Schweizer Börse steht vor rastloser Woche

Der Schweizer Börse steht eine mit Unternehmensergebnissen vollbepackte nächste Woche bevor. Das Interesse der Anleger gilt dabei vor allem Swiss Re, Straumann, Transocean und Sulzer. Eine Vorschau.
19.02.2016 10:30
Von Lorenz Burkhalter
Dem Rückversicherungskonzern Swiss Re wird ein solides Schlussquartal nachgesagt.
Dem Rückversicherungskonzern Swiss Re wird ein solides Schlussquartal nachgesagt.
Bild: Bloomberg

Kommende Woche werden an der Schweizer Börse SIX nicht weniger als 18 Publikumsgesellschaften ihr Jahresergebnis vorlegen. Es sind dies mehrheitlich Unternehmen aus der zweiten Linie. Die Zahlenkränze dürften deshalb vor allem bei den Aktien der jeweiligen Firmen grössere Kursausschläge nach sich ziehen, den Swiss Market Index (SMI) vermutlich aber nur am Rande tangieren.

Swiss Re ist einer von zwei Vertretern aus dem SMI, welche nächste Woche über die Geschäftsentwicklung informieren werden. Am Dienstag legt der Versicherungskonzern aus Zürich sein Resultat für das Schlussquartal vor.

Darf man Analysten Glauben schenken, dann hat sich der Reingewinn gegenüber dem letzten Jahr auf 832 Millionen Franken verdreifacht. Der Grund: Ende 2014 rissen Sonderkosten im Leben-Rückversicherungsgeschäft ein tiefes Loch in die Erfolgsrechnung.

Verdoppelt Swiss Re das Aktienrückkaufprogramm?

Mit Ausnahme von Schadensersatzforderungen für die Unwetter in Grossbritannien sind diesmal jedoch keine grösseren Belastungen zu befürchten. Neben der Geschäftsentwicklung macht Swiss Re für gewöhnlich auch Aussagen zur Januar-Erneuerungsrunde. Analysten gehen von einem risikogewichteten Rückgang von 2 Prozent bei den Prämienansätzen aus, was nicht weiter tragisch ist.

Das Interesse der Anleger gilt am kommenden Dienstag aber vor allem der Jahresdividende. Erwartet wird eine Erhöhung der regulären Ausschüttung von 4,25 auf 4,50 Franken je Aktie sowie eine Aufstockung des noch diesen Monat auslaufenden Aktienrückkaufprogramms um eine weitere Milliarde Franken. 

Bei Swiss Re könnten Aktienrückkäufe im genannten Umfang in den nächsten Jahren zur Gewohnheit werden, so glauben Analysten.

Transocean mit einem Quartal zum Vergessen

Am Mittwoch wird mit Transocean dann auch der zweite Vertreter aus dem SMI über die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal berichten. Das allerdings erst nachts um 22 Uhr.

Der Ölpreiskollaps dürfte dem in Zug beheimateten Ölförderkonzern im vierten Quartal ziemlich zugesetzt haben. Analysten rechnen im Jahresvergleich mit einem Umsatzeinbruch um 36 Prozent auf 1,43 Milliarden Dollar. Dank rigorosen Kosteneinsparungen ist beim Gewinn von einem deutlich geringeren Rückgang um einen Viertel auf 0,71 Dollar je Aktie auszugehen. Die Erwartungsbandbreite reicht von 0,44 bis 1,26 Dollar pro Titel.

Transocean war in den letzten Jahren immer wieder für negative Überraschungen wie ausserordentliche Wertberichtungen oder Goodwill-Abschreibungen in Milliardenhöhe gut. In Analystenkreisen werden weitere solche Bilanzbereinigungen nicht kategorisch ausgeschlossen. Dass sich der Ölförderkonzern von der Schweizer Börse SIX zurückzieht und damit aus dem SMI ausscheidet, ist beschlossene Sache.

Sulzer-Aktionäre winkt ein Geldregen

Um ein weiteres "Opfer" der Ölpreisschwäche handelt es sich bei Sulzer. Das Winterthurer Traditionsunternehmen wird am Donnerstag voraussichtlich einen um 8 Prozent tieferen Jahresumsatz von 2,94 Milliarden Franken sowie einen um 17 Prozent unter dem Vorjahr liegenden EBIT von 145 Millionen Franken melden. Zusätzliche Restrukturierungskosten sprechen beim Reingewinn sogar für einen noch deutlicheren Rückgang.

Mit seinem Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre hat der russische Milliardär Viktor Vekselberg im vergangenen Jahr die Basis für ein Aktienrückkaufprogramm geschaffen. Aus dem Verkauf von Sulzer Metco floss dem Unternehmen nämlich ein hoher dreistelliger Millionenerlös zu. Es gibt aber auch Analysten, welche eine Sonderdividende als wahrscheinlicher als ein Aktienrückkaufprogramm erachten.

Ob ein solches über das vermutlich schwache Jahresergebnis hinwegtrösten kann, wird sich zeigen müssen. Die Sulzer-Aktie wusste sich in den letzten Wochen in einem schwachen Gesamtmarkt über weite Strecken zu behaupten.

Straumann kann die Ernte einfahren

Auf ein wachstumsreiches Jahr wird ebenfalls am Donnerstag Straumann zurückblicken können. Der in Basel beheimatete Dentalimplantatehersteller gilt seit der Übernahme von Neodent als in Hochform. Selbst das widrige Umfeld in den Schwellenländern konnte das Wachstum bislang kaum bremsen.

Analystenschätzungen zufolge dürfte der Umsatz um 12 Prozent auf 799 Millionen Franken, der operative Gewinn sogar um knapp 19 Prozent auf 176 Millionen Franken gestiegen sein.

Experten trauen dem Unternehmen im laufenden Jahr erneut ein im mittleren bis hohen einstelligen Bereich liegendes Umsatzwachstum in Lokalwährungen sowie eine überdurchschnittliche Margenentwicklung zu. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26 nimmt die Bewertung die guten Aussichten bereits weitestgehend vorweg.