Schweizer Nebenwerte - UBS macht erste Verkaufsempfehlungen rückgängig

Viele Schweizer Nebenwerte haben in den letzten Monaten deutlich an Kurswert verloren. Die UBS nimmt dies zum Anlass und empfiehlt zumindest zwei Aktien nicht länger zum Verkauf.
30.08.2019 08:14
Von Lorenz Burkhalter
Die Privatbank EFG in Lugano am ehemaligen BSI-Hauptsitz.
Die Privatbank EFG in Lugano am ehemaligen BSI-Hauptsitz.
Bild: ZVG

Während die SMI-Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis hoch in der Gunst der Anleger stehen, befinden sich die Aktien kleinerer und mittelgrosser Unternehmen schon seit Monaten in einem Kurs- und Stimmungstief. Ob die Nebenwerte die Talsohle bereits erreicht haben, darüber scheiden sich die (Analysten-)Geister.

Wenn es nach der UBS geht, könnte dies zumindest bei der einen oder anderen Aktie nun aber der Fall sein. Die grösste Schweizer Bank hat alleine in den letzten 24 Stunden zwei Verkaufsempfehlungen rückgängig gemacht.

Beim Vermögensverwalter EFG International streicht die Grossbank ihre Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre zwar um bis zu 28 Prozent zusammen. Sie trägt damit der enttäuschenden Gewinnentwicklung in der ersten Jahreshälfte Rechnung. Die neuen Annahmen liegen sowohl hinter den Erwartungen vieler anderer Banken als auch hinter den mittelfristigen Zielvorgaben des Vermögensverwalters selbst zurück.

Nachdem EFG International seit Ende April fast 23 Prozent an Börsenwert eingebüsst hat, stuft die UBS die Aktie allerdings von "Sell" auf "Neutral" herauf. Das 12-Monats-Kursziel wird neuerdings mit 6 (zuvor 6,40) Franken angegeben.

UBS bei U-blox alleine auf weiter Flur

Auch beim Halbleiterunternehmen U-blox gibt sich die UBS nicht mehr ganz so pessimistisch wie bisher. Weder das schwierige Wirtschaftsumfeld, noch die geringe Vorhersehbarkeit des Tagesgeschäfts halten sie davon ab, das Anlageurteil mit einem 12-Monats-Kursziel von 61 (zuvor 70) Franken von "Sell" auf "Neutral" zu erhöhen.

Letzten Freitag sah sich U-blox nach einer enttäuschenden ersten Jahreshälfte zu einer Umsatz- und Gewinnwarnung für dieses Jahr gezwungen (cash berichtete). An diesem Tag wurde die Aktie zeitweise mit Kursverlusten von 12 Prozent abgestraft. Alleine seit Ende Juli errechnet sich damit ein Minus von 23 Prozent.

Viele andere Banken und Broker, darunter Vontobel oder Kepler Cheuvreux, raten weiterhin zum Verkauf der U-blox-Aktie.

Dass auch die UBS anders kann, beweist sie beim Milchverarbeiter Emmi. Diese Aktie hält die Grossbank weiterhin für überteuert und stuft sie deshalb mit "Sell" ein. Im Anschluss an die Ergebnisenttäuschung vom Mittwoch kürzt die UBS das 12-Monats-Kursziel auf 745 (zuvor 815) Franken. Das entspricht aus heutiger Sicht einem Rückschlagspotenzial von rund 8 Prozent.

Andere Banken könnten der UBS folgen

Trotz den jüngsten Kurseskapaden errechnet sich bei der Emmi-Aktie seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von fast 18 Prozent. Wie andere Nahrungsmittelaktien profitiert auch jene des Milchverarbeiters von ihrem weitestgehend von der Konjunktur unabhängigen Tagesgeschäft.

Wie die UBS schreibt, steht das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 aber in keinem Verhältnis zur mageren Gewinnentwicklung der letzten Jahre.

Beobachter schliessen nicht aus, dass die eine oder andere Bank dem Beispiel der UBS folgen und zuvor ausgesprochene Verkaufsempfehlungen rückgängig machen könnte.