Schweizer Grossbank - Die Credit Suisse schraubt die Erwartungen hoch

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam schürt in der Wochenendpresse die Gewinnerwartungen und die Finma rügt die Schweizer Grossbank wegen Mängeln bei der Geldwäschereibekämpfung. Beides bewegt zu Wochenbeginn den Aktienkurs.
17.09.2018 11:17
Von Lorenz Burkhalter
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse Group.
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse Group.
Bild: cash

Innerhalb von gerademal 24 Stunden sorgt die Grossbank Credit Suisse zweifach für Schlagzeilen. Im Vordergrund steht dabei ein Interview von Konzernchef Tidjane Thiam mit der "NZZ am Sonntag". Im Mittelpunkt des Interviews steht die Aussage, dass man in den nächsten zwei Jahren einen Jahresgewinn von 5 bis 6 Milliarden Franken anstrebe.

Gewinnprognose Thiams nicht sehr realistisch

Das wären deutlich mehr, als der Schweizer Grossbank zugetraut wird. Als der Bankenanalyst von Barclays die Aktie der Credit Suisse vor einer Woche mit einem Kursziel von 16 Franken von "Underweight" auf "Equal-weight" heraufstufte, ging er bis in zwei Jahren von einem Jahresgewinn von gut 4 Milliarden Franken aus. schon damals gab der Analyst an, dass das Kursziel bei einem geschätzten Jahresgewinn von 5 Milliarden Franken bei 21,40 Franken liegen würde. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von fast 50 Prozent.

Ein Jahresgewinn von 5 bis 6 Milliarden Franken sei im zuletzt schwierigen Umfeld allerdings nicht sehr realistisch, so verlautet aus Branchenkreisen.

Rüge, nicht aber Busse seitens der Finma

Ebenfalls im Raum steht am Montag früh eine Rüge der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Die Behörde hat im Rahmen zweier Enforcementverfahren Mängel bei der Einhaltung der Sorgfaltspflicht bei der Geldwäschereibekämpfung festgestellt. Das Fehlverhalten steht im Zusammenhang mit mutmasslichen Korruptionsfällen rund um den internationalen Fussballverband FIFA, den brasilianischen Ölkonzern Petrobras sowie den venezolanischen Ölkonzern PDVSA.

Beobachter bezeichnen die Rüge zwar als unschön, weisen gleichzeitig jedoch darauf hin, dass zumindest die Finma keine Busse gegen die Credit Suisse verhängt habe. Obwohl der für die Zürcher Kantonalbank tätige Bankenanalyst nicht mit nennenswerten negativen Auswirkungen für den Geschäftsverlauf rechnet, glaubt er nicht, dass die Äusserungen der Finma die Gemüter beruhigen können. Vermutlich habe sich Thiam nicht zufällig zum potenziellen Reingewinn geäussert, so der Analyst weiter. Die CS-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank wie bis anhin mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Die für Morgan Stanley tätige Berufskollegin fühlt sich von den Aussagen Thiams hingegen in ihrer positiven Einschätzung bestätigt. Die Analystin geht für das Jahr 2020 von einem Jahresgeinn von 5,5 Milliarden Franken ein, was inmitten der im Wochenend-Interview genannten Bandbreite von 5 bis 6 Milliarden Franken liegt. Das Anlageurteil lautet weiterhin "Overweight", das Kursziel wird mit 21 Franken angegeben.

Aktie enttäuscht zuletzt

Wie ein Blick auf die Kursentwicklung der CS-Aktie verrät, messen die Anleger den Aussagen von Konzernchef Thiam zur zukünftigen Gewinnentwicklung denn auch ein etwas grösseres Gewicht bei. An der Schweizer Börse SIX gewinnt die Aktie zur Stunde 0,3 Prozent auf 14,46 Franken. Im bisherigen Handelsverlauf wurden Kurse zwischen 14,34 und 14,475 Franken bezahlt.

Mit einem Minus von 17 Prozent zählt die CS-Aktie seit Jahresbeginn noch immer zu den Schlusslichtern im Swiss Market Index (SMI). Erst am Freitag vor einer Woche fiel die Aktie bei 14,31 Franken auf den tiefsten Stand seit Mitte September 2017.