Schweizer Börse steigt kräftig - Anleger greifen zu Pharma

Vor allem kräftige Kursgewinne der schwergewichtigen Pharmawerte haben am Freitag der Schweizer Börse hochgeschoben.
09.12.2016 17:30
Eitel Sonnenschein für die Anleger an der Schweizer Börse: Der Leitindex SIX legt kräftig zu.

Der Leitindex SMI stieg um 1,8 Prozent auf 8099 Punkte und verbuchte das stärksten Wochenplus seit Anfang Juli: gut vier Prozent.

Der anhaltende Rekordlauf der Wall Street und die Aussicht auf weiterhin weit offene Geldschleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) hoben die Stimmung der Anleger. "Wir sind auf gutem Weg zu einer Weihnachtsrally", sagte ein Händler. Gefragt waren vor allem die Index-Schwergewichte, um die die Anleger im laufenden Jahr bislang eher eine Bogen machten. Dagegen hätten Sektoren, die gut gelaufen sind, konsolidiert.

Notenbanken im Fokus

Für die Anleger rücken zunehmend die US-Notenbank und die Schweizerische Nationalbank (SNB) in den Mittelpunkt, hiess es. Die beiden Zentralbanken veröffentlichen kommende Woche ihre geldpolitischen Beschlüsse. "Die ganze Welt wartet auf den Zinsentscheid der Fed", sagte ein Händler. Die meisten Ökonomen erwarten, dass die US-Währungshüter kommenden Mittwoch erstmals seit einem Jahr wieder die Zinsen anheben werden. Ein überraschend starker Anstieg des Stimmungsbarometers der Universität Michigan verbesserte die Stimmung zusätzlich. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.

Europaweit waren Pharmawerte gesucht. Der Branchenindex stieg um mehr als drei Prozent. Die beiden Index-Schwergewichte Novartis und Roche schnellten 3,3 und 3,4 Prozent hoch. Die beiden Titel stehen für rund 40 Prozent der SMI-Kapitalisierung. Käufe nach den Kursabschlägen im laufenden Jahr und ein positiver Kommentar von Morgan Stanley zur Medizintechnik-Branche schoben die Kurse an, hiess es am Markt.

Mit den Nestle-Aktien stieg ein weiteres Schwergewicht um 3,4 Prozent. "Nestle war ja auch nicht gerade ein Glanzlicht in den vergangenen Wochen, nachdem Donald Trump zum US-Präsidenten gekürt wurde, und vor allem Banken und zyklische Aktien gesucht waren", sagte ein Händler. Auch andere Nahrungsmittel-Werte wie Aryzta, Barry Callebaut und Lindt & Sprüngli reihten sich unter die Gewinner ein.

"Die Anleger rotieren von einem Sektor und einem Markt zum anderen", sagte ein Händler. "Jetzt versuchen sie es in den Bereichen Pharma und Nahrungsmittel, die kursmässig stark zurückliegen." Auch der Schweizer Aktienmarkt zähle zu den Nachzüglern.

Die Actelion-Titel legten weitere 3,1 Prozent zu. Actelion hat seit Ende November rund ein Drittel an Wert gewonnen. Damals waren Spekulationen aufgekommen, dass der US-Konzern Johnson & Johnson Europas grösste Biotech-Firma schlucken will. Die beiden Unternehmen haben Gespräche über eine nicht näher spezifizierte Transaktion eingeräumt.

Gewinnmitnahmen schickten die Bankaktien nach der jüngsten Rally auf Talfahrt. Die Anteile der Credit Suisse, die seit einer Investorenveranstaltung am Mittwoch um mehr als zehn Prozent gestiegen sind, notierten um 1,6 Prozent tiefer. Die UBS-Titel wurden um 2,6 Prozent tiefer bewertet. Uneinheitlich tendierten die Versicherungen. Die Kursausschläge waren relativ gering.

Die Titel zyklischer Firmen drehten im Verlauf nach klar oben. Bei Richemont und Swatch strichen die Anleger dagegen Gewinne ein, die beiden Luxusgüter-Titel büssten 0,4 und 0,8 Prozent ein.

Die SGS-Aktien legten 1,2 Prozent zu. Der Inspektionskonzern fährt mit seiner Strategie der ergänzenden Zukäufe fort und übernimmt 70 Prozent der auf den Nahrungsmittelsektor spezialisierten portugiesischen Firma Biopremier mit 30 Angestellten.

Am breiten Markt fielen die Aktien von Straumann mit 5,9 Prozent Kursgewinn auf. Morgan Stanley hat die Empfehlung auf "Overweight" von Equal-Weight" erhöht.

Unter Abgabedruck standen die Aktien von Meyer Burger mit 1,1 Prozent Abschlag. Händler sagten, die Anleger nützten Arbitragechancen im Rahmen des Bezugsrechteshandels.

(Reuters)