Schweizer Ökonomen: Handelskriege schlecht für die Schweiz

Setzt der künftige US-Präsident Donald Trump viele seiner Aussagen im Wahlkampf zur Handelspolitik um, könnte das nach Ansicht von hiesigen Ökonomen verheerend für die Schweizer Wirtschaft sein.
13.11.2016 12:31
Aymo Brunetti, Wirtschaftsprofessor an der Uni Bern.
Aymo Brunetti, Wirtschaftsprofessor an der Uni Bern.

Das wäre ein schwerer Schlag für die internationale Arbeitsteilung. Dieser wäre mit dem Risiko von Gegenmassnahmen verbunden, sagte der Berner Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti in einem Interview mit der Zeitung "Zentralschweiz am Sonntag": "Das ginge dann schnell in Richtung eines eigentlichen Handelskrieges."

Dieser wäre aber mit Nachteilen verbunden, die die Amerikaner selber zu spüren bekämen. "Statt bestehende Handelsverträge aufzulösen, wird Trump deshalb wohl eher laufende Verhandlungen auf Eis legen", sagte Brunetti.

Ein Handelskrieg würden den Marktzugang für die Schweiz überall schwieriger machen. Die Schweiz sei nicht zuletzt deshalb so reich, weil sie in den letzten Jahrzehnten auf der allgemeinen Freihandelswelle mitreiten konnte und weil sie einen offenen Zugang zum EU-Markt habe.

Handelskriege wären enorm schädlich für die Schweiz, sagte UBS-Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt im "SonntagsBlick": "Die wichtigsten Schweizer Konzerne erzielen 90 Prozent ihrer Gewinne im Ausland." Die hiesige Wirtschaft sei globalisiert und lebe von der Nähe zu anderen Exportländern.

Würden die USA etwa Zölle auf deutsche Autos erheben, bekäme das die gesamte Schweizer Wirtschaft zu spüren, sagte Kalt. Das gleiche gelte für die Tessiner Textilindustrie, die für italienische Modehäuser nähe.

Kalt erinnerte an die 1920er- und 1930er-Jahre, als viele Länder ihre Wirtschaft durch Zölle abschotteten: "Das hat die Depression massiv verstärkt."

Von einem sehr grossen Investitionsprogramm in die US-Infrastruktur, wie es Trump im Wahlkampf angekündigt hatte, könnten auch Schweizer Firmen profitieren. Allerdings nur, wenn kein protektionistisches Klima gelte. Dann hätten US-Firmen Vorrang, erklärte Kalt.

Laut Brunetti dürfte der Effekt aus dem Infrastrukturprogramm für die Schweiz nur kurzfristig sein. "Wenn sich wegen der inflatorischen Wirkung eines solchen Programms gleichzeitig der Dollar abschwächt, würde das die Ausfuhren wieder bremsen."

(SDA)