Schweizer Börse zum Mittag deutlich im Minus

Der Schweizer Aktienmarkt gibt am Dienstag deutlich nach. Nach einem bereits schwächlichen Start haben die Kurse in der Folge weiter abgegeben, wobei vor allem die beiden Grossbanken unter Druck stehen.
02.08.2016 12:55
Der Zürcher Paradeplatz, das Symbol für den Schweizer Bankenplatz schlechthin, ist am Dienstag an der Börse keine empfehlenswerte Adresse.
Der Zürcher Paradeplatz, das Symbol für den Schweizer Bankenplatz schlechthin, ist am Dienstag an der Börse keine empfehlenswerte Adresse.
Bild: cash

Der hiesige Markt war am gestrigen Montag geschlossen und muss daher einerseits die Verluste aus den USA und diejenigen der wichtigsten europäischen Märkte nachvollziehen und andererseits die zwar nicht dramatischen, aber auch nicht wirklich befriedigenden Ergebnisse des Bankenstresstests in Europa verarbeiten.

Belastet wird das Börsensentiment zudem von schwachen PMI-Daten aus Europa und China vom Vortag. In China ist der entsprechende Index mittlerweile auf unter 50 Punkte gefallen und zeigt somit eine Kontraktion der Industrieaktivitäten an. Ebenfalls keine Stütze für die Aktien sind die Ölpreise nach dem starken Preisrutsch vom vergangenen Freitag, auch wenn heute eine leichte Gegenbewegung eingesetzt hat.

Der SMI notiert am Mittag 1,1% tiefer bei 8041 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 1,6% auf 1190 Punkte und der breite SPI 1,0% auf 8742 Punkte. Von den 30 Bluechips notieren lediglich 2 im Plus.

Grossbankaktien auf rasanter Talfahrt

Die mit Abstand grössten Verluste weisen die Banken CS (-5,7%) und UBS (-5,9%) aus. Indirekt wirke sich der europäische Bankenstresstest auch auf diese Papiere aus, auch wenn die beiden Unternehmen nicht getestet wurden, heisst es in Händlerkreisen. Der EU-Bankentest vom vergangenen Freitag hatte die Investoren ernüchtert zurückgelassen. Zwar waren die Ergebnisse teils besser ausgefallen als befürchtet, doch Experten hatten rasch vor einem voreiligen Aufatmen gewarnt. In der Folge gaben Bankentitel europaweit nach. Hinzu kommen bei der UBS negative Analystenkommentare von Natixis und Société Générale im Nachgang zu den am Freitag publizieren Quartalszahlen, und bei der CS ist das Ausscheiden aus dem Stoxx-Europe-50-Index eine zusätzliche Belastung. Julius Bär (-0,7%) halten sich vergleichsweise stabil.

Klare Verluste verzeichnen auch Dufry (-4,6%) nach den Semesterzahlen vom Freitag, als ein Minus von 0,5% resultiert hatte. Zum Wochenbeginn haben Natixis und die Credit Suisse gesenkte Kursziele für das Unternehmen genannt. Die Resultate für den berichtszeitraum seien ziemlich enttäuschend ausgefallen, heisst es dazu bei der CS.

Lafarge-Holcim-Aktien fallen in einem insbesondere für Zykliker belasteten Gesamtmarkt um 3,8% zurück, nachdem sie sich in der Vorwoche noch auf den höchsten Stand seit Mai erholt hatten. Am Freitag wird das Unternehmen Halbjahreszahlen vorlegen. Am Vortag hatte der Konzern eine weitere Devestition und damit verbunden einen weiteren Schuldenabbau bekanntgegeben, was in Marktkreisen indes eher neutral gewichtet wird.

Auch Luxusgütertitel stark unter Druck

Schwach sind auch die Papiere der Luxusgüterkonzerne Richemont (-3,7%) und Swatch (-1,6%), wobei sich Swatch klar besser halten. Die Papiere, die mit der rückläufigen Nachfrage nach Luxusgütern im laufenden Jahr deutlich unter Druck gekommen und auf Mehrjahrestiefstwerte zurückgefallen sind, werden am Dienstag von einer Sektorabstufung durch die Credit Suisse zusätzlich belastet. Die CS senkte das Rating für Richemont auf "Underperform" von "Neutral" und jenes für Swatch gar auf "Underperform" von "Outperform". Der Gegenwind, dem die Uhrenhersteller seit einiger Zeit ausgesetzt seien, scheinen stärker zu sein als ursprünglich angenommen, so die CS-Analysten.

Einzige Gewinner sind Galenica (+1,5%) und Sonova (+0,5%). Novartis (-0,1%) erhalten von einer FDA-Zulassung für den Micro-Stent CyPass der Tochtergesellschaft Alcon allenfalls leichte Unterstützung.

Moderater Verlust bei Oerlikon nach Quartalszahlen

Im breiten Markt geben die Aktien des Industriekonzerns Oerlikon nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen mit einem Minus von 0,2% lediglich moderat nach. Die Analysten sehen in den Zahlen kaum Überraschungen, jedoch Licht und Schatten bei der Entwicklung der drei Bereiche. Ebenfalls nach Zahlen stehen Glarner KB 0,3% höher.

Accu Holding werden wegen der Verletzung von Publikationspflichten nach einem Entscheid der SIX Swiss Exchange ab heute und bis auf weiteres nicht mehr gehandelt. Am Freitag hatte der Titel noch um gut 12% auf 5,11 Franken angezogen.

Demnächst dekotiert werden die Aktien der SWMTL Holding in Liquidation, die am Berichtstag um über 14% auf noch 18 Rappen einbrechen.

(AWP)