Schweizer Transporteur - Kühne+Nagel mit Margenenttäuschung - Aktie schwach

Kühne+Nagel steigert den Umsatz im dritten Quartal zweistellig, verfehlt beim Gewinn die Analystenerwartungen dennoch deutlich. Als Folge davon fällt die zuletzt feste Aktie Gewinnmitnahmen zum Opfer.
16.10.2017 11:43
Von Lorenz Burkhalter
Transporter von Kühne + Nagel in der Londoner Innenstadt.
Transporter von Kühne + Nagel in der Londoner Innenstadt.
Bild: cash

Die Aktionäre von Kühne + Nagel (K+N) dürften zu Wochenbeginn ein Déjà-vu haben. Zwar stellt das Transportunternehmen aus Schindellegi die Analystenerwartungen beim Umsatz auch im zurückliegenden dritten Quartal weit in den Schatten. Wie schon in den ersten sechs Monaten gehen die Marktanteilsgewinne allerdings zu Lasten der Margen.

Als Folge davon werden die Erwartungen an den EBITDA, EBIT und Reingewinn trotz des prozentual zweistellig höheren Umsatzes klar verfehlt. Das macht das Unternehmen zum Wiederholungstäter und kommt bei den Anlegern verständlicherweise nicht gut an.

An der Schweizer Börse SIX fällt die bis zuletzt feste Aktie von K+N Gewinnmitnahmen zum Opfer. Zur Stunde verliert sie noch 4,5 Prozent auf 170 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 169,10 Franken.

Wie Marco Strittmatter von der Zürcher Kantonalbank schreibt, war das Volumenwachstum in den Geschäftsfeldern Luft- und Seefracht rund doppelt so hoch wie dasjenige der zugrundeliegenden Märkte. Auch im Überlandfracht und in der Kontraktlogistik war das Resultat seines Erachtens besser als noch im Vorjahrszeitraum.

Gefallen findet der Analyst insbesondere am erstmals seit knapp zwei Jahren wieder höheren Bruttogewinn pro Container im Seefrachtgeschäft. Dies lässt ihn hoffen, dass in naher Zukunft auch bei der Bruttogewinnentwicklung in der Seefracht wieder Steigerungen möglich sind.

Turnaround in der Überlandfracht gewinnt an Fahrt

Aufgrund der verfehlten Konsenserwartungen und der kürzlichen Höchststände bei der Aktie geht Strittmatter von einer leicht negativen Kursreaktion aus. Sein Anlageurteil lautet jedoch weiterhin "Übergewichten".

Lobende Worte findet auch sein Berufskollege Christian Obst von Baader-Helvea. Er begrüsst das starke Volumenwachstum sowie den sich abzeichnenden Turnaround in der Überlandfracht.

Die alles entscheidende Frage bleibe jedoch, ob es K+N in Zukunft gelingen werde, die Fracht- und Konversionsraten steigern zu können, so lässt der Analyst durchblicken. Er empfiehlt die Aktie wie bis anhin mit einem Kursziel von 200 Franken zum Kauf.

Zurückhaltender gibt sich der für die Deutsche Bank tätige Andy Chu. Denn obwohl seine Gewinnschätzungen unter den Konsenserwartungen gelegen haben, wurden sie im dritten Quartal um rund 3 Prozent verfehlt. Das Volumenwachstum sei stark aber die Margen weiterhin unter Druck, so lautet seine Einschätzung.

Diesjährige Konsenserwartungen dürften fallen

Gemäss Chu weist die K+N-Aktie nach dem Anstieg der letzten Wochen einen Bewertungsaufschlag von rund 30 Prozent gegenüber dem langfristigen Durchschnitt auf. Er stuft sie deshalb weiterhin mit "Hold" und einem Kursziel von 160 Franken ein.

Michael Foeth von der Bank Vontobel räumt zwar ein, dass das Transportunternehmen sowohl beim Wachstum als auch bei den Margen branchenweit führend ist. Allerdings habe sich die Gewinnentwicklung weder im Jahresvergleich noch gegenüber dem Vorquartal wie erhofft verbessert, so schreibt er. Auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes sieht Foeth die diesjährigen Konsensschätzungen marginal fallen. Er stuft die Aktie vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 169 Franken ein.

Der für die UBS Investmentbank tätige Dominic Edridge nimmt sowohl das "Neutral" lautende Anlageurteil als auch das 12-Monats-Kursziel von 154 Franken in Überprüfung.