«Schweizer Skiorte schädigen ihren Ruf»

Die Rabattoffensive der Schweizer Skidestinationen wird im Ausland kritisch beobachtet. Weshalb damit die Schweiz den falschen Weg einschlägt, sagt Ischgl-Tourismusdirektor Andreas Steibl im cash-Video-Interview.
02.12.2013 13:30
Von Pascal Meisser
Andreas Steibl, Tourismusdirektor von Ischgl, im cash-Video-Interview auf 2600 Metern Höhe.
Bild: cash

Dank zahlreicher Vergünstigungen und Rabattaktionen soll der Schweizer Skiwinter "so günstig wie noch nie" werden, sagte Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid kürzlich. Tatsächlich planen diverse Destinationen Preisnachlässe bei Skipässen, kostenlose Skischulen oder Gratisfahrten für Kinder in Begleitung von Erwachsenen. Damit wollen die Ferienorte auf den Einbruch der letzten Jahre reagieren. Alleine im vergangenen Jahr büsste die Schweiz 583'000 oder 11,2 Prozent der Logiernächte ein.

Doch die "Aktionitis" stösst nicht nur hierzulande bei verschiedenen Touristikern auf Kritik, sondern auch bei benachbarten Skistationen. "Diese Rabattierung macht mir wirklich Sorgen. Sie könnte allmählich auch international übergreifen", sagt der Österreicher Andreas Steibl im cash-Video-Interview. Noch schlimmer sei aber, wie Schweizer Skiorte ihren Ruf beschädigen würden, sagt der Tourismusdirektor von Ischgl, der seit über zehn Jahren den österreichischen Skiort, ursprünglich ein Bauerndorf, zur angesagtesten Après-Ski-Metropole der Alpen aufgebaut hat.

Es sei eine sehr gefährliche Entwicklung, sich über den Preis positionieren zu wollen. "Orte wie St. Moritz, die zu den ältesten Skidestinationen der Welt gehören, haben einen starken Markenbezug. Dieser wird mit Rabatten fahrlässig aufs Spiel gesetzt", so Steibl. Es komme fast einer Bankrotterklärung der eigenen Marke gleich.

Kritik auch aus der Schweiz

Kritik an den Schweizer Rabattaktionen kommt allerdings nicht nur aus dem Ausland, sondern auch aus den eigenen Reihen. So geht beispielsweise die Sprecherin der Ferienregion Lenzerheide mit Steibl einig. "Wir sind überzeugt, dass ein gutes Produkt nicht über Preisnachlässe, sondern über seinen Wert verkauft werden muss", sagte Marlen Rogenmoser kürzlich in der Handelszeitung. Und die Verantwortlichen der Luzerner Titlisbahnen sehen beim Billigtrend höchstens eine Steigerung der Frequenzen, nicht aber des Ertrags.

Am vergangenen Wochenende machte Ischgl, die im Verbund mit dem schweizerischen Zollfreiort Samnaun eines der grössten Skigebiete im deutschsprachigen Raum unterhalten, vor, wie man Skigäste anlockt. Zur Skisaisoneröffnung kamen 40'000 Gäste, sämtliche Hotels waren restlos ausgebucht - und auf den Parkplätzen sah man viele Schweizer Nummernschilder, von der Ostschweiz bis hin zu Bern und Basel-Stadt.

Das ist nicht überraschend: Die Zahl der Schweizer, die nach Österreich Ski fahren gehen, nimmt noch immer zu. Alleine im letzten Winter verzeichnete Österreichs Tourismus ein Plus von 20 Prozent bei Schweizer Gästen. In Ischgl war das Wachstum der Schweizer Gäste zweistellig. Und auch dieses Jahr rechnet Steibl mit 10 Prozent mehr Gästen aus dem Nachbarland.

70 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert

Dabei zählt Ischgl nicht mal zu den günstigen Skidestinationen Österreichs, die primär von der Flucht der Schweizer vor den hohen Preisen im eigenen Land geflüchtet sind. Ischgl hat österreichweit die höchste Dichte an Vier-Stern-Hotels. Doch die Gäste sind offenbar bereit, für diese Annehmlichkeiten ins Portemonnaie zu greifen. "Gerade Schweizer sind sehr serviceorientiert und bereit, dafür auch entsprechend zu zahlen - sofern das Leistungsversprechen auch tatsächlich eingehalten wird", sagt Steibl.

Dazu gehören auch konstante Investitionen in die Infrastruktur des Skigebiets. Für diesen Winter modernisierte Ischgl die Anlagen mit 70 Millionen Euro, in anderen Jahren werden in der Regel zwischen 20 und 50 Millionen Euro investiert. "Der Gast möchte zeitgemässe Anlagen", sagt Steibl. In Ischgl ist die älteste Bahn gerade mal achtjährig.

Finanzstarke Bergbahn als Voraussetzung

Auch hier nimmt der Tourismusdirektor von Ischgl kein Blatt vor den Mund: "Der Investitionsstopp in der Schweiz ist falsch, denn der Gast möchte mit modernen Aufstiegshilfen transportiert werden." Deshalb müsse hinter jedem erfolgreichen Skigebiet eine starke Bergbahngesellschaft stehen, die den Betrieb zeitgemäss halten kann.

Tatsächlich wird in der Schweiz deutlich weniger in die Infrastruktur investiert. Eines der grössten Projekte der letzten Jahre - die Verbindungsbahn zwischen Arosa und der Lenzerheide - kostete gerade mal 20 Millionen Franken. Zudem kann die Bahn, die mit 225 Pistenkilometern eines der grössten Skigebiete Graubündens enstehen lassen soll, wegen Bauverzögerungen erst gegen Ende der Wintersaison in Betrieb genommen werden.

Sehen Sie das cash-Video-Interview mit Tourismusdirektor Andreas Steibl.

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