Schweizer Zahlensaison: Es liegt eine Trendwende drin

Der nächste Gesundheitscheck für Schweizer Aktien steht vor der Tür. Mit der Präsentation der Jahreszahlen rückt Donald Trump für einmal in den Hintergrund - und hat doch seine Finger mit im Spiel.
11.01.2017 01:00
Von Ivo Ruch
Kann die Pharma-Industrie mit den Geschäftszahlen überzeugen? Blick auf den Novartis-Hauptsitz in Basel.
Kann die Pharma-Industrie mit den Geschäftszahlen überzeugen? Blick auf den Novartis-Hauptsitz in Basel.
Bild: Bloomberg

Schritt für Schritt informieren die Schweizer Unternehmen in den kommenden Wochen über ihren Geschäftserfolg im letzten Jahr. Der Bauzulieferer Sika machte mit den Umsatzzahlen am Dienstag den Anfang. Mit den vollständigen Zahlensets von Novartis (am 25.01.) und UBS (27.01.) nimmt die Berichterstattung dann gegen Ende Januar richtig Fahrt auf.

Für Anleger sind diese Zahlen besonders wichtig, weil sich positive oder negative Überraschungen in der Regel im Aktienkurs niederschlagen. Darüber hinaus geben die Firmen mit dem Jahresabschluss auch bekannt, wie hoch die Dividende für das zurückliegende Geschäftsjahr ausfallen soll.

Nach Jahren rückläufiger oder höchstens stagnierender Schweizer Unternehmensgewinne rechnen mehrere Anlageexperten wieder mit mehr Dynamik. Laut Roland Kläger, Leiter Investment Office bei Raiffeisen Schweiz, liegt gar eine Trendwende drin, wie er sagt: "Das ist auch dringend nötig, weil die Bewertungen teilweise hohe Niveaus erreicht haben." Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Swiss Performance Index (SPI) liegt für 2016 bei 18,1.

Wie geht es der Pharma-Industrie?

Nach einem aussergewöhnlich schlechten Jahr für die Aktien der grossen Pharma-Unternehmen Novartis und Roche stellt sich nun die Frage, wie die Börsen-Schwergewichte operativ dastehen. Zwar dürften sie zu den Profiteuren des erstarkten Dollars gehören, weil sie einen grossen Teil des Umsatzes in den USA generieren. Doch Marktbeobachter rechnen mit einer Stagnation, wenn es um die Gewinnentwicklung geht.

Die gute Nachricht für Börsianer: Die Pharma-Titel haben bereits einiges an Enttäuschungen vorweggenommen und sind mittlerweile attraktiv bewertet.

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, das dritte Schwergewicht, befindet sich ebenfalls in einem herausfordernden Marktumfeld, wo deutliches Wachstum schwierig geworden ist. Von Januar bis September 2016 lag das Umsatzplus lediglich bei 3,3 Prozent - der schwächste Zuwachs seit über zehn Jahren. Viel Aufmerksamkeit gilt derzeit dem neuen CEO, der den Konzern stärker in Richtung Gesundheitsbereich steuern dürfte.

Für Vontobel-Fondsmanager Marc Hänni ist die Nestlé-Aktie deshalb erst mittelfristig wieder ein Thema: "Entscheidend bleibt, wie in Zukunft organisches Wachstum erreicht wird. Die Nestlé-Aktie dürfte erst in der zweiten Jahreshälfte wieder interessant werden."

Die Banken sehen Morgenröte

Viele Schweizer Industrieunternehmen sind in jüngster Zeit an der Börse gut gelaufen, zum Beispiel ABB oder Geberit. Sie profitierten von einer robusten Weltkonjunktur und von der Aussicht auf fiskalische Impulse in den USA. Anastassios Frangulidis, Chefstratege der Privatbank Pictet, traut solchen Firmen durchaus positive Überraschungen bei der Präsentation der Jahresergebnisse zu. Wie schon im dritten Quartal dürften sie weiter überzeugen.

Auch die Schweizer Banken sieht Frangulidis im Aufwind: "Vielerorts läuft die Konjunktur besser als vor einem Jahr und die Zinskurve ist steiler geworden", sagt er im Gespräch. Tatsächlich ist seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ein Umschwung in der Investoren-Stimmung gegenüber Banken feststellbar: Eine Verbesserung der Zinsmarge wäre für die Finanzinstitute höchst willkommen.

Anderer Meinung ist Roland Kläger von Raiffeisen. Seiner Meinung nach bleibt die Situation für Banken schwierig. Eine Zinswende sei noch nicht in Sicht und die globale Konjunktur müsste sich weiter verbessern, damit sich der Himmel für UBS, Credit Suisse und Co deutlich aufhellen würde.

Swatch und Richemont: Das Gröbste ist vorbei

Konsens herrscht hingegen, wenn es um die Aktien der Uhren- und Luxusgüterhersteller geht. Richemont sowie Swatch haben in der Vergangenheit stark unter rückläufigen Exportzahlen gelitten. Doch seit einigen Monaten zeigen die Aktienkurse wieder steil nach oben. Viel Negatives dürfte mittlerweile eingepreist sein.

Die Swatch-Aktie reagiere fast nicht mehr bei schlechten Uhren-Exportzahlen, sagt Fondsmanager Marc Hänni. "Das Gröbste dürfte vorbei sein und die Aktie ist historisch immer noch günstig bewertet", so sein Fazit. Zu seinen weiteren Favoriten gehört Logitech, wo demnächst eine Erhöhung der Guidance möglich sei. Aber auch Straumann, Flughafen Zürich, Forbo oder Emmi zählen dazu.

Auch für Roland Kläger hellt sich die Situation für die Uhren- und Luxusgüter-Firmen nach schwierigen Monaten weiter auf. Sie dürften vor allem von Verbesserungen in den Schwellenländern profitieren. "Trotz der seit Sommer anhaltenden Rally trauen wir den Aktien von Richemont und Swatch noch Luft nach oben zu", so der Raiffeisen-Experte.

Wieviel Trump ist schon eingepreist?

Seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA befinden sich viele Aktienmärkte – einschliesslich der Schweizer Börse – im Aufwind. Doch mit Blick auf die USA stellt sich die Frage, wieviel des Trump-Effekts bereits eingepreist ist.

"Die Märkte gehen davon aus, dass Donald Trump sein fiskalisches Programm durchsetzen kann", sagt Pictet-Chefstratege Frangulidis. Eine grosse Unbekannte bleibt: die Diskussion um Importzölle und andere protektionistische Massnahmen. Riskiert Trump einen Handelszwist mit China, sind Verwerfungen an den Aktienmärkten vorprogrammiert.