Schwellenländer - Top-Investor zieht es jetzt nach Afrika

Ein Top-Investor bei Schwellenländer-Anleihen setzt sein Geld nun auf Afrika. Er rechnet mit hohen Erträgen, die das Risiko wert sind.
09.10.2017 03:23
Das Kwame Nkrumah Mausoleum in der ghanaischen Hauptstadt Accra.
Das Kwame Nkrumah Mausoleum in der ghanaischen Hauptstadt Accra.

Jim Craige von Stone Harbor Investment Partners, der den weltbesten Fonds in diesem Jahr leitet, kauft derzeit Dollar-Papiere aus Angola, Ghana, Gabun, Elfenbeinküste und Sambia, während er seine Bestände an Anleihen aus Brasilien und Mexiko zurückfährt. Er sagt, dass die Sub-Sahara-Länder im Jahr 2016 unfair bestraft wurden und nun den besten Wert unter den Entwicklungsländern darstellen.

Nachdem eine mehrjährige Rally die Indizes für Schwellenländer-Bonds in diesem Monat auf Rekordstände getrieben hatte, sind Anleger nun auf der Suche nach riskanteren Verbindlichkeiten von weniger bekannten Schuldnern, um Erträge herauszuholen. 

Zwar waren Länder wie Angola und Sambia in der Vergangenheit bei Zahlungen nicht ganz so pünktlich wie einige etabliertere Staaten aus Lateinamerika. Doch ihre Dollar-Staatsanleihen rentieren bei rund 7,3 Prozent, was fast das Doppelte dessen ist, was beispielsweise Papiere aus Mexiko einbringen und drei Prozentpunkte mehr als vergleichbare Papiere Brasiliens.

Preise in Südamerika sind nun überzogen

"Es war anspruchsvoll, Partner zu finden, um eine Menge dieser Namen zu besitzen", berichtet Craige. Sein Emerging Markets Total Income Fonds und sein Emerging Markets Income Fonds erzielten im bisherigen Jahresverlauf die beiden besten Erträge, mit Stand vom 22. September.

Untersucht wurden 229 Schwellenländer-Anleihefonds aus der Kategorie Hartwährungen, die mindestens 100 Millionen Dollar an Vermögenswerten besitzen und die ihre Entwicklung an Bloomberg melden. "Aber wir dachten, sie waren sehr attraktiv."

Übergewichten-Positionen bei Brasilien, Mexiko und Argentinien halfen, den Netto-Anlageertrag von Craiges Total Income Fonds, der in Staatsanleihen und Firmenanleihen investiert, in diesem Jahr auf 19 Prozent zu heben. Doch inzwischen seien die Preise überzogen, sagt er, besonders für Brasilien und Mexiko. "Wir sind von einem sehr grossen Übergewicht zu einem bescheideneren Übergewicht übergegangen."

Verschiedene Probleme in Afrika

Die Sub-Sahara-Länder, die Craige nun ins Visier nimmt, haben niedrigere Kreditratings als Brasilien oder Mexiko und sind mit erheblichen Herausforderungen im Inland konfrontiert. 

Angola, Afrikas zweitgrösster Ölexporteur, leidet unter einem Mangel an harter Währung und einem wachsenden Schuldenniveau nach dem starken Rückgang der Rohölpreise. Ghana steckt inmitten eines Programms des Internationalen Währungsfonds und Sambia verhandelt gerade ein solches. Auch die Elfenbeinküste, die mit einer Stufe unter dem Brasilien-Rating als das sicherste Land der Region gilt, hatte mit einer Reihe von Meutereien von Soldaten in diesem Jahr zu tun.

Craige sagt, die höheren Erträge sind es wert, das grössere Risiko einzugehen. Es hält es für unwahrscheinlich, dass die Rohstoffpreise noch viel weiter fallen werden. Und er erwartet, dass der IWF jene Länder unterstützt, die dessen Orientierung beanspruchen. Darüber hinaus seien die Cash-Flow-Bedürfnisse dieser Länder für die Region relativ niedrig. Das deute darauf hin, dass sie kein Problem haben sollten, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Schwellenländer am Anfang eines Bullenmarktes

Aber der beste Grund, die Anleihen dieser Länder zu besitzen, ergibt sich seiner Meinung nach aus dem positiven externen Umfeld: Die Schwellenländer würden sich gerade erst am Anfang eines Bullenmarktes befinden. Von daher mache es Sinn, jene mit den besten Erträgen auszuwählen. 

"Die zugrunde liegenden Fundamentaldaten verbessern sich in den Schwellenländern deutlich", sagt Craige.

(Bloomberg)