Schweizer Börse tritt auf der Stelle

Nach vier Tagen steigender Kurse hat die Schweizer Börse am Mittwoch an Schwung verloren. Der Markt ist dabei, die jüngste Entwicklung zu verarbeiten.
13.07.2016 17:45
Nach überraschend guten Halbjahreszahlen am Mittwoch gesucht: Die DKSH-Aktie.
Nach überraschend guten Halbjahreszahlen am Mittwoch gesucht: Die DKSH-Aktie.
Bild: ZVG

"Wir haben die Brexit-Verluste bereits wieder mehr als wettgemacht und sind reif für eine Konsolidierung", sagt ein Börsianer. "Gewinnmitnahmen sind sicher nicht falsch." Die Notenbanken dürften besorgt sein, dass diese nicht zu stark ausfallen, heisst es. Neben der Bank von Japan spekulierten die Marktteilnehmer auf Konjunkturhilfen der Bank of England und der Europäischen Zentralbank, die am Donnerstag beziehungsweise eine Woche später über die Geldpolitik beraten.

Der SMI notiert zum Handelsschluss mit 8142 Punkten paraktisch auf Vortagesniveau. Am Dienstag war der Leitindex um 0,3 Prozent gestiegen. Der SMI habe sich wieder dem oberen Rand der von 7600 bis 8250 Zählern reichenden Handelsspanne genähert. "Aus charttechnischer Sicht liegt nicht mehr viel drin", sagt ein Händler. Nach dem Brexit-Votum richten die Anleger ihren Blick wieder stärker auf die Konjunkturentwicklung. Zudem wollen viele Marktteilnehmer abwarten, wie sich die Bilanzsaison entwickelt und ob die Firmen die zum Teil gesenkten Analystenerwartungen erfüllen.

Mit Spannung erwartet werde das "Beige Book", der Konjunkturbericht der US-Notenbank, der nach Börsenschluss in Europa veröffentlicht wird. Zunehmend ein Thema werde auch die Präsidentenwahl in Amerika, heisst es. Wegen des ungewissen Ausgangs horteten viele vermögende US-Investoren Bargeld, sagte UBS-Manager Bob McCann. Viele Kunden warteten lieber zu als Verluste zu riskieren.

Gesuchte Nebenwerte

Nach einem überraschend guten Halbjahresergebnis griffen die Anleger zu den Aktien von DKSH. Die Titel des Marktexpansions-Dienstleisters steigen bei guten Umsätzen um 4,3 Prozent. Das Betriebsergebnis schrumpfte im ersten Halbjahr wegen einmaliger Vertragsanpassungen in der Geschäftseinheit Healthcare um knapp 3 Prozent auf 136 Millionen Franken. Für 2016 und die Folgejahre erwartet die Firma ein Umsatz- und Gewinnwachstum. "Weniger schlecht als erwartet", sagt ein Händler. "Die Zahlen sind gut für ein Kursplus von 2 Prozent. Der Rest sind Deckungskäufe", sagt ein Börsianer.

Die Aktien der beiden Geldhäuser Leonteq und EFG International ziehen um 15,6 und 10,6 Prozent an. Mit den Anteilen von Rieter, Oerlikon und Phoenix Mecano erfreuen sich weitere Aktien von mittelgrossen Firmen kräftiger Kursgewinne. In den kommenden Tagen werden die Ergebnisse von Swatch, SGS und Givaudan, Bossard und EMS-Chemie erwartet. Ihre Anteile wurden ebenfalls zu höheren Kursen gehandelt.

Die Aktien der Banken, die am Dienstag kräftig gestiegen waren, zeigen sich unterschiedlich. Anschlusskäufe verhelfen den Titeln von UBS zu einem Kursplus von 0,6 Prozent. Credit Suisse und Julius Bär dagegen büssen 1,8 und 0,6 Prozent ein. Bei den Versicherungswerten ergab sich kein klarer Trend. Zurich verlieren 0,9 Prozent.

Zykliker weiter gefragt

Bei den als krisensicher geltenden Index-Schwergewichten, die in den letzten Tagen zyklischen Titeln und Finanzwerten etwas hinterhergehinkt waren, rücken Novartis 0,1Prozent vor. Roche und Nestlé geben leicht nach.

Aktien zyklischer Firmen setzten den jüngsten Aufwärtstrend fort. Adecco steigen nach einem positiven Kommentar der Credit Suisse um 1,6 Prozent. ABB legen 0,4 Prozent zu. Lafarge-Holcim bröckelten nach frühen Gewinnen wieder ab.

Die Swatch-Anteile steigen um 0,4 Prozent. "Nachdem DKSH oder Alcoa die nach unten revidierten Schätzungen übertreffen konnten, könnte dies Swatch auch gelingen", sagt ein Händler. Dann stünde wohl ein kräftiger Kurssprung bevor. Swatch zählt zu den am meisten leerverkauften Schweizer Aktien. Die Titel von Rivalin Richemont legen 0,3 Prozent zu.

Die Aktien des Nahrungsmittelzusätze-Herstellers Evolva legen 2,9 Prozent zu. Der Wirkstoff Resveratrol soll als Bestandteil einer neuartigen Kombinationstherapie in einer klinischen Studie bei Frauen mit PCO-Syndrom getestet werden - die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen. Resveratrol ist ein Pflanzenstoff, dem eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird.

(Reuters)