Schweizer Nebenwerte: Nicht jeder Trump-Sieger ist ein Überflieger

Nach den US-Wahlen kam es bei einigen Schweizer Nebenwerten zu grösseren Kursverschiebungen. Doch nur bei den wenigsten Aktien kann auch wirklich mit Donald Trump argumentiert werden.
18.11.2016 00:05
Von Lorenz Burkhalter
Die Aktie des Milchverarbeiters Hochdorf ist auch ohne «Trump-Effekt» gefragt.
Die Aktie des Milchverarbeiters Hochdorf ist auch ohne «Trump-Effekt» gefragt.
Bild: ZVG

Den Nebenwerten bescherte der überraschende Sieg des Republikaners Donald Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf an der Börse in New York einen regelrechten Höhenflug. Der für diese Titelkategorie repräsentative Russell-2000-Index schrieb in den letzten Tagen sogar neue Rekorde.

Anders die Aktien kleinerer und mittelgrosser Schweizer Unternehmen: Der Unterindex für Nebenwerte (SPI Extra) an der Schweizer Börse liegt nur knapp 1 Prozent über dem Stand vor der Wahlnacht vom 8. auf den 9. November.

Bei einzelnen Aktien kam es seither allerdings zu grösseren Kursverschiebungen, als die Entwicklung dieses Börsenbarometer es vermuten liesse. Dass vorwiegend Vertreter aus der Pharma- und der Finanzindustrie auf der Gewinnerliste zu finden sind, ist kein Zufall.

An der Börse ist Aufatmen angesagt

Über Wochen wenn nicht gar über Monate hinweg war der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf auch für die Schweizer Börsenakteure das dominierende und über weite Strecken die Kurse belastende Thema.

Umso grösser war das Aufatmen nach den Wahlen, unabhängig vom unerwarteten Ausgang. Am stärksten profitierten die Aktie des Fondsanbieters GAM sowie jene des Vermögensverwalters EFG International (siehe Tabelle). Beide hatten zuvor aufgrund firmenspezifischer Gegebenheiten grössere Kursverluste zu beklagen.

Es sind vor allem die Finanzwerte, welche im Berufshandel als Gewinner der nachlassenden Ungewissheit gefeiert werden. Ob der Damm bei den zuvor sehr zurückhaltenden Anlagekunden nun endlich bricht, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Klar ist: Neben dem grossen Aufholpotenzial muss bei Finanz-Aktien genauso mit negativen Überraschungen gerechnet werden.

Gewinner bei den Schweizer Nebenwerten seit den US-Wahlen

Aktie Performance seit 09.11.16

Cosmo Pharmaceuticals

19,7 Prozent

GAM

12,1 Prozent

EFG International

11,5 Prozent

Basilea

11,0 Prozent

Schmolz + Bickenbach

9,2 Prozent

Hochdorf

9,1 Prozent

Quelle: cash.ch (Stand 17.11.16, 15 Uhr)

Ebenfalls deutliche Kursgewinne konnten die Valoren kleinerer Pharmaunternehmen verbuchen. Nach der Niederlage für die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gilt eine staatliche Deckelung der stark steigenden Medikamentenpreise als unwahrscheinlich.

Während des Wahlkampfs hatte sich Clinton für umfangreiche Eingriffe in den Gesundheitssektor stark gemacht, was auch bei den Pharmaaktien aus der Schweiz auf die Kursentwicklung drückte. Allerdings lässt sich bei weitem nicht bei allen Gewinnern und Verlierern mit dem überraschenden Ausgang der Präsidentschaftswahlen argumentieren.

Pharma und Infrastruktur im Fokus

Mit knapp 20 Prozent erholte sich die Aktie von Cosmo Pharmaceuticals am stärksten. Das Kaufinteresse lässt sich aber auch damit erklären, dass das Pharmaunternehmen einen Studienerfolg mit dem Kontrastmittel LuMeBlue vermelden konnte. Damit rückt eine Marktzulassung einen entscheidenden Schritt näher, was der Aktie zusätzlichen Schub verleihen könnte.

Gut im Markt lag auch die Aktie von Basilea. Der Börsenwert des Antibiotikaherstellers aus Basel wuchs in den vergangenen Tagen um stolze 11 Prozent. Auch diesem Unternehmen hätten bei einer Wahl Clintons Preiskonzessionen gedroht. Als trendverstärkend erwiesen sich Spekulationen, wonach Basilea in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem weiteren Vertriebspartner stehe.

Während Händler die Kursgewinne beim Milchverarbeiter Hochdorf (+9,1 Prozent) auf unternehmensspezifische Gegebenheiten sowie auf den eher engen Markt für diese Aktie zurückführen, berichten sie beim Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach (+9,2 Prozent) von der Hoffnung auf einen steigenden Absatz im Zusammenhang mit neuen Infrastrukturinvestitionen. Hoffnung ist denn auch angebracht, wussten zuletzt weder die Drittquartalszahlen noch der Ausblick für das laufende Jahr zu überzeugen.

Donald Trump hat immer wieder betont, er wolle Hunderte Milliarden Dollar investieren und das spielt Firmen in die Hände, die in den USA tätig sind. So waren auch die Aktien von ABB, LafargeHolcim oder Schindler nach den Wahlen beliebt.

Meyer Burger eine von vielen Sondersituationen

Die wenig ruhmreiche Ehre, die Verliererliste anzuführen, wird der Aktie von Meyer Burger zuteil, wie die Tabelle zeigt. Das Solarzulieferunternehmen muss Massnahmen zur Stärkung der Bilanz ins Auge fassen, was auch eine Kapitalerhöhung über die Ausgabe von Bezugsrechten vorsieht. Dadurch droht den bisherigen Aktionären eine starke Verwässerung.

Der Kurseinbruch um mehr als 30 Prozent lässt sich aber auch mit der Niederlage der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton erklären. Unter ihrer Präsidentschaft hätten alternative Energiequellen an Bedeutung gewonnen. Davon hätte auch die Solarindustrie profitiert. Daraus wird nun aber nichts.

Verlierer bei den Schweizer Nebenwerten seit den US-Wahlen

Aktie Performance seit 09.11.16

Meyer Burger

-31,5 Prozent

Zehnder

-16,6 Prozent

Molecular Partners

-16,0 Prozent

Burckhardt Compression

-14,2 Prozent

LEM

-13,0 Prozent

Quelle: cash.ch (Stand 17.11.16, 15 Uhr)

Ebenfalls hauptsächlich firmenspezifische Gründe hat der Kurszerfall der Zehnder-Aktie. Weil sich die Nachfrage in den Schlüsselmärkten Frankreich und Grossbritannien schlechter als erwartet entwickelt, sah sich der Bauzulieferer jüngst zu einer weiteren Gewinnwarnung gezwungen. Daraufhin mussten viele Analysten ihre Erwartungen zurückschrauben, was die Kursnotierungen um mehr als 16 Prozent in die Tiefe riss.

Dasselbe Schicksal ereilte auch Burckhardt Compression. Der Hersteller von Kolbenprozessorsystemen sprach zum dritten Mal in diesem Jahr eine Gewinnwarnung aus. Die Börse kannte keine Gnade und strafte diese Aktie mit einem Minus von gut 14 Prozent ab.

Molecular Partners verliert den Firmenchef

In Ungnade fiel ebenfalls der Genfer Elektronikkonzern Lem. Dass das Unternehmen knapp an den hohen Analystenerwartungen vorbeischrammte und einen eher vorsichtigen Ausblick abgab, kostete rund 13 Prozent des Börsenwerts. Als trendverstärkend erwies sich eine Herunterstufung der Aktie von "Hold" auf "Reduce" bei einem neu 800 (900) Franken lautenden Kursziel durch Kepler Cheuvreux.

Der Wertverlust von Lem setze aber schon früher ein. Seit rund vier Wochen befindet sich der Titel auf Sinkflug nachdem er zuvor seit Jahresbeginn rund 50 Prozent angestiegen war. Anleger sollten hier die langfristige Perspektive nicht vergessen. Der Nebenwerte-Liebling Lem hat unlängst auch höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung angekündigt - etwas, das sich erst in Zukunft auszahlen dürfte. 

Bei Molecular Partners belastete hingegen der überraschende Rücktritt von Firmenchef Christian Zahnd aus gesundheitlichen Gründen. Analysten zufolge war Zahnd gerade in angelsächsischen Anlegerkreisen sehr beliebt. Das erklärt auch, weshalb es die Aktie als einziger Pharmawert auf die Verliererliste schaffte.