Schweizer Börse zieht trotz Brexit-Kater an

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch ihre am Vortag begonnene Erholung fortgesetzt. Die Anleger blieben aber weiterhin skeptisch.
29.06.2016 17:30
Schweizer Börse SIX in Zürich: Die Kurse ziehen an.
Schweizer Börse SIX in Zürich: Die Kurse ziehen an.
Bild: cash

"Wir sind dabei, den Schock zu verarbeiten. Der Brexit-Kater hält noch an", sagte ein Händler. Die Marktteilnehmer seien verunsichert wegen der ungewissen Folgen. "Und dies dürfte noch einige Zeit andauern." Die Umsätze waren geringer als an den vergangenen Tagen.

Der SMI stieg um 2,6 Prozent auf 7979 Punkte. Damit hat der Leitindex einen Grossteil der Verluste seit dem Brexit-Votum der Briten wieder wettgemacht und befindet sich nur noch um knapp 100 Zähler unter dem Schlussstand vom 23. Juni. Am Dienstag war er um 2,4 Prozent gestiegen.

Keine stärkeren Impulse kamen von dem EU-Gipfel in Brüssel, der allerdings ohne den britischen Premierminister David Cameron weiterging.

Bankaktien ziehen an

Die Erholung der Bankaktien, die nach dem Ja der Briten zum Ausscheiden aus der EU unter die Räder geraten waren, kam im Späthandel etwas in Stocken. Die Aktien von Julius Bär stiegen um 2 Prozent und Credit Suisse lagen nach einem Kursplus von 3 Prozent noch mit 1 Prozent im Plus.

UBS aber konnten einen Kursgewinn von 3,7 Prozent verteidigen. CS-Präsident Urs Rohner sagte in einem Interview der "HandelsZeitung", der Verwaltungsrat habe mit vielen Investoren gesprochen. Es gebe keinen strategischen Dissens. Konzernchef Tidjane Thiam sei der richtige Mann.

Die Anteile der Versicherer Zurich und Swiss Re gehörten mit Kursanstiegen von 4,9 und 3,5 Prozent zu den grössten Gewinnern unter den Bluechips. Händler sagten, Spekulationen auf zusätzlich Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten geholfen.

Die Aktien von Helvetia legten 1,8 Prozent zu. Beim Versicherer kommt es überraschend zu einem Chefwechsel. Schweiz-Chef Philipp Gmür übernimmt die CEO-Position von Stefan Loacker, der nach neun Jahren von der Spitze des Unternehmens Ende August zurücktritt. "Das kommt etwas überraschend, ist aber nicht zwingend negativ", sagte ein Händler. Gmür kenne sich bestens aus.

Die Aktien der GAM Holding kletterten um 11,7 Prozent. Der Vermögensverwalter will den britischen Konkurrenten Cantab Capital Partners mit verwalteten Vermögen von vier Milliarden Dollar übernehmen. Der Zukauf soll sich GAM zufolge im ersten Jahr deutlich positiv auf das operative Ergebnis je Aktie auswirken.

Den stärksten Beitrag zum SMI-Anstieg leisteten einmal mehr die schwergewichtigen Pharmawerte Novartis und Roche mit einem Kursplus von über 3 und 3,3 Prozent. Die Nestle-Aktien rückten 1,8 Prozent vor. Die Titel waren bereits am Vortag nach der Ernennung von Ulf Mark Schneider zum neuen Konzernchef kräftig gestiegen.

Uhrentitel unter Druck

Die Aktien von Swatch und Richemont schwächten sich als einzige unter den Standardwerten ab. HSBC und Goldman Sachs nahmen die Empfehlung für beide Luxusgüterhersteller zurück beziehungsweise senkten das Kursziel.  Swatch verloren 0,5 Prozent.

Die Anteile anderer zyklischer Firmen wie des Zementproduzenten LafargeHolcim, des Chemiekonzerns Clariant, des Aromen- und Duftherstellers Givaudan sowie der Sanitärtechnikfirma Geberit stiegen um mehr als 2,5 Prozent.

Am breiten Markt rückten die Aktien von Arbonia Forster 3,8 Prozent vor. Der Bauzulieferer übernimmt von Geberit die Firma Koralle, einen Hersteller von Duschabtrennungen mit einem Umsatz von 40 Millionen Euro. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht.

(Reuters)