Schweizer Börse vor EZB-Entscheid ohne Schwung

Die Schweizer Börse tendiert am Donnerstag vor der am Nachmittag erwarteten Veröffentlichung der geldpolitischen Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) nach einem festeren Start wenig verändert.
08.12.2016 10:20
Ruhe vor dem (EZB-)Sturm? Die Schweizer Anleger halten sich am Donnerstagmorgen zurück.

Der anhaltende Rekordlauf an der Wall Street und Kursgewinne in Fernost sorgen für eine gute Stimmung. "Die Anleger verhalten sich vor der EZB vorsichtig", sagt ein Händler. "Die Bäume werden aber vor der EZB-Sitzung kaum in den Himmel wachsen", sagt ein anderer Börsianer. Der SMI notiert um 10.20 Uhr mit 7920 Zählern um 0,1 Prozent leichter. Am Mittwoch war der Leitindex 0,2 Prozent gestiegen. Auch an anderen Märkten schmolzen die Gewinne von den Höchstkursen ab.

Die EZB dürfte gemäss Annahmen von Ökonomen das Anleihenkaufprogramm (Quantitative Easing, QE) verlängern. Bislang pumpt die EZB "bis mindestens März 2017" monatlich 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die Konjunktur anzukurbeln. Die Zinsentscheidung wird um 13.45 Uhr bekanntgegeben. Die Medienkonferenz von EZB-Chef Mario Draghi beginnt um 14.30 Uhr. Dabei könnte er sich auch zur Schieflage italienischer Banken äussern.

Die Aktien der Banken stehen erneut im Rampenlicht. Die Papiere von EFG International schiessen um 7,4 Prozent in die Höhe. Der Vermögensverwalter will im Zuge der Übernahme der Konkurrentin BSI in den kommenden drei Jahren bis zu 450 Stellen abbauen. Aus dem Zusammenschluss mit der etwa gleich grossen Tessiner Bank BSI für mehr als eine Milliarde Franken erwartet EFG nun bis 2018 einmalige Integrationskosten von 250 Millionen Franken statt der bislang kommunizierten 200 Millionen Franken. Die Kostensynergien bezifferte die Bank nunmehr auf 240 statt bislang 185 Millionen Franken.

CS-Aktie weiter im Aufwind

Die Aktien der Credit Suisse, die am Vortag nach Bekanntgabe der Verschärfung des Sparkurses einen Kurssprung gemacht hatten, legen dank Anschlusskäufen um weitere 2,2 Prozent zu. Einige Analysten quittierten die Sparpläne mit einer Erhöhung des Kursziels. Dazu zählen Kepler Cheuvreux, J.P. Morgan und Natixis. Vorbörslich wurde der Kurs um 0,6 Prozent höher indiziert.

Die Papiere der Rivalin UBS rücken um 0,5 Prozent vor und Julius Bär bröckeln inzwischen ab.

Die Assekuranzwerte tendieren uneinheitlich. Die Titel von Swiss Re sinken 1,1 Prozent. Der Broker Jefferies hat die Empfehlung für die Papiere des Rückversicherers auf "Underperform" von "Hold" herabgestuft und das Kursziel gesenkt.

Trump schickt Pharma-Aktien auf Talfahrt

Die schwergewichtigen Pharmawerte setzen den Krebsgang fort. Händler verweisen in die USA, wo die Pharmawerte ebenfalls nachgegeben hatten. Dort waren die Titel aus Furcht vor Zwangsrabatten unter Druck geraten. Der US-Branchenindex brach 2,9 Prozent ein. Auslöser der Verkäufe war ein Artikel im Magazin "Time", in dem der neue US-Präsident Donald Trump sagte: "Mir gefällt nicht, wie sich die Arzneimittelpreise entwickelt haben." Er werde sie senken. Novartis und Roche verlieren je 0,8 Prozent.

Die Aktien von Actelion geben 0,2 Prozent auf 206,50 Franken nach. Kepler Cheuvreux hat die Abdeckung mit der Empfehlung "Buy" und dem Kursziel von 230 Franken aufgenommen. Die Aktien von Nestlé, einem weiteren Schwergewicht, sind um 0,1 Prozent fester.

Die Titel zyklischer Firmen zeigen sich uneinheitlich. Syngenta rücken um 1,4 Prozent vor. John Ramsay, der Ex-Chef des Pflanzenschutzmittelproduzenten berät laut "Handelszeitung" künftig Chem-China. Er solle die chinesischen Einkäufer besser mit dem Kaufziel vertraut machen und die Kommunikation mit dem Syngenta-Management verbessern. Die australischen Wettbewerbsbehörden wollen die geplante 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme genehmigen.

(Reuters/cash)