Schweizer Börse zieht dank Bankaktien an

Kräftige Kursgewinne der Bankaktien haben der Schweizer Börse am Donnerstag Auftrieb gegeben.
14.07.2016 17:50
Profiteurin des Tages: Die CS-Aktie kann an der Schweizer Börse am Donnerstag 4 Prozent zulegen.
Profiteurin des Tages: Die CS-Aktie kann an der Schweizer Börse am Donnerstag 4 Prozent zulegen.
Bild: Bloomberg

Dass die Bank of England (BoE) entgegen den Markterwartungen trotz der Nachwehen des Brexit-Votums auf eine Zinssenkung verzichtete, steckte der Markt rasch weg. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit-Entscheids sind noch unklar", sagt der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel. Die Notenbank tue gut daran, die Leitzinsen vorerst unverändert zu belassen. Damit könne die BoE das Pulver trocken halten, sagt ein Händler. Der SMI schliesst um 0,4 Prozent höher bei 8174 Punkten.

Auch in Japan haben die Zinsspekulationen einen Dämpfer erhalten: Insidern zufolge wird es aller Voraussicht nach vorerst keine staatlichen über die Notenbank finanzierte Geldspritzen geben. Regierungs- und Zentralbankvertreter erteilten der Idee eines solchen "Helikopter-Geldes" eine Absage. Eine derartige Politik sei unmöglich und auch per Gesetz untersagt, sagte einer der Insider zu Reuters.

Die Zinsen dürften aber auch nicht steigen. Gemäss dem Konjunkturbericht "Beige Book" der amerikanischen Notenbank gibt es in den USA trotz eines anziehenden Wachstums kaum Anzeichen dafür, dass die Inflation bald zulegen könnte. "Damit ist eine schnelle Zinserhöhung wohl vorläufig wieder vom Tisch", sagt ein Händler.

Italienische Bankenhoffnung treibt Aktien

Die Hoffnung auf eine baldige Lösung der Krise im italienischen Bankensektor beflügeln den Sektor europaweit. Der Branchenindex steigt um 2,7 Prozent. Zusätzlich für Unterstützung sorgte das besser als erwartete Quartalsergebnis der US-Grossbank J.P. Morgan. Gespannt warten die Anleger nun auf die Ergebnisse der Konkurrenten Wells Fargo und Citigroup am Freitag. Die Titel der UBS legen 2,6 Prozent zu und die der Rivalin Credit Suisse rücken 4 Prozent vor.

Die Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel gewinnen 1,8 und 1,7 Prozent an Wert. Dagegen sinken die Anteile von EFG International um 1,4 Prozent und die Leonteq-Aktien büssen 1,5 Prozent ein. Beide Werte hatten am Mittwoch rund 10 Prozent angezogen. Die Aktien der Partners Group legen 1,5 Prozent zu. Die auf alternative Anlagen spezialisierte Firma hat im ersten Halbjahr neue Zahlungszusagen in Höhe von 4,6 Milliarden Euro erhalten und erwartet im ganzen Jahr 8 bis 9 Milliarden Euro Neugeldzufluss.

Fester präsentieren sich die Versicherungstitel. Swiss Re geben gegen den Branchentrend geringfügig nach.

Gefragte Luxusgüteraktie

Gefragt waren die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont mit 2,9 Prozent Plus. Die Anteile von Swatch bleiben mit 0,8 Prozent Anstieg hinter der Rivalin zurück. Das Halbjahresergebnis des Uhrenproduzenten wird in den nächsten Tagen erwartet. Analysten prognostizieren im Schnitt einen Gewinnrückgang um ein Fünftel.

Der Elektrotechnikkonzern ABB gewinnt 1,6 Prozent an Wert. Die Aktien des Stellenvermittlers Adecco, die nach dem Brexit-Votum stark gefallen waren, setzten die jüngst begonnene Erholung mit einem Plus von 1,0 Prozent fort. Die Aktien der Sanitärtechnikfirma Geberit und des Telekomkonzerns Swisscom geben geringfügig nach. Die Anteile des Industriekonzerns Sulzer ermässigen sich um 0,7 Prozent.

Die Titel des Inspektionskonzerns SGS steigen leicht auf ein Mehrjahreshoch. Die Aktien des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan und des Lebensmittelkonzerns Nestlé erreichten Rekordhochs. SGS und Givaudan wollen am Montag Zwischenberichte veröffentlichen.

Defensive in der Defensive

Um bis zu ein halbes Prozent tiefer stehen die Anteile der Arzneimittelhersteller Novartis, Roche und Actelion. Diese gelten als krisensicher und eher defensive Anlage.

Am breiten Markt brechen die Aktien von Santhera um mehr als ein Drittel auf 52,65 Franken ein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte dem dem Vorhaben der Pharmafirma, rasch einen Zulassungsantrag für das Medikament Raxone zur Behandlung von Patienten mit fortschreitendem Muskelschwund zu stellen, eine Absage. Das wurde im Markt als schwerer Rückschlag eingestuft. Die RBC-Analysten sprachen vom "Worst-Case-Szenario" und kürzten das Kursziel für die Titel massiv auf 87 von 281 Franken.

(Reuters)