlauf im dritten Quartal informieren.

Die Vontobel-Aktien gewinnen 1 Prozent an Wert. Der Vermögensverwalter dämmte die Geldabflüsse nach Abgang des Star-Fondsmanagers Rajiv Jain ein. Die Titel der Privatbank EFG International sind um 4,1 Prozent fester.

Im Technologiesektor fuhren die Anleger bei Logitech einen Teil der am Vortag verbuchten Kursgewinne wieder ein.

(Reuters)