Schweizer Maschinenindustrie hat Talsohle durchschritten

Mit der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie geht es wieder zaghaft aufwärts. Nach fast zwei Jahren mit sinkenden Umsätzen sind diese im letzten Quartal erstmals wieder angestiegen.
31.08.2016 11:55
In der Schweizer Maschinen- und Metallindustrie stieben zwar die Funken nicht gar so stark, aber es geht immerhin aufwärts (im Bild Von Roll in Emmenbrücke).
In der Schweizer Maschinen- und Metallindustrie stieben zwar die Funken nicht gar so stark, aber es geht immerhin aufwärts (im Bild Von Roll in Emmenbrücke).
Bild: Bloomberg

Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) hat die Talsohle durchschritte, resümiert der Branchenverband Swissmem am Mittwoch. Im zweiten Quartal 2016 drehten die Umsätze dieser Branche erstmals nach sieben Quartalen wieder ins Plus. Sie stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,8%.

"Nach einem schwarzen Geschäftsjahr 2015 zeigt sich endlich eine dezente Morgenröte am Horizont", sagt Swissmem Direktor Peter Dietrich, "die teilweise sehr einschneidenden unternehmerischen Massnahmen des letzten Jahres beginnen Wirkung zu zeigen".

Die Auftragseingänge in der Schweizer MEM-Industrie erfuhren im zweiten Quartal 2016 im Vergleich zur Vorjahresperiode gar einen kräftigen Wachstumsschub: sie legten um fast 19% zu. Allerdings verbirgt sich dahinter auch ein Basiseffekt, da das Vorjahresquartal wegen des Frankenschocks äusserst schwach ausgefallen war.

"Der allgemeine Trend stimmt", meint Dietrich, "zumindest bei den Auftragseingängen scheint die Talsohle durschritten". Bestätigt werde diese Trendwende auch durch die Exporte. Nachdem im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode die Ausfuhren noch um 1,9% sanken, nahmen sie in den folgenden drei Monaten um 1,8% zu.

Umsätze im Halbjahr rückläufig

Die Zahlen für das erste Halbjahr dagegen sind noch negativ. Die Umsätze gingen um 3,5%, die Exporte um 0,1% zurück. Die Auftragseingänge dagegen stiegen in den ersten sechs Monaten um 9,6% kräftig. Daraus folgert Swissmem, dass sich die Umsätze auch im zweiten Halbjahr generell positiv entwickeln dürften.

Der Branchenverband weist jedoch auch darauf hin, dass sich die beginnende Erholung nicht bei allen Unternehmen zeigt. Während die Grossunternehmen Aufwind verspürten, seien für viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Folgen der Frankenstärke noch nicht ausgestanden. Insbesondere diese stünden nämlich unverändert unter einem erheblichen Margendruck, heisst es in der Mitteilung.

Der Frankenschock hat zudem auch Spuren bei der Zahl der Stellen hinterlassen. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sind gemäss Swissmem in der Branche 9200 Stellen verloren gegangen. "Das ist angesichts des bestehenden Fachkräftemangels schmerzhaft", meint Dietrich, "insbesondere für KMU". Der nun einsetzende Erholungstrend komme deshalb kein Quartal zu spät.

Denn es gebe Anzeichen einer Stabilisierung. Mit insgesamt 321'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat sich zwar die Zahl der Stellen im Vergleich zur Vorjahresperiode um 1,4% reduziert. Gegenüber dem ersten Quartal 2016 ist jedoch die Stellenzahl leicht um 0,5% angestiegen.

«Politische Damoklesschwerter»

Die sich nun einstellende Erholung sei aber noch lange kein Grund zur Annahme, dass es nun nachhaltig aufwärts gehe, vor allem falls sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufgrund politischer Entscheide verschlechtern sollten. Denn gemäss Swissmem-Präsident Hans Hess ist die Schweizer Wirtschaft "seit Jahren mit immer neuen politischen Vorstössen konfrontiert, die ein erhebliches Schadenspotenzial beinhalten".

Zwar habe sich der Souverän bei vergangenen Vorlagen nicht explizit gegen den Wirtschaftsstandort entschieden, von "wirtschaftsfreundlichen Massnahmen sind wir aber noch weit entfernt", so Hess.

Aufgrund der bevorstehenden Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der Unternehmenssteuerreform sei die Politik und das Schweizer Volk daher erneut gefordert: "Nun ist an ihnen, das Richtige zu tun", meint Hess, "in den nächsten sechs Monaten stehen wegweisende politische Entscheide an, die den Wirtschaftsstandort stark negativ beeinflussen könnten".

(AWP/SDA)